Aachen - Prächtige Ruhestätten und prominente Gräber

Prächtige Ruhestätten und prominente Gräber

Von: Christopher Gerards
Letzte Aktualisierung:
Tag des Denkmals: Bauhistorik
Tag des Denkmals: Bauhistoriker Holger A. Dux führte fachkundig über den Aachener Ostfriedhof. Trotz des zeitweiligen Regens war das Interesse sehr groß. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es ist die Prunkmeile des Aachener Ostfriedhofs. Kaufleute liegen neben Rechtsanwälten, Bischöfe neben hohen Beamten. Auf den Grabsteinen thronen Engel oder Christusfiguren, ein Grab ist größer als das andere. „Millionenallee” nennt Bauhistoriker Holger A. Dux die Reihe der prächtigen Ruhestätten, die am Sonntag Teil einer Führung über den Friedhof nahe St. Josef gewesen sind.

Denn am Tag des offenen Denkmals, der bundesweit unter dem Motto „Romantik, Realismus, Revolution - das 19. Jahrhundert” stattfand, hat auch der Ostfriedhof aus dem Jahre 1803 seine Pforten geöffnet. Prominente Gräber stehen auf der Agenda, ebenso die Baugeschichte der Ruhestätten.

Aachener Tuchfabrikant

Nun also ein Grabmal nahe der Stolberger Straße. Zwei Säulen tragen das Spitzdach, darüber prangt ein steinernes Kreuz. Unter dem Efeu und der Metallplatte am Boden liegt die Gruft, in der ein ehemaliger Aachener Tuchfabrikant begraben ist. „Die Angehörigen konnten sich schlecht von den Verstorbenen trennen”, erklärt Führungsleiter Dux. „Und in einer gemauerten Gruft verläuft der Verwesungsprozess langsamer als in einem einfachen Sarg aus Holz.” Während Dux erzählt, legt sich der Regen und die vielen Besucher können ihre Schirme einklappen.

Der Regen, er hat an diesem Tag vielleicht manchen Interessenten abgeschreckt. Doch Monika Krücken, Leiterin der unteren Denkmalbehörde, hat trotzdem einige Besucher gezählt. „Die Gesamtzahl zu nennen ist schwierig, aber wir können uns definitiv nicht über mangelndes Interesse beklagen”, sagt sie, nachdem sie am Vormittag mit rund 50 anderen Öchern an einer Industrie-Führung durch die Soers teilgenommen hat. „Die Aachener sind absolut interessiert an der Geschichte der Stadt. Es waren auch viele junge Leute dabei.”

Insgesamt 16 verschiedene Denkmäler sind an diesem Tag zu erkunden, darunter das Marschiertor, der Elisenbrunnen oder der Aachener Westfriedhof. Ziel des Ganzen: „Der Tag des offenen Denkmals soll das Thema Denkmalpflege für die Bürger verständlich machen und etwas über die Geschichte der Stadt erzählen”, erklärt die Denkmal-Expertin. Und ein kleines Anekdötchen hat Krücken auch auf Lager. Am Samstagabend nämlich habe sie an einer Führung mit bunten Leitern durchs Suermondt-Viertel teilgenommen. Das zog Aufmerksamkeit auf sich, nicht nur die der Passanten - denn auch die Damen und Herren der Polizei hätten höflich nachgefragt, was man denn mit den Leitern vorhabe.

Zurück zum Ostfriedhof. Das Grüppchen hat Halt gemacht vor einem kleinen unscheinbaren Grabstein, er wirkt beinahe etwas langweilig neben all den prächtigen Monumenten neben ihm. Der Stein ist Teil eines Familiengrabs, doch der Name auf dem Blaustein ist einer der bekanntesten auf dem gesamten Friedhof: Franz Oppenhoff, geboren 1902, gestorben 1945. „Im Oktober 1944 wurde er als Oberbürgermeister eingesetzt”, sagt Dux. Heinrich Himmler jedoch wollte den Aachener aus dem Weg räumen und setzte ein sogenanntes „Werwolfkommando” auf ihn an. „Oppenhoff war bei seinem Nachbarn und wurde dann unter einem Vorwand in sein eigenes Haus an der Eupener Straße gelockt und dort erschossen”, berichtet Dux. „Man hat die Tat niemandem hundertprozentig nachweisen können.”

Nach rund zwei Stunden endet die Führung auf dem gut 3000 Gräber umfassenden Friedhof. Die Besucher hatten ihre Freude: „Ich fand das sehr aufregend. Es gibt hier Monumente, die es in der Form nur selten in Aachen gibt”, sagt Karin Rauscher (63). Für sie steht fest: Den Ostfriedhof wird sie definitiv noch einmal besuchen.
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