Aachen - Prozess in Duisburg belastet Kaiserplatz-Projekt

Prozess in Duisburg belastet Kaiserplatz-Projekt

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Das große Rätselraten um die Zukunft der Kaiserplatz-Galerie geht weiter.

Während die Verantwortlichen der Projektentwicklungsgesellschaft Adalbertstraße (PEA) durch das derzeit laufende Wirtschaftsstrafverfahren gegen den Architekten Hans Kahlen, maßgeblicher Kopf des Kaiserplatz-Projekts, keine negativen Auswirkungen befürchten, sind die Sorgen in Politik und Verwaltung deutlich größer.

Der Prozess sei „für die Realisierung des Projekts kein gutes Zeichen”, meint Michael Rau, planungspolitischer Sprecher der Grünen, der zu den wenigen gehört, die sich überhaupt öffentlich äußern. Andere sprechen ihr Unbehagen nur hinter vorgehaltener Hand aus - zu groß ist die Sorge, ein ohnehin kniffliges und wackliges Vorhaben durch unbedachte Worte zusätzlich ins Wanken zu bringen.

Stattdessen trägt CDU-Fraktionschef Harald Baal lieber demonstrativ Optimismus zur Schau: Er habe „immer noch ein gutes Gefühl” - schließlich kümmere sich nicht nur Kahlen alleine, sondern eine größere Gesellschaft um die Kaiserplatz-Galerie.

So sieht es auch Herbert Dierke, bei der PEA verantwortlich für das Projektmanagement und die Architekturplanung des geplanten Einkaufzentrums, für dessen Bau rund 240 Millionen Euro veranschlagt sind. „Die Planungen werden weiter vorangetrieben”, versicherte er am Montag. Den Prozess gegen Kahlen müsse man unabhängig von den Plänen in Aachen sehen. Die entscheidenden Geldgeber würden deswegen nicht abspringen und wollten auch nicht auf ihr Investment verzichten.

Herbst 2013 anvisiert

Die derzeitigen Abbrucharbeiten würden unvermindert vorangetrieben, so Dierke - verzögert einzig wegen noch einiger Mieter an der Adalbertstraße. In Kürze würden jedoch weitere vorbereitende Arbeiten für das Ausheben der Baugrube beginnen. Als neuen Fertigstellungstermin der Galerie nennt er nun Herbst 2013.

Damit hätte sich die Eröffnung entgegen den ursprünglichen Planungen bereits um gut vier Jahre nach hinten verschoben. Begonnen haben die ersten Arbeiten mit dem Abriss des alten Gloria-Kinos am Kaiserplatz im Jahr 2007. Seitdem sind fast vier Jahre ohne nennenswerten Fortschritt vergangen. Und viele Politiker haben inzwischen das ungute Gefühl, dass die Hängepartie noch lange nicht beendet sein wird.

Zu denen, die sich in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt fühlen, gehört Ratsherr Horst Schnitzler, zugleich Sprecher der Bürgerinitiative „Kaiserplatz-Galerie - Nein Danke”. Aus seiner Sicht habe man vor Jahren auf Grundlage „unwahrer Behauptungen” einen Ratsbeschluss gefasst und den Weg freigemacht für ein „hochspekulatives Monopolygeschäft.”

Doch längst habe sich gezeigt: „Kahlen findet niemanden, der dem Projekt Vertrauen schenkt.” Der jetzige Prozess verschärfe diese Situation. Als Kritiker sei Schnitzler zwar gegen den Bau des gewaltigen Einkaufzentrums, doch eine Ruinenlandschaft in der Innenstadt sei auch keine Lösung.

Wie am Samstag berichtet, muss sich Kahlen zurzeit vor dem Landgericht Duisburg verantworten. Ihm werden in zwei Anklagen Kreditbetrug, zehn Steuerstraftaten, vier Betrugstaten und neun Insolvenz- und Bankrottdelikte zur Last gelegt. Zu den Geschädigten sollen mehrere Banken, eine Sparkasse und eine Baufirma gehören. Um mehrere Millionen sollen zudem die Finanzbehörden betrogen worden sein. Das Verfahren sollte zunächst in diesem Monat beendet werden.

Inzwischen sind laut Stefan Ulrich, Pressedezernent des Landgerichts Duisburg, weitere Termine bis Juni angesetzt. Vier namhafte Rechtsanwälte verteidigen den Angeklagten.
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