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Projekt von Beginn an völlig verkorkst

Von: Heiner Hautermans
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Verkauft haben die Stadtwerke Aachen inzwischen ihr verlustbringendes Pelletwerk im Voreifelort Vossenack. Nach einem Umbau sollen demnächst deutlich mehr Pellets als zuvor produziert werden. Foto: Margret Vallot

Aachen. In dem Projekt war wohl von Anfang an der Wurm drin: Das Holzpelletwerk in Vossenack, in das die Stawag rund 15 Millionen Euro investiert hat, ist inzwischen an ein bayrisches Unternehmen verkauft worden.

Für welchen Preis, dazu wollten die Stadtwerke am Mittwoch keine Stellung beziehen. Klar ist jedoch, dass der Aachener Energieversorger jahrelang kräftig zugebuttert hat.

Es begann schon mit dem Kauf des ehemaligen Sägewerkgrundstücks, das für knapp drei Millionen Euro erstanden wurde, obwohl es vorher für wenige hunderttausend Euro zur Zwangsversteigerung anstand und ein Gutachter später einen Wert von knapp 400.000 Euro attestierte. Das Pelletwerk sollte Zulieferer für ein Holzkraftwerk in Aachen sein, doch dieser Plan scheiterte.

Nach einer Durchsuchung der Stawag-Zentrale an der Lombardenstraße im September 2007 leitete die Staatsanwaltschaft Aachen ein Verfahren wegen des Verdachts der Untreue ein. Oberstaatsanwalt Robert Deller hatte in diesem Zusammenhang schon früh von offensichtlichen Ungereimtheiten gesprochen, konnte am Mittwoch aber wiederum nur mitteilen, dass „die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind”. Sie gestalten sich auch deswegen so langwierig, weil teilweise Geldflüsse in bar nachvollzogen werden müssen.

Auch bei der Inbetriebnahme Anfang 2008 gab es zahlreiche Anlaufschwierigkeiten, etwa Proteste aus der Nachbarschaft gegen den Lärm aus dem Häckselwerk. Zu allem Überfluss waren die Preise für die Holzschnitzel stark gesunken. „Die Anlage hat sich einfach nicht gerechnet”, formulierte es Sprecherin Eva Wußing am Mittwoch dezent.

Man habe sie nicht einfach leichtfertig aufgeben wollen und mehrfach Versuche unternommen, sie zu optimieren. Und ist damit offensichtlich grandios gescheitert: Nach Informationen der „Nachrichten” beliefen sich die Verluste zuletzt auf rund vier Millionen Euro pro Jahr, die Hälfte im operativen Geschäft, die andere für den Kapitaldienst.

Zwei Jahre Betriebszeit à vier Millionen Miese, zweieinhalb Millionen für ein überteuertes Grundstück: Haben die Stadtwerke mehr als zehn Millionen Euro für ein vollkommen misslungenes Abenteuer in den Sand gesetzt, müssen die Gaspreise gar aus diesem Grund erhöht werden? Sprecherin Eva Wußing weist das zurück. „Für die Kunden hat das keine Auswirkungen.” Einmal seien sämtliche Geschäftsbereiche bei den Aachenern Stadtwerken strikt getrennt, zum Anderen gebe es auch sehr lukrative Engagements, etwa das Gaskraftwerk in Hamm-Uentrop, durch das die Miesen aus Vossenack „mehr als ausgeglichen werden”.

Doch zu Zahlen, wie gesagt, äußert sich das Unternehmen nicht, will auch nicht offenbaren, welchen Preis die Demmel Bioenergie mit Hauptsitz bei Ingolstadt für das Werk in Vossenack gezahlt hat. Dass der Käufer die Anlage fortführen will, über wesentlich mehr Erfahrung mit der Pellet-Produktion und über die „gesamte Wertschöpfungskette” verfüge, teilt Sprecherin Wußing dagegen gerne mit.

Laufendes Verfahren

Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wolle man sich wegen des laufenden Verfahrens ebenfalls nicht äußern. „Wir haben aber großes Interesse daran, dass der Sachverhalt aufgeklärt und das Verfahren abgeschlossen wird.”
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