Aachen - Preuswälder machen ihrem Ärger Luft

Preuswälder machen ihrem Ärger Luft

Von: Nadine Preller
Letzte Aktualisierung:
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OB Marcel Philipp nimmt bei der Bürgerversammlung im Preuswald auch den Vermieter, die Deutsche Annington, in die Pflicht: „Da kann sich keiner mehr rausreden.” Foto: Ralf Roeger

Aachen. Von Unmut zu sprechen, wäre noch freundlich ausgedrückt. Die Stimmung kochte an diesem Abend im Gemeindezentrum Maria im Tann. Eine Bürgerversammlung im Wohnviertel Preuswald wurde zur Plattform für die Anwohner, ihrem ganzen Frust über die Deutsche Annington als Vermieter der rund 600 Wohnungen Luft zu machen.

„Seit Monaten werden wir an einer teuren Hotline abgespeist”, hieß es aus dem Plenum. „Das ist unzumutbar, wie man mit uns umgeht.”

Die Kritikpunkte reichen von Schimmel an den Wänden, überteuerten Nebenkostenabrechnungen, verrosteten Wasserohren bis zu unbeantworteten Briefen. Rede und Antwort standen neben Joachim Härtling als Vertreter der Deutschen Annington auch Oberbürgermeister Marcel Philipp, Hans-Dieter Krupinski, ehemaliger NRW-Ministerialdirigent sowie Hans Körfer, Leiter des Fachbereichs Wohnen.

„Einer radikalen Rundumerneuerung” bedarf das Viertel den Anwohnern nach: verkommene Grünanlagen, schlechte Infrastruktur, unzureichende Versorgung - die Liste der Mängel ist lang. „Wir leben in einem Schandfleck”, so eine Bürgerin, die bereits seit 27 Jahren im Preuswald wohnt. „Damals waren wir Aachens Nummer Eins beim Wohnen, mussten sogar ein polizeiliches Führungszeugnis nachweisen, um hier leben zu dürfen.” Heute entspreche das einst gerühmte Viertel der schlechtesten Kategorie Aachener Wohnviertel.

Eine Herausforderung ist unter anderem die Versorgung durch den Einzelhandel. Und gleich hier zeigen sich erste Probleme. „Das Einzugsgebiet ist für Discounter zu gering bemessen”, so Körfer. „Wenn ein Supermarkt in Frage kommt, dann ist das nur direkt auf der Lütticher Straße sinnvoll”, ergänzte Philipp. „Hier muss aber erst ein Bauplatz gefunden werden.” Ein erster Schritt zur Verbesserung sei bereits mit „In Via” getan. Der Dorfladen inklusive Stadtteilbüro soll am 28. Oktober seine Pforten öffnen.

Sofortige Bereitschaft zur Veränderung zeigte Philipp beim Thema KGS Bildchen. „Da es hier keine Freizeitangebote für Kinder gibt, halten wir die Tore des Schulhofs auch nach dem Unterricht geöffnet”, erklärt Schulleiter Johannes Menne. „Vandalismus und kaputte Spielgeräte sind die Folge. Die Instandhaltung können wir nicht allein mit schulischen Mitteln stemmen.” Der OB versprach, sich umgehend um diese Angelegenheit zu kümmern. Auch was die Reinigung und Sauberkeit der Gehwege betrifft, sieht Philipp Handlungsbedarf.

Infrastrukturangebote, Gestaltung der öffentlichen Flächen und die städtebauliche Entwicklung waren Schwerpunkte, die im Zuge der Diskussion als Themenblöcke für die geplante Bürgerwerkstatt festgehalten wurden. Fühlten sich die Anwohner in diesen Bereichen verstanden, blieb die Empörung im Themenbereich Mietwohnungsbewirtschaftung groß.

Während der knapp zweistündigen Veranstaltung schaffte es Annington-Vertreter Härtling nicht, die aufgebrachten Bürger zu beruhigen und anschauliche Erklärungen an den Tag zu legen. „Wir wollen nicht mit Larifari-Antworten abgespeist werden, wo sind ihre greifbaren Lösungsvorschläge”, fragte Roswitha Hoefel von der Initiative Preuswald entrüstet. Die Hilflosigkeit der Versammelten machte sich im Laufe des Abends zunehmend durch empörte Zwischenrufe bemerkbar.

„Das ist wirklich das größte Problem, was wie haben”, erklärt Hoefel. „Diese nicht vorhandene Kommunikation mit der Annington.” Philipp erkannte das Problem und zog in Erwägung, weitere Gesellschaften mit ins Boot und holen: „Das ist tatsächlich eine Fehlentwicklung, dass es im Preuswald de facto nur einen Vermieter gibt.” Härtling erklärte dann doch konkret, neben Verschönerungsmaßnahmen an den Wohnungen - von den Bürgern als „Schminke und oberflächliches Gepinsel” bezeichnet - die Wärmedämmung und Dachsanierung in den Griff zu kriegen. Auch zog er ein Büro vor Ort als Ergänzung zur Servicehotline in Erwägung.

Keine leeren Versprechungen

Dass dies in Zukunft keine leeren Versprechungen bleiben sollen, unterstrich Philipp: „Verkennen sie nicht die Tragweite solcher Veranstaltungen. Die Stadt sieht ihren Auftrag und auch die Annington hat sich hiermit verpflichtet, in fortlaufender Saison etwas zu ändern. Da kann sich keiner mehr rausreden.”
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