Aachen - „Prellbock” mit großen diplomatischen Fähigkeiten

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„Prellbock” mit großen diplomatischen Fähigkeiten

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Zum Abschied das dicke Rathausbuch: Eingerahmt von Ehefrau Rita und OB Jürgen Linden verabschiedete sich der langjährige Bürgerbeauftragte Willi Claßen am Dienstag in den Ruhestand. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Willi, schade dass du gehst” - als Jürgen Linden am Dienstagmittag einen seiner engsten und ältesten Mitarbeiter verabschiedete, gab es im Weißen Saal des Rathauses keinen Widerspruch.

Viele Gäste aus der ganzen Stadt waren gekommen, um Willi Claßen Lebewohl zu sagen; 20 Jahre lang hat er im OB-Büro gewirkt, die meiste Zeit als Bürgerbeauftragter. Kein Wunder, dass ihn fast jeder Aachener kennt, zumindest kennen könnte, denn im Verborgenen still vor sich zu bürokratisieren, das war seine Sache nicht.

Allein seine Zirkusverrücktheit erforderte viel öffentliches Wirken. Als alter Bekannter der Familie Althoff war er schon immer ein Freund der Manege, und so ist es keine Frage, dass er führend beteiligt war, als es zu den ersten Roncalli-Auftritten am Blücherplatz kam, eine bis heute praktizierte Tradition. Aber auch sonst tummelte sich der 62-Jährige gern und oft in der Öffentlichkeit, dabei natürlich immer das Wohl der Stadt und seiner Bürger im Auge.

„Er hatte das Ohr am Puls des Volkes”, sagte Linden und meinte damit die unzähligen Kontakte, die Claßen als Bürgerbeauftragter pflegte. Was nicht an allen Tagen die reine Freude war, denn bisweilen ging es doch hoch her am Telefon oder im Amtszimmer. So musste Claßen häufig als „Prellbock” herhalten, der den Zorn der Bürger auf die Verwaltung voll abbekam und unter Aufbietung aller diplomatischen Fähigkeiten für Entspannung zu sorgen hatte. Bei berechtigten Beschwerden konnte er aber auch sehr deutlich gegenüber der Kollegenschaft werden, was ihm nicht immer und überall einen roten Teppich bescherte.

Nach Breinig

Claßen gehörte unzweifelhaft zu den Bediensteten, die der Stadt Aachen ein Gesicht gaben, die sie engagiert nach außen hin vertraten, der auch genau wusste, wie so eine riesige Verwaltung tickte. Sein Chef pries denn auch sehr, dass der spätere Bürgerbeauftragte „nach einem kurzen Ausflug in das Transportwesen” dauerhaft bei der Stadt angeheuert und sich damit einen „sicheren Arbeitsplatz” besorgt habe. Amüsement beim Publikum, aber Linden legte nach: „Bei der Stadt Aachen ist gut arbeiten, davon zeugen die vielen, vielen hervorragenden Leute, die bei uns sind.”

Claßen wäre nicht Claßen, wenn er nicht eine schöne Anekdote aus den Anfängen der rot-grünen Mehrheit vor 20 Jahren erzählt hätte. Damals hatte er dafür gesorgt, dass Roncalli-Chef Bernhard Paul zum Geburtstag ein bisschen gefeiert wurde im Rathaus, sehr zum Ärger des damals noch amtierenden Oberstadtdirektors von der CDU. Der zitierte zwecks Levitenlesung den nagelneuen OB Linden zu sich, der angeblich gesagt habe: „Das ist aber jetzt ein sozialistisches Rathaus”. Claßen am Dienstag: „Hat sich ja im Lauf der Zeit etwas geändert.”

Mit seiner Frau Rita, Leiterin der Bezirksverwaltung Kornelimünster/Walheim, ist Wiili Claßen vor einiger Zeit nach Breinig gezogen, wo er als SPD-Kandidat für den Stolberger Stadtrat kandidiert. Auch will er sich seiner Lieblingsbeschäftigung widmen, dem Reisen.

Zum Abschied gab es dicken Beifall von den Gästen im Weißen Saal. Linden: „Ich glaube, der Trainer von Alemannia würde sich zurzeit freuen, wenn er mal einen ähnlichen Applaus bekäme.”
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