Prädikat Familienfreundlich: Sie machen den Unterschied

Von: Heike Nelsen-Minkenberg
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Prädikat Familienfreundlich: Die diesjährigen Preisträger, aufgenommen im Ludwig Forum. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Eine heitere Stimmung herrscht am Sonntagmorgen im Ludwig-Forum. Kinder der Grundschule Forster Linde wirbeln mit Instrumenten durch die helle Halle, stolze Eltern suchen nach einem guten Sitzplatz, eine ganze Truppe kleiner Ballettratten hat es sich in der Kinder-Lounge gemütlich gemacht.

„Wir wollen für die Kinderrechte singen, musizieren und tanzen”, begrüßt Museumspädagogin Irmgard Gercke das Publikum zur Verleihung des „Prädikat Familienfreundlich” der Stadt Aachen.

Zuerst darf die Tanzabteilung Uli Hundhausen (Kornelimünster) in die Mulde. Durch einen Zeitungsartikel auf die Wochen für Kinderrechte aufmerksam geworden, erarbeitete Hundhausen mit ihren Schülerinnen in mehrmonatiger Probenarbeit eine ausdrucksstarke Performance.

„Das Thema Kinderarbeit wurde von den Mädchen selbst ausgewählt”, so Hundhausen. Durch mehrere Gespräche kamen sie auf den „Smokey Mountain”, den rauchenden Müllberg von Manila.

Ergebnis der intensiven Auseinandersetzung ist ein anspruchsvolles Stück Tanztheater über die Kinder aus den philippinischen Slums - ein furioser Auftakt für die Verleihung des „Prädikats Familienfreundlich”.

Aus der Fülle der eingereichten Vorschläge wählte die 21-köpfige Jury fünf Preisträger aus. „Wir brauchen das öffentliche Bewusstsein dafür, dass es Menschen gibt, die ohne Bezahlung in unserer Stadt für Familien arbeiten.” bringt Bürgermeisterin Hilde Scheidt die Intention des Preises auf den Punkt.

Erste Preisträgerin ist Ursula Pakora, „eine Nachbarin, wie man sie sich nur erträumen kann”, so Scheidt. Denn Frau Pakora hütet nicht nur Wohnungen und Haustiere für die Dauer des Familienurlaubs, sondern betreut die Nachbarskinder am Nachmittag, unternimmt mit ihnen Ausflüge und hat sogar mit einem kleinen Mädchen zusammen den Heiligen Abend verbracht, weil die alleinerziehende Mutter des Kindes dringend arbeiten musste.

Ein hoher persönlicher Einsatz, genauso wie bei Hans Meinberg, der seit 22 Jahren bei Wind und Wetter als Schülerlotse arbeitet und den Schulweg zur Grundschule Forster Linde sichert. „Letzten Winter war es minus 14 Grad, aber der Meinberg hat da gestanden”, so die Aussage einer Nachbarin über den 83-Jährigen, der ab und zu sogar Fanpost von seinen Schützlingen erhält.

Besonderen Schutz und Unterstützung haben auch kranke und behinderte Kinder nötig - ebenso wie deren Eltern. Ein Bedürfnis, dem der Betreuungsdienst des Förderkreises „Schwerkranke Kinder e.V. in der Region Aachen” nachkommt. Hinter dem sperrigen Namen verbergen sich mehr als 30 Krankenschwestern, die nach ihrem eigentlichen Dienst, an Abenden oder Wochenenden unentgeltlich gehandicapte Kinder betreuen - damit die Eltern, die von der Vollzeit-Pflege ausgepowert sind, wenigstens einen kleinen Freiraum haben und die Kinder trotzdem in guten Händen wissen.

Die Mentoren und Mentorinnen von Jute - „Jugend trifft Erfahrung” - engagieren sich für die Bildung ihrer Schützlinge, wollen Grundschulkinder mit eingeschränkten Bildungschancen auf den ersten Metern ihrer Schullaufbahn Starthilfe geben.

Und zuguterletzt wurde auch die Aachen-Münchener Versicherung als besonders familienfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet.
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