Prinz Thomas II.: Mann aus dem Volk hat überall Heimspiel

Von: Georg Dünnwald
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Da freuen sich die Närrinnen und Narren. Prinz Thomas II. trifft immer den richtigen Ton und bietet Stimmung mit Herz. Diese Tollität hat einfach Herz und geht auf die jecken Leute ein. Foto: Ralf Roeger
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„Ohne meinen Hofstaat wäre ich aufgeschmissen“, sagt Prinz Thomas II. Und seine Männer stehen denn auch voll hinter ihm.

Aachen. „Ich bin krank...“, keine Reaktion bei den Narren, dann lauter und deutlicher „ich bin kraaank“, spöttisch spitzt Karnevalsprinz Thomas II. seine Lippen. „Ooooooh“, nun ist die Reaktion aus dem Publikum perfekt. Thomas Sieberichs, noch nicht ganz genesen, ist wieder mit seinem ebenfalls leicht lädierten Hofstaat auf Tour.

Obwohl Thomas Sieberichs, der Mann aus dem Volk, der Kranführer und Lkw-Fahrer, die aktuelle Tollität, von einer Bronchitis gezeichnet ist, zieht er auf den Karnevalsbühnen mit seinen Männern sein Programm durch. Mit Spaß an d‘r Freud und mit Lust am Spiel mit dem Publikum. Bei ihm gibt es keine Distanz zum Narrenvolk. Er fühlt sich wohl in seiner Haut, ob krank oder gesund. Thomas Sieberichs scheint nichts zu viel zu sein. Er ist offen, freundlich, ehrlich. Kurz: Er ist ein Glücksfall für den Öcher Fastelovvend.

Die jecke Tour durch Aachen ist kurz nach der Generalprobe zur AKV-Sitzung stressig. Es geht von Nord nach Süd, kreuz und quer und wieder zurück. Ein Seniorennachmittag im Lemküllchen ist der Beginn eines mehr als neunstündigen prinzlichen „Arbeitstages“. Dann sind Prinz und Gefolge für die nächsten drei Stunden fest im Eurogress engagiert. Dort ist die Generalprobe für den AKV-Fernsehsitzung angesetzt und dort tritt jeder Öcher Prinz auf. Das ist selbstverständlich. Für ein paar Minütchen im Fernsehen gehen drei Stunden drauf. Schon die Warterei ist anstrengend, „anstrengender als unterwegs zu sein“, bestätigt Wolfgang Pauels.

Ab zu den „Mäddchere“

Aber irgendwann hat auch die Warterei ein Ende. Ab zu den Mäddchere nach Richterich. Die feiern dort den legendären Frauenkarneval in der Peter-Schwarzenberghalle. Und dahin muss jeder Stadtprinz. Thomas II. empfindet seinen Besuch nicht als Pflicht sondern Kür. „In Richterich bei den Mädchen macht der Fastelovvend richtig Spaß“, sagt Herold Helmut Rossbach.

Viel Zeit bleibt nicht, um sich zu präsentieren. Prinz Thomas singt sein Lied „Ein dicker Fisch“, das mittlerweile in Aachen zum Hit geworden ist. Wenn die Tollität dieses Lied singt, schmettern alle Narren im Saal mit, da gibt es kein Halten mehr. „Ein dicker Fisch“ spielt auf die Leibesfülle der Tollität an, immerhin wog sie zu Beginn der Session 222 Pfund, auch ihr liebstes Hobby, das Angeln, wird berührt. Nicht umsonst heißt das Motto des Prinzen: „Mit Petri Heil im frühen Tau, Öcher Jecke angele an Wurm än Pau“.

Das Restaurant „Stadtkrone in der Aachener Altstadt ist voll besetzt. Im hinteren Teil der Gaststätte sitzen 127 Personen und speisen. Es sind Bürger aus Aachen und Naumburg, die die 25-jährige Städtefreundschaft begießen. Und völlig verdutzt sind, als plötzlich der Öcher Prinz mitsamt Hofstaat erscheint. Da werden die Digitalkameras gezückt, Mobiltelefone hervorgeholt und eine schier nicht enden wollende Knipserei beginnt. „Die Überraschung ist gelungen“, freut sich Rolf Igel vom Städtepartnerschaftskomitee Aachen-Naumburg.

„Leute ich muss weiter“

„Leute, ich muss weiter“, ruft die Tollität und ab geht es. Hofmarschall Gustl Brammertz ist bereits weg, im Ellerhof wartet schließlich die KG Rübezahl Silesia. Während sich der Hofmarschall, der Herr über sämtliche Termine, an den anstrengenden Wochenenden von Herbert Blees fahren lässt, werden der Prinz, sein Adjutant Marcel Soltenborn und AKV-Prinzenberater Alwin Fiebus in einer stattlichen Karosse von Wilfried Mandelartz kutschiert. Die anderen Hofstaatsmitglieder machen es sich in Minibussen gemütlich, für die sichere Fahrt sorgen die Fahrer Martin Arnoldi und Marco Fuchs.

Im Ellerhof warten schon Kommandant Markus Bongers und seine Gardisten von der Prinzengarde. Also, zackzack, marschmarsch auf die Bühne, das Programm muss durchgezogen werden. Stehend wird Prinz Thomas empfangen, die Jecken im Saal sind schon von ihm begeistert, ehe er überhaupt auf der Bühne steht. Der Mann hat eben Ausstrahlung.

Aber zunächst ist die Prinzengarde dran. Tanzmariechen Desirée Vallet und ihr Offizier Marco Krings legen sich mächtig zu den Klängen des Radetzkymarschs ins Zeug, die beiden finden immer besser zusammen. Erst seit Anfang Januar treten sie zusammen auf. Die Stimmung ist beinahe auf dem Siedepunkt, als die Tollität wieder den dicken Fisch besingen muss. Derweil animiert „Till“ Michael Foellmer das Publikum gekonnt und dreht mit so mancher Närrin jecke Runden.

Aber die Karawane zieht weiter. Zum Reulert heißt es, zur Arbeiterwohlfahrt. Dort, im Begegnungszentrum feiern Brander Senioren und dort warten sie geduldig auf den Narrenherrscher. Unterwegs meldet sich der kleine Hunger. Dem erstaunten Gast wird heißes Essen angeboten. „Du kannst einen Hot Dog haben, im Broodje mit Sauerkraut.“

Heimspiel

Im AWO-Zentrum hat der Prinz ein Heimspiel. Die Alten sind regelrecht jeck auf ihn. Und sie freuen sich total darüber, dass er eine kleine Abordnung der Prinzengarde mitgebracht hat. „In den letzten Jahren waren wir ja nicht dabei, das war ein Fehler“, gibt deren Anführer, der Garden-Adjutant Egon Klinkenberg zu. Prinz und Hofstaat singen au Öcher Leddcher, das kommt an in Brand, den dicken Fisch dann auch noch, aber Gustl Brammertz tippt auf seine Armbanduhr. „Wir müssen weiter“, heißt das, denn an der Zeise warten die närrischen Pfarrkinder von St. Michael. Auch dort ist karnevalistischer Ausnahmezustand. Es wird geschunkelt und gelacht, der Prinz ist der Stargast des Abends.

Dinieren in trauriger Atmosphäre

Weiter zum Quellenhof. Dort warten die Lackschuhkarnevalisten des AKV mitsamt designiertem Ordensritter und Stadtoberen. Es wird diniert, die Atmosphäre gleicht freilich einer Trauerfeier. Prinzengarde und Hofstaat und die Tollität lockern die Chose zwar auf, dennoch kommt nachher einer der Gardisten: „Und jetzt, wo wir weg sind, wird das Requiem von Mozart aufgeführt.“

Aufatmen ist nicht drin. Denn bei der Kreishandwerkerschaft an der Heinrichsallee, nur einen Steinwurf entfernt wird der jecke Tross erwartet. Dort haben sich die Tollitäten, die Lieblichkeiten und Deftigkeiten bereits die Klinke in die Hand gedrückt. Kalter Schnitzelchen, Frikadellen und Puttes in Scheiben geben die nötige Grundlage für die zwei, drei Bierchen, die man unbedingt trinken muss, während eine Etage tiefer die Tollitäten ihr Programm vorführen. die Atmosphäre ist jeck, frei, raderdoll. Es macht Spaß. So mancher Prinzengardist und so manches Hofstaatsmitglied wäre gerne geblieben, aber es heißt, weiter, weiter, weiter.

Erstaunlicherweise hält der Prinz, der doch noch vor kurzer Zeit das Bett hüten musste, durch. Der Mann ist nicht so leicht unterzukriegen. Aber er hat ja nun nur noch eine Station vor sich. Das ist St. Andreas in der Soers. Im Pfarrheim ist es so heißt, dass augenblicklich die Brillengläser beim Eintritt beschlagen. Hier ist des Prinzen zweites Heimspiel.

Viele Duemjroefe sind dort, traditionell treffen sie sich dort zum Feiern. Prinz, Hofstaat und Prinzengarde machen das Sälchen noch voller. Aber stickige Luft, die ist im Fasteleer voll ejal, das müssen Pratschjecke durch. Der dicke Fisch wird bejubelt, beklatscht, mitgesungen und manches Mal auch mitgegrölt.

Prinz Thomas II. ist ein Prinz zum Anfassen. Und zum gernhaben. Was will die Öcher Karnevalsseele mehr. Noch zwei ganze Wochen jeckes Dasein liegen vor ihm und seinen Hofstaatsmännern, die wie eine Eins hinter ihm stehen und ihn hervorragend ergänzen.

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