Pro-Erdogan-Demo verläuft friedlich

Von: Heike Nelsen-Minkenberg
Letzte Aktualisierung:
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Die Erdogan-Demo in der Aachener Innenstadt ist friedlich verlaufen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Strömender Regen, durchnässte Banner und Türkeifahnen – die knapp 300 türkischen Mitbürger, die sich gegen 11.00 Uhr in der Stiftsstraße eingefunden hatten, um ihre Solidarität mit der Regierung Erdogan zu demonstrieren, mussten eine Menge Geduld mitbringen.

Um 11.30 Uhr, eine halbe Stunde später als geplant, setzte der Demonstrationszug sich Richtung Elisenbrunnen in Bewegung und erreichte in der Spitze etwa 800 Teilnehmer, wie Werner Schneider, Pressesprecher der Polizei, bestätigte: „Darunter waren viele Frauen mit Kindern.“ Auf ihrem Weg verteilten die Demonstranten Rosen an die Passanten, um für ihr Anliegen zu werben: Solidarität mit der Regierung der Türkei. Allerdings erschloss sich diese Botschaft nur wenigen deutschen Zuschauern, wurden doch sämtliche Parolen auf Türkisch skandiert, und auch die meisten Transparente waren auf Türkisch verfasst. Lediglich ein paar Plakate mit kritischen Bemerkungen zu Claudia Roth und zur Politik Angela Merkels stachen auf Deutsch aus der Menge hervor.

Am Elisenbrunnen reduzierte sich die Zahl der Demonstranten wieder rasch auf circa 300. „Wir haben mit mehr Leuten gerechnet, aber es sind trotzdem zahlreiche hier hingekommen, und wir sind sehr zufrieden“, so Muhammet Cankir, Initiator der Demonstration. Unter den Rednern war mit Andreas Rechenberg sogar ein Deutscher ohne jeden Migrationshintergrund, der ein kurzes Statement auf Deutsch verlas. „Ich wollte auch zeigen, dass Deutsche für uns sind und nicht gegen uns, für die türkische Regierung. Deshalb wollten wir auch einen deutschen Redner in unserer Gruppe haben“ erklärt Cankir den Auftritt.

Andere hingegen dürfen nicht reden. Als eine Demonstrationsteilnehmerin von der Presse um ein Statement gebeten wird, antwortet sie eigentlich völlig im Sinne der Organisatoren: „Da die ganzen Proteste in der Türkei passiert sind, und auch die Anti-Erdogan-Demonstration in Aachen, haben wir gesagt, wir zeigen uns auch einmal, friedlich, ohne Gewalt, um zu zeigen, es gibt auch Leute, die hinter Erdogan stehen.“ Doch noch bevor die junge Türkin den Satz ganz beenden kann, wird sie zu den Ordnern gerufen und soll der Presse nichts mehr sagen. Das Gleiche passiert auch bei einem Interview-Versuch mit zwei jungen Männern, die plötzlich nicht einmal mehr ihre Namen nennen wollen. Dass Demonstrationsteilnehmer sich direkt gegenüber der Presse äußern, ist von der Demonstrationsleitung ausdrücklich nicht gewünscht.

Neben türkischstämmigen Aachenern waren wohl einige Gruppen aus Köln angereist – allerdings nicht aus Belgien, wie ursprünglich angekündigt. „Augenscheinlich glaube ich nicht, dass welche da sind“ bestätigte Philippe Hilligsmann aus Eupen, der vorsorglich als Kontaktbeamter vor Ort war. Überhaupt war die Polizei auf sämtliche Eventualitäten vorbereitet, da Gegendemonstrationen und Ausschreitungen bis zum Ende nicht ausgeschlossen werden konnten.

Mit einer Reiterstaffel und Dutzenden von Einsatzfahrzeugen hatten die Sicherheitskräfte das ganz große Besteck parat – waren aber froh, es nicht einsetzen zu müssen. Auch das befürchtete Verkehrschaos blieb aus. Bis auf 15 Minuten Verspätungen im ÖPNV und ein paar kleinere Staus rund um die Innenstadt lief alles ganz normal. Gegen 13.10 Uhr löste sich die Demonstration dann nach dem Singen der türkischen Nationalhymne friedlich auf.

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