Prozess um Containern erregt jede Menge Aufsehen

Von: Joel Teichmann
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Unter den Menschen, die finden, dass Containern kein Verbrechen ist, sind auch (v.l.) Christian Walter, Ben Krebs und Kiki Herten. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wer Lebensmittel wegschmeißt, der braucht sie nicht mehr. Wenn sich sogar jemand findet, der diese Speisen doch noch verzehren möchte, dann gibt es ja eigentlich auf allen Seite nur Profiteure. Soweit die Theorie.

Denn in der Praxis wird das sogenannte „Containern“, also das Sammeln weggeworfener Lebensmitteln von Supermärkten, nicht so positiv betrachtet. Zwei Aachenern soll ihre „Rettungsaktion“ nun sogar zum Verhängnis werden. Sie wurden angeklagt. Was für die einen eine nachhaltige Ressourcennutzung darstellt, ist für die Staatsanwaltschaft nämlich „schwerer Diebstahl“. Das Verfahren zieht sich über nunmehr knapp zwei Jahre, am Freitag ist schließlich der Prozessauftakt.

Das Kuriose daran: „Der betroffene Supermarkt selbst hat gar keine Anzeige gestellt“, erklärt Christian Walter vom Bündnis „Containern ist kein Verbrechen“, das sich für die Angeklagten einsetzt. Vor einiger Zeit startete die Initiative eine Onlinepetition, deren Ziel einerseits die Entkriminalisierung des Containerns und andererseits das Fallenlassen des Prozesses sei. Stolze 126.809 Menschen unterschrieben, so dass die Aktion sogar bundesweit für Aufsehen sorgte.

„Bei so vielen Unterschriften wäre eine Verurteilung ,im Namen des Volkes‘ absurd“, meint Walter. Deshalb fordere das Bündnis einen Freispruch. Das Ziel sei es nicht, weitere Menschen für das Containern zu begeistern, „es soll einfach nur nicht kriminalisiert werden“, erläutert Walter.

Essbar, haltbar, makellos

Und tatsächlich ist es sehr erschreckend, was so alles aus den deutschen Mülltonnen gefischt werden kann. Essbare Kirschen, haltbare Eier oder makellose Gewürze sind nur ein Bruchteil des Ganzen. Nach Angabe des Bündnis werden jährlich rund 18,5 Millionen Tonnen genießbare Lebensmittel weggeworfen, 14 Prozent davon im Groß- oder Einzelhandel.

Der Prozess startet am Freitag um neun Uhr. Eine Stunde zuvor will sich das Bündnis „Containern ist kein Verbrechen“ zu einer Protest-Kundgebung vor dem Amtsgericht Aachen treffen.

Am Mittwoch übergab das Bündnis alle gesammelten Unterschriften der Petition sowie einen Präsentkorb – bestehend aus Lebensmitteln, die allesamt durch das Containern gesammelt wurden – an die verantwortlichen Richter.

Bestechung kann man das laut Christian Walter jedenfalls nicht nennen: „Denn rein rechtlich gesehen ist das ja eh nur Müll.“

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