Aachen - „Printe” zum Anziehen: T-Shirts aus Aachen

„Printe” zum Anziehen: T-Shirts aus Aachen

Von: Martina Rippholz
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Ein kurzer Blick ist erlaubt:
Ein kurzer Blick ist erlaubt: In einem Buch mit Ledereinband, das sie stets dabei hat, hält Annika Kuhn ihre Motivideen fest. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Annika Kuhn und ihr ledernes Notizbuch bilden eine unzertrennliche Einheit. Nie würde sie auf die Idee kommen, ohne das Buch aus dem Haus zu gehen. Sie hütet es wie einen Augapfel. Nicht jeder bekommt es in die Hände. Und längst nicht jeder darf es aufschlagen und reinschauen.

Deshalb ist es etwas Besonderes, wenn Kuhn das dünne Lederbändchen lockert und die weißen, unlinierten Seiten aufschlägt.

Da krabbeln auf einer Seite niedliche Insekten übers Blatt. Auf der nächsten tauchen kindliche Vampire auf. Noch ein Blatt weiter sind es Vögel mit großen Kulleraugen. Es ist eine lebendige, fantasievolle Welt, die Kuhns Büchlein offenbart. Obwohl die Figuren noch Skizzencharakter haben, gezeichnet mit einem schlichten Bleistift. Die 28-Jährige ist selbstständige Illustratorin. Und das Lederbuch ist ihre Ideenbörse. Darin kritzelt und zeichnet sie, streicht wieder und zeichnet aufs Neue. Darin erfindet und entwirft sie ihre Illustrationen - für Aufträge von Firmen, Agenturen und Institutionen. Und für ihre eigenes T-Shirt-Label namens „Printe”.

Bunt, frech und süß

Das gründete die Wahl-Aachenerin, die an der Fachhochschule Design studiert hat, vor wenigen Monaten. „Nach dem Ende meines Studiums habe ich vor allem Auftragsarbeiten gemacht”, erklärt Kuhn, während kirschrote Ohrringe unter ihren blonden Locken baumeln. „Dann wollte ich endlich ein Projekt haben, bei dem ich ganz frei gestalten kann.” Das hat die Jung-Designerin mit „Printe” gefunden. „Eigentlich mochte ich bedruckte T-Shirts nie besonders. Die waren für mich alle nicht tragbar”, sagt sie rückblickend. „Deshalb dachte ich mir: Entwirfst Du eben deine eigenen.” Gesagt, getan. Ihr Faible für das Illustrieren, für Fantasiegestalten und Comicartiges kam ihr entgegen. Und auch ihren Stil hatte die 28-Jährige längst gefunden: „Bunt und detailliert, süß und frech zugleich”.

Dieser Stil findet sich jetzt in sechs Motiven wieder, die es auf verschiedenfarbigen T-Shirts für Männer und Frauen gibt. Zum einen sind es fröhliche und bunte Tiermotive, etwa Vögel mit großen Augen und langen Wimpern. Die anderen gehören in die Kategorie Alptraum, etwa ein dunkler Rabe auf einem alten, brüchigen Ast. Doch sogar der hat noch etwas Niedliches an sich. „Ich wollte erstmal nur eine kleine Auswahl entwerfen, um zu sehen wie die Sachen bei den Leuten ankommen”, erklärt Kuhn. Mit Freunden und Bekannten hat sie angefangen, mittlerweile haben ihre Shirts aber schon Abnehmer in Frankreich, Belgien und sogar in Österreich. „Diese Kunden kenne ich überhaupt nicht”, sagt die junge Designerin ein bisschen stolz.

Dennoch: Leben kann Annika Kuhn von ihrem Label nicht. Jedes Motiv hat gerade mal eine Auflage von 20 bis 30 Stück. Die 28-Jährige arbeitet in ihrer Zweizimmerwohnung „mit einem großen Schreibtisch, vielen Stiften und zwei Computermonitoren”. Doch traurig ist sie keinesfalls, dass es langsam voran geht. Schneller ökonomischer Erfolg ist ohnehin nicht ihr Ding. Das zeigt sich auch an den Stoffen, die sie sehr sorgfältig ausgewählt hat. Kuhn: „Die T-Shirts beziehe ich von einem Betrieb in Indien, der Fair-Trade-zertifiziert ist”. Darüber hinaus bestünden die Shirts aus Biobaumwolle. „Die ökologische Komponente war mir sehr wichtig.”

Sehen, wie ihre T-Shirts ankommen, abwarten, was der Markt sagt - das will Kuhn. Irgendwann einmal davon zu leben, das kann sie sich durchaus vorstellen. Ihre Ideale will sie dafür keinesfalls aufgeben. Ihr Haupt-Standbein, die Auftragsarbeiten, hat sie deshalb beibehalten. Und noch etwas soll bleiben: ihr Standort. „Der Name Printe hat natürlich einen starken Aachen-Bezug”, erklärt Kuhn. „Ich lebe sehr gerne in dieser Stadt und möchte hier bleiben.”
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