Preuswald: Das Tauziehen ums Hochhaus dauert an

Von: Gerald Eimer
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Auch die Aachener Landmarken AG will sich im Preuswald einbringen: Sie hat nicht nur Pläne für das umstrittene Hochhaus am Ende der Altenberger Straße (hinten links), sondern auch für die drei vorgelagerten kleineren Hochhäuser erarbeitet. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Über Jahre hinweg wurden sie durchaus auch als „Nervensägen“ empfunden, doch inzwischen gibt es ungewöhnliches Lob für die Vertreter der Initiative Preuswald. „Das Engagement der Bürgerschaft hat sich ausgezahlt“, befand der SPD-Planungspolitiker Norbert Plum am Dienstag im Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss.

Und selbst der lange Zeit erbittert bekämpfte größte Wohnungseigentümer vor Ort scheint inzwischen seinen Frieden mit der Initiative gemacht zu haben. „Die Worte haben manchmal weh getan, aber die Leute hatten ja Recht“, meint Sascha Steiner, Regionalleiter des Immobiliengiganten Vonovia.

Zu „den Leuten“ gehören etwa Hannah Dorner-Bachmann und Roswitha Hoefeld, die als Preuswald-Bewohner mit weiteren Mitstreitern vor rund zehn Jahren den Kampf gegen den drohendem Niedergang und eine Ghettoisierung der einstigen Mustersiedlung im Grünen aufgenommen haben. Inzwischen können sie sich nicht nur über anerkennende Worte, sondern auch einen spürbaren Kursschwenk freuen. Der Preuswald blüht wieder auf.

Sichtbar ist das inzwischen an vielen Stellen, wie die Initiative Preuswald bereits vor einem Jahr erfreut feststellen konnte: Etliche Wohnungen wurden modernisiert, viele Häuser wurden energetisch saniert, weitere sind in Arbeit. Die neue Kita hat ihren Betrieb aufgenommen. Ein Kiosk wurde eröffnet, die Ansiedlung einer Aldi-Filiale an der Lütticher Straße gilt als gesichert, Grünflächen wirken wieder einladend.

Da fügt sich auch der neue Bewegungsparcours ein, der am Dienstag offiziell eröffnet wurde und die einst vergammelte Parkpalette an gleicher Stelle vergessen macht. Und schon reifen auch die Planungen für einen Neubau der Grundschule Bildchen, der mit Mitteln aus dem Landesprogramm „Gute Schule 2020“ gestemmt werden soll.

Mit der Umbenennung der Deutschen Annington in Vonovia und dem Börsengang vor rund zwei Jahren ist augenscheinlich eine neue Geschäftspolitik einhergegangen, die sich auch mit Zahlen belegen lässt. Innerhalb von drei Jahren wurden die Instandhaltungsausgaben um 35 Prozent von 13,77 auf 18,63 Euro pro Quadratmeter erhöht. Und auch bei der Mieterauswahl gehe Vonovia nach städtischen Angaben inzwischen neue Wege: Während Annington noch stark auf Bezieher von Transferleistungen gesetzt hat, sind bei allen Neuabschlüssen inzwischen die Mieter mit eigenem Einkommen klar in der Mehrheit.

Das alles registrierten Aachens Wohnungspolitiker auf ihrer vor Ort angesetzten Sitzung mit Genugtuung. „Das war ein sehr guter Termin, hier sind enorme Verbesserungen auf den Weg gebracht worden“, freute sich CDU-Sprecher Harald Baal. Norbert Plum erklärte, „diese Aufwertung ist nur zu begrüßen“, wofür er ausdrücklich auch den Bürgern dankte: „Engagement lohnt sich, steter Tropfen höhlt den Stein.“

Kleinteiligere Bebauung

Und diese Bürger wollen auch noch ein Weilchen weitermachen, wie Dorner-Bachmann und Hoefeld nach der Sitzung betonten. „Es tut sich einiges, aber es steht und fällt alles mit dem Hochhaus“, sagen sie. So ist es auch im Quartiersentwicklungsplan der Dortmunder Stadterneuerungsgesellschaft Steg dargelegt. Nach Überzeugung der Planer müsse der Bau am Wendehammer der Altenberger Straße abgerissen und durch „zeitgemäßere“ Wohnbebauung – höchstens viergeschossig – ersetzt werden.

An der Vonovia soll es nicht scheitern, wie Regionalleiter Steiner andeutet. „In trockenen Tüchern ist aber noch nichts.“ Aus Sicht der Preuswald-Initiative, ist genau dies das Problem. Denn alle bisherigen Überlegungen – vom studentischen Wohnen übers betreute Wohnen bis zum Abriss oder Rückbau – haben bisher zu keinem greifbaren Ergebnis geführt.

Zwischenzeitlich hat der Aachener Projektentwickler Norbert Hermanns mit seiner Landmarken AG ein Konzept vorgelegt, das bei den Preuswäldern neue Hoffnungen weckt. Es sei sehr vielversprechend, weil es deutlich kleinteiligeres Wohnen mit einem guten Mix aus Sozialwohnungen und Eigentumswohnungen vorsieht, heißt es.

Doch offenbar rechnet sich die Idee für Landmarken nicht mit nur einem Hochhaus. Die Gesellschaft will auch die benachbarten drei etwas kleineren Hochhäuser entlang der Altenberger Straße hinzukaufen und neu entwickeln. Ziel sei es, ein attraktives Wohnangebot für Käufer zu schaffen und auf diese Weise die soziale Struktur im Viertel weiter zu verbessern.

Ob Landmarken mit diesem Ansinnen zum Zuge kommt, ist völlig offen. Uneinigkeit scheint vor allem über den Kaufpreis zu bestehen, denn auch Vonovia denkt über eine Grundsanierung der drei Immobilien am Waldrand nach. Am Freitag soll es eine weitere Verhandlungsrunde zwischen den Interessenten geben.

Ein möglicher Abriss des Hochhauses mit seinen rund 80 Wohnungen dürfte laut Steiner keine größeren Probleme für die Bewohner mit sich bringen. Schon jetzt gebe es dort einen „gewollten“ Leerstand von etwa 14 Prozent. Weiteren Betroffenen könne man im Ernstfall im näheren Wohnumfeld schnell Ersatz anbieten, versichert er.

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