Aachen - Populärer Priester wird 75 Jahre alt

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Populärer Priester wird 75 Jahre alt

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
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Kann auf ein reichhaltiges Leben zurückblicken: Anton Jansen, der deute 75 Jahre alt wird. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Schon im Alter von neun Jahren wusste der kleine Toni Jansen, dass er Priester werden will. Eigentlich ein unmögliches Unterfangen für die Familie, die nicht gerade mit Reichtümern gesegnet war.

Immerhin hatten der Vater, der als Maschinenschlosser malochte, und die Mutter, die zuhause als Lohnstöpferin ein paar Mark hinzuverdiente, noch für vier weitere Kinder zu sorgen.

„Wenn ich Dir den Besuch des Gymnasiums bezahle, muss ich das auch für Deine Geschwister tun”, hatte sein Vater gesagt. „Denn damals musste Schulgeld fürs Gymnasium bezahlt werden”, erinnert sich Dr. Anton Jansen, der heute 75 Jahre alt wird. Schließlich durfte er von der Volksschule Kaiserstraße in Eilendorf zum Kaiser-Karls-Gymnasium (KKG) wechseln.

Nach eingehender Beratung mit dem Rest der Familie und dem Verzicht der Geschwister auf einen Oberschulbesuch. „Wollte man Priester werden, war es angeraten, das KKG zu besuchen, weil es ein humanistisches Gymnasium war und man dort Latein und Griechisch lernen konnte. Das war für kommende katholische Seelsorger unerlässlich.” Der Priester verspürt eine große Dankbarkeit gegenüber Eltern und Geschwistern, weil er die Oberschule besuchen durfte.

Maßstäbe gesetzt

Jansen ist wohl einer der populärsten Kirchenmänner in der Stadt. Ein Mann, der Maßstäbe gesetzt hat, im Sozialen und auch im im Kulturellen. Das Sozialwerk Aachener Christen hat er gegründet. Und er hat dafür gesorgt, dass aus der Traditionspfarrkirche St. Josef die Grabeskirchen St. Josef entstand. Als er Pfarrer an St. Peter war, hat er diese Kirche für Ausstellungen geöffnet und so jungen Künstlern eine Chance vermittelt.

Sein Studium der Theologie und Philosophie absvolvierte Jansen ab 1955 an der Jesuitenhochschule in St. Georgen bei Frankfurt/Main. Unter anderem bei dem Jesuitenpater Oswald von Nell-Breuning, der wohl nicht zu Unrecht als der Nestor der katholischen Soziallehre bezeichnet wurde.

„Wir haben damals als junge Studenten gar nicht die Dimension dessen erfasst, was der Nell-Breuning uns da lehrte. Das kam erst viel später.” Jansen, der sein Priesteramt ganz in der Tradition der katholischen Soziallehre lebt, bedauert zutiefst, „dass zurzeit keine Nachfolger von Nell-Breuning und Friedelm Hengsbach in Sicht sind. Das Soziale ist zu wichtig, als dass es vernachlässigt wird”, ist er überzeugt. Aber Nachwuchssorgen gebe es ja in allen Bereichen der katholischen Kirche.

Erst Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts brachte ihn der Jesuitenpater Theo Rieth auf den „Geschmack” . Da war Jansen schon Pfarrer an St. Peter, nach seiner Kaplanszeit in Krefeld und seiner Tätigkeit im Generalvikariat und Internatsleiter des Gregoriushauses, der kirchlichen Musikhochschule. Und nachdem er „nebenbei” in Bonn zum Doktor in Pastoraltheologie promoviert hatte.

„Der Theo war ein ein richtiger Volkspriester”, erinnert sich Jansen. „Der Pater unterrichtete Berufsschüler und bekam die Nöte mit, als es Ende der 80er Jahre erstmals Massenarbeitslosigkeit gab.” Den Gemeindepfarrer und Freund Jansen forderte er auf: „Du bist doch Pastor, mach mal was für Arbeitslose.”

Gesagt, getan - Jansen engagierte sich für Jugendliche, die keine Lehrstelle fanden und deshalb ein Jahr weiter zur Schule gehen mussten, in das sogenannte Berufsvorbereitungsjahr. „Obwohl die meisten von denen ja die Nase voll von Schule hatten.” Zunächst ließ er alles über seinen Kirchenvorstand abwickeln. „Nach einem Jahr aber meinten die Mitglieder, ich solle doch besser einen Verein gründen.”

Also gründete er das Sozialwerk Aachener Christen. „Selbstverständlich auf ökumenischer Basis. Die einzelnen Konfessionen sollten sich das nicht verzetteln.” Das Sozialwerk ist seit langem eine feste Größe in der Stadt, mit eigenen - gemeinnützigen - Ausbildungsfirmen, hoch anerkannt und hat Tausende junger Menschen eine Chance gegeben.

Aber nicht nur dort hat sich Jansen nach seiner Pensionierung eingebracht. Er leitete administrativ bis in Markus Frohn ein neuer Pfarrer gefunden war, die Pfarre St. Josef, vollzog die längst überfällige Fusion mit St. Fronleichnam und regte an, das Kirchengebäude zur erste Grabeskirche Deutschlands umzubauen. „Eigentlich hatte ja Pfarrer Hubert Leuchter die Idee dazu”, sagt Jansen ganz bescheiden. Er aber schon das Projekt an, schrieb einen begrenzten Architektenwettbewerb aus, kümmerte sich um das nötige Kleingeld.

Jetzt geht es um St. Paul

Die Architekten Hahn-Helten schufen schließlich noch nie gesehenes Großartiges. Die Grabeskirche ist seit Bestehen (Allerheiligen 2006) ein Erfolg. Jetzt kümmert sich Jansen mit dem selben Architekturbüro um St. Paul. Dieses Kirchengebäude wird nicht mehr gebraucht. „Wir suchen eine würdige Lösung zu finden.” Aber noch eine Grabeskirche? „Nein”, Jansen schüttelt den Kopf, „ich mache doch nicht zwei Mal dasselbe.
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