Aachen - Prügelei nach Mitternacht

Prügelei nach Mitternacht

Von: Michael Klarmann
Letzte Aktualisierung:
az_nazis_bu
Demo gegen rechte Gewalt: In der Franzstraße wurde der Tross gestoppt, weil sich einige Teilnehmer vermummt hatten. Foto: Michael Klarmann

Aachen. Am Ende dann doch: Polizeisprecher Karl Völker hatte Freitag gegen Mitternacht noch von einem „überwiegend störungsfreien” Verlauf der Demonstration von Nazigegnern in Aachen gesprochen, doch seine Kollegen wurden Samstag gegen 2.40 Uhr zum Bushof gerufen.

Dort sollen vermummte Linke Neonazis attackiert haben. Ein 18-jähriger Rechter aus Herzogenrath musste verletzt ins Krankenhaus.

Am späten Freitagabend haben mehr als 500 Nazigegner aus ganz NRW gegen rechte Gewalt demonstriert. Kritisiert wurde, dass Neonazis zahlreiche Angriffe auf Linke, Studierende und Fußballfans sowie Attacken gegen das „Autonome Zentrum” (AZ) verübt hatten. Entsprechend gereizt war die Stimmung. Eine Rednerin rief zu Beginn vor dem AZ kurz um 20 Uhr dazu auf, die Nazigewalt habe eine Dimension erreicht, man müsse „zurückschlagen”.

Die Polizei begleitete die Demonstranten denn auch mit einem Großaufgebot. Und als der lautstark Parolen skandierende Protestzug an dem Hotel nahe dem Hauptbahnhof stoppte, das angeblich die NPD kaufen will, folgten erste Rangeleien. Anlass war ein Neonazi, der Fotos machte. Die Linken wollten die Polizei überrennen, um zu dem Rechten zu kommen. Die Beamten setzten dagegen, zückten teilweise den Schlagstock. Als eine Flasche flog, setzten sie Schutzhelme auf.

Die Lage beruhigte sich erst wieder, nachdem andere Beamte den Neonazi kontrolliert und fortgeschickt hatten. Ein Redner des AZ rief derweil via Lautsprecherwagen, sollte die NPD das Hotel kaufen, käme das „einer Katastrophe gleich” und würde bedeuten, dass von dem „NPD-Zentrum” noch mehr Angriffe auf Nazigegner ausgingen.

Nächstes Gerangel Franzstraße. Da sich Teilnehmer vermummt hatten, stoppte die Polizei den Tross. Es kam Pfefferspray zum Einsatz, unter den Linken kam es zu leicht Verletzten. Bevor sich die Lage noch mehr hochschaukelte, mühten sich unter anderem die Linken-Ratsfrau Renate Linsen-von Thenen und der Linke-Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko um Deeskalation. Der Stopp dauerte dennoch 30 Minuten - Verkehrsbehinderungen inbegriffen.

Lautstark zog der Protestzug weiter zum Elisenbrunnen und über den Hansemannplatz zum Büro der Linken in die Augustastraße. Dort mahnte Hunko angesichts der Attacken auch gegen das Büro: „Wenn Nazis uns angreifen, müssen wir zusammen stehen.” Bald darauf indes erneut ein Gerangel, diesmal am Städteregionshaus. Protestler hatten bengalische Fackeln gezündet, und Polizisten wollten mit einem „Greiftrupp” entsprechende Personen festnehmen. Kommentar über die Lautsprecheranlage der Demo: „Der Polizei ist kalt am Kopf, sie hat wieder die Helme an.”

Letztlich stoppten in der aufgeheizten Lage ausgerechnet mutmaßlich rechte Jugendliche, die vor der Dreifaltigkeitskirche an der Herzogstraße auftauchten, den „Greiftrupp”. Statt Festnahmen unter den Linken durchzuführen drängten Teile der Polizisten die Störer ab. Und so endete die Demonstration gegen 23.30 Uhr wieder vor dem AZ - und der den Einsatz begleitende Polizeipräsident Klaus Oelze verabschiedete sich in den Feierabend.

Drei Stunden später trafen doch noch Linke und Rechte am Bushof aufeinander. Wegen eines „geschädigten Rechten” (Polizei) wird gegen vier „Linke” ermittelt. Aufgefunden wurden bei den zwischen 19 und 25 Jahre alten Verdächtigen Pfefferspray und ein Schlagstock. In der Nacht besprühten Neonazis zudem das Haus eines Aussteigers aus der rechten Szene mit einem Hakenkreuz und dem Wort „Jude”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert