„Pyrotechnisch wird es eine Chaotensaison”

Von: Achim Kaiser
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Schlechtes Vorbild: Frankfurte
Schlechtes Vorbild: Frankfurter Chaoten zündeten bei dem letzten Spiel der Eintracht in Aachen jede Menge Bengalos. Fanbeobachter befürchten, dass es in der heute startenden Drittligasaison pyrotechnisch ähnlich chaotisch in den Alemannia-Rängen abgehen könnte. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Vorfreude auf den heutigen Drittliga-Auftakt ist bei den Alemannia-Anhängern riesig. Das Tal der Tränen nach dem überflüssigen Abstieg scheint durchschritten, die mühevolle Tour Richtung Aufstieg soll am Freitagabend mit einem Sieg in Bielefeld beginnen.

„Ich tippe nie gegen die Alemannia”, gesteht Dieter Lübbers, Vorsitzender der Alemannia-Fan-IG, „ein guter Start mit einem 2:0-Sieg würde gut passen in die Aufbruchstimmung.” So positiv der langjährige und erfahrene Schwarz-Gelb-Kenner Lübbers auch die sportlichen Perspektiven beurteilt, so skeptisch bewertet er das künftige Fanverhalten: „Es ist schwer, ein Urteil abzugeben. Ich bin froh, dass bei den letzten Zweitligaspielen nichts passiert ist. Ich denke, die Ruhe ist trügerisch. Ich fürchte, dass es in Sachen Pyrotechnik eine Chaotensaison werden wird”, nimmt Lübbers kein Blatt vor den Mund.

Diese Einschätzung teilt auch Kristina Walther vom Fanprojekt Aachen: „Ich glaube auch, dass es in dieser Saison pyrotechnisch anders abgehen wird als in der Vergangenheit.” Bislang sei die Alemannia ja eher selten mit Bengalo-Vergehen konfrontiert worden.

Lübbers hofft, dass es genug vernünftige Fans in den Gruppierungen gibt: „Leider sind ja einige Chaoten immer dabei. Und an die kommt man einfach nicht ran.” Das Gegenteil will Fanprojektleiterin Walther schaffen: „Pyrotechnik darf nicht mit Gewalt gleichgesetzt werden. An dieses Thema muss man mit Bedacht gehen.” Nicht alle, die einen Feuerwerkskörper in der Hand hielten, seien „Gewaltverbrecher”. Würden Bengalos jedoch in Menschengruppen oder aufs Spielfeld geworfen, dürfe es kein Pardon geben.

Auch für die heutige Partie um 20.15 Uhr bei Arminia Bielefeld (live im WDR) glaubt der IG-Vorsitzende, „dass es nicht ohne Fackeln abgeht”. Einigen gehe es primär darum, jetzt schon ein Zeichen für die dritte Liga zu setzen. „Leider können wir als Interessengemeinschaft der Alemannia-Fans und Fan-Clubs wenig dagegen tun. Gefordert sind hier die Alemannia GmbH und die Behörden”, betont Lübbers, „wir haben unsere Hilfe angeboten, werden aber leider nur vertröstet. Zur Räson zu bringen seien die vereinzelten „Chaoten” nur über „drastische Stadionverbote”.

Das sieht Alemannias Geschäftsführer Frithjof Kraemer ähnlich: „Gewalt im Stadion darf es nicht geben, und Pyrotechnik wird es nicht geben.” Eine Hintertür für eine etwaige Legalisierung der verbotenen Leuchtraketen werde auf dem Tivoli jedenfalls nicht geöffnet. „Wir haben in der zurückliegenden Saison an vielen Standorten Dinge gesehen, die wir in Stadien nicht sehen wollen. Und die müssen aus den Stadien verbannt werden”, erklärt Kraemer. Das sei eine Unterstützung, die kein Verein brauche. Letztlich müsse derjenige, der erwischt werde, die Konsequenz tragen: „Und die lautet Stadionverbot.”

Das sei jedoch nicht der Weisheit letzter Schluss, meint Kristina Walther: „Trotz Bestrafungen sind die Vergehen ja nicht zurückgegangen.” Der Fanprojektleiterin ist der Dialog wichtig, sie will die Diskussion nicht unterbrechen. Sie möchte vielmehr hinterfragen, warum es einzelnen Fans so wichtig ist, „Pyros hochzuhalten”. „Ist das ein Ausdruck von Protest und Rebellion?”, fragt sie. Wichtig ist ihr, sich diesem „sehr schwierigen Thema emotionsfrei zu nähern”.

Dass eine sportlich erfolgreiche Saison möglicherweise weniger Nährboden für Fanausschreitungen bietet, darüber sind sich Lübbers, Kraemer und Walther einig. „Ich hoffe jedenfalls, dass die Mannschaft am Freitagabend positiv angefeuert wird und wir uns nicht mit anderen Themen beschäftigen müssen”, blickt Geschäftsführer Kraemer der heutigen Partie mit einem „sportlich gutem Gefühl” entgegen.

Auch Fan-IG-Chef Lübbers schwärmt vom gesamten Kader, von den Trainern und vom Manager: „Das sind alles Fußball-Bekloppte im positiven Sinne. So eine gute leistungsorientierte Stimmung habe ich selten in Aachen erlebt.” Langfristige Prognosen will er aber nicht abgeben, weil er damit in der Vergangenheit öfter mal schief lag. Dass Sportdirektor Uwe Scherr aber ein „Glücksgriff” sein könnte, sage ihm sein Bauchgefühl: „Und vom dem habe ich ja einiges.”

Alemannia kein Top-Gegner

Mit dem heutigen Saisonstart werden in der Bielefelder Schüco-Arena acht Tribünenblöcke weniger für die Zuschauer geöffnet. Arminias Pressesprecher Marcus Uhlig: „Nur bei Topspielen öffnen wir alle Tribünen.” Das seien die Partien gegen Osnabrück und Münster.

Die Alemannia-Fans sitzen in ihrem speziell zugänglichen Gästeblock allein auf weiter Flur. Von den 27.300 Zuschauerplätzen der Bielefelder Gesamtarena sind in der Drittliga-Variante gut 15.000 verfügbar.

„Rund 1300 Fans werden wohl nach Bielefeld reisen”, schätzen Fan-IG-Vorsitzender Dieter Lübbers und Kristina Walther vom Fanprojekt Aachen. „Die zwei Busse der Fan-IG waren schnell ausgebucht. Wir hätten noch einen dritten voll bekommen, haben aber kein Unternehmen mehr gefunden”, sagt Lübbers.

Die Fan-IG lädt am Freitag ab 19 Uhr ins Werner-Fuchs-Haus, Liebigstraße 25, ein. Dort soll der Start in die neue Saison gefeiert werden. Auf der neuen Großleinwand kann Alemannias Spiel in Bielefeld live verfolgt werden.
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