Protest gegen Radweg auf der Tramtrasse

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
11444184.jpg
Rechts Deutschland, links Niederlande: Diese schmale Brücke über den Senserbach passieren jetzt schon 100 und mehr Radfahrer pro Tag. Die Bewohner von Oud Lemiers im Hintergrund fürchten nun, dass ihre Idylle durch den neuen Radweg zerstört wird. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Von 1922 bis 1938 verkehrte die Tram regelmäßig zwischen Vaals und Maastricht, mit Anschlüssen an Eisjden-Margraten auf der einen und Aachen auf der anderen Seite. Die alte Trasse existiert noch in großen Teilen, mit maximal zwei Prozent Steigung im limburgischen Hügelland vergleichsweise flach angelegt – das dampfbetriebene Straßenbähnchen war schwach auf der Brust.

Da lag die Idee nicht fern, auf dieser Trasse eine Fahrradroute anzulegen. Als Startschuss dieses Projektes unterzeichneten Vertreter von vier Gemeinden aus dem Limburger Heuvelland, der Stadt Aachen sowie der Provinz Limburg jetzt eine Absichtserklärung im niederländischen Schloss Wittem. Sie rechnen auf der neuen Radroute in der Tourismussaison mit 500 Nutzern täglich. Doch noch ist die Tinte nicht trocken unter der „Intentieverklaring,“ bildet sich in Lemiers erster Widerstand.

Projektpartner sind die Provinz Limburg, die Stadt Aachen, die Gemeinden Vaals, Gulpen-Wittem und Eijsden-Margraten sowie die Stadt Maastricht. Der Vorsitzende der Lenkungsgruppe, Beigeordneter Armand Opreij aus Eijsden-Margraten, erklärte dabei: „Die Fahrradroute über die alte, ebene Straßenbahntrasse zwischen Aachen und Maastricht führt entlang der schönsten Orte im Südlimburger Hügelland. Die Landschaft hier hält sich nicht an Gemeinde- oder Landesgrenzen, und dieses Projekt ebenso wenig.“

Die Lokalpolitiker vereinbarten weitere gemeinsame Schritte zur Umsetzung des Projektes. Wichtig dabei sei, dass die Route über Aachen Anschluss an die Vennbahn erhält: ein nahezu ebener Fernradweg, der durch das Hohe Venn bis nach Troisvierges in Luxemburg führt – eine durchgängige internationale Radwegverbindung von über 150 Kilometern Länge zwischen Maastricht und Luxemburg.

Derzeit wird ein Vorentwurf für die Radroute erstellt, der Aufschluss über die finanzielle und technische Durchführbarkeit geben soll. Das Investitionsvolumen wird vorläufig mit 2,8 Millionen Euro beziffert, die je zur Hälfte von der Provinz Limburg und den vier Gemeinden getragen werden.

Der Vorentwurf soll den Gemeinderäten in Süd-Limburg im Frühjahr 2016 vorgelegt werden. Beim Bau der erforderlichen Infrastruktur wird weitestgehend von der – relativ ebenen – Trasse der Dampfstraßenbahn ausgegangen, Die definitive Streckenführung soll 2016 beschlossen werden, so dass die Gemeinderäte der beteiligten Kommunen noch im selben Jahr über das Projekt und die Bereitstellung der notwendigen Finanzmittel abstimmen können. Die Bauarbeiten können daraufhin im Jahr 2017 starten.

Durch ein Naturschutzgebiet

Die Bewohner im beschaulichen niederländischen Teil von Lemiers, das durch den Senserbach getrennt wird, haben dagegen starke Bedenken gegen das Projekt. Die „Bürgerinitiatief Vallei Lemiers“ verweist darauf, dass die neue „Fietsbaan“ eben nicht nur über die alte Tramtrasse (entlang der Hauptstraße zwischen Vaals und Maastricht) geleitet werden soll, sondern im Bereich von Lemiers eine neue, vier Meter breite und asphaltierte Trasse angelegt wird, quer durch Bachtäler und einmalige Naturgebiete.

Schon jetzt werde die schmale Brücke über den Senserbach von mehr als 100 Radfahrern genutzt und sei die Belastungsfähigkeit des Weges und seiner Anwohner überschritten. In Vorentwürfen werde eine Trasse auf deutscher Seite geprüft, mitten durch ein Naturschutzgebiet mit seltenen Amphibien, Vögeln und Säugetieren. Außerdem laufe der Radweg nach den bisherigen Planungen komplett an allen Cafés und Geschäften vorbei. Till Walther: „Wir erwarten, dass unsere Bedenken bei den weiteren Überlegungen ernst genommen werden.“

Axel Costard vom Presseamt verweist darauf, dass sich die Überlegungen noch in einem Vorstadium befinden. Eine von vielen Möglichkeiten sei, die Radler über den Senserbachweg zu leiten. Doch auch wie es von der Grenze aus weitergeht zum Vennbahnweg, sei noch ungewiss: „Diese Trassenführung ist ebenfalls noch völlig ungeklärt.“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert