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Prozess am Landgericht: Brutale Schläge und Fußtritte unter Fußballfans

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Soweit man das überhaupt sagen kann, hat Tobias B. (20) aus Alsdorf noch Glück gehabt. Der angehende Kfz-Mechatroniker klagt nach seinen Verletzungen heute „nur” über permanente Kopfschmerzen, er hat Angst, alleine auszugehen, und regelmäßig plagen ihn Alpträume.

Bei dem, was eine Zeugin am Montag vor der 1. Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht vortrug, muss Tobias B. einer höheren Instanz danken, dass er den 18. Juni 2010 überlebte. Deshalb stehen Nikola M. (26) und Momcilo M. (19) wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Es war der Tag, an dem Deutschland bei der Fußball-WM in Südafrika ab mittags im Spiel der Gruppe D den kampfstarken Serben mit 0:1 unterlag, Schweinsteiger bekam nach dem Spiel Wutausbrüche und Klose war am Ende „tieftraurig”, die Löw-Truppe lag gedemütigt am Boden.

Ähnlich muss sich auch eine Gruppe junger Deutscher gefühlt haben, die das Spiel auf dem Markt beim Public-Viewing gesehen hatte und später am Büchel schräg gegenüber vom Parkhaus noch in ein Lokal gehen wollte. Da kamen, erinnerte sich am Montag das Opfer, drei Pkw eines serbischen Autokorsos vorbei, das Verhängnis nahm seinen Lauf.

„Das war wie einem Film”, schilderte am Montag eine 23-jährige Zeugin ihr Erlebtes. „Dreimal trat der Angreifer gegen den Kopf des am Boden liegenden Jungen. So fest. Ich dachte, er wäre tot.” Auf Bitten des Rechtsmediziners Prof. Markus Rothschild demonstrierte ein anderer Zeuge, wie der mutmaßliche Täter, das soll Nikola M. sein, mit seinem beschuhten Fuß ausholte und wie bei einem harten Torschuss den Kopf traf: „Der schleuderte hin und her, da war ein volles Pfund dahinter”, betonte der Zeuge.

Nach den polizeilichen Ermittlungen begann die Tat, als einer der Wagen, ein silberner Golf, abrupt anhielt. Er donnerte schräg auf den Bürgersteig. Dessen Fahrer hatte sich von dem Trupp deutscher Fans, die mit aufgemalten schwarz-rot-goldenen Nationalfarben im Gesicht in einer Gruppe zusammenstanden und anscheinend keine guten Verlierer waren, „angemacht” gefühlt. Den feiernden Serben hätten sie den Mittelfinger gezeigt und das Unwort „Hurensohn” hinterher geschrieen - eine Bezeichnung, die regelmäßig zu gefährlichen Gewaltausbrüchen führt.

Faust ins Gesicht

Der Fahrer (18) hatte an der Antoniusstraße gewendet, war zurückgefahren und hielt jetzt an. Er stieg aus und machte seinerseits die Deutschen an: „Was soll das”, habe er gefragt. Der relativ kleine Mann bekam postwendend von einem „großen Blonden” eine Faust ins Gesicht. Für ihn war die Sache gelaufen. Für andere, die aus den nachfolgenden zwei Pkw ausstiegen, aber nicht.

Einer von ihnen, nämlich der kaum deutsch sprechende und zu Besuch aus Kroatien in Aachen weilende Nikola M., soll sich auf den am Boden liegenden Tobias B. gestürzt und seinen Kopf als Spielball benutzt haben. Er sei derjenige, der zwei- oder dreimal so brutal zutrat, so dass B. ein Schädeltrauma wie einen Joch- und Nasenbeinbruch erlitt, B. kam sofort ins Krankenhaus.

Die Gewaltspirale aber soll der 19-jährige und in Aachen wohnende Cousin Momcilo M. eröffnet haben. Er soll den 20-Jährigen Alsdorfer zunächst mit einem Faustschlag niedergestreckt haben, bevor dann Cousin M. über ihn herfiel. Der Prozess geht am Donnerstag weiter.
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