Pontstraße: Weg vom Ballermann-Image

Von: Georg Dünnwald
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Tagsüber geht es ruhiger zu,
Tagsüber geht es ruhiger zu, aber abends wird die Pontstraße zur Partymeile. Auswüchse sorgen für ein schlechtes Image. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Wirte in der Pont­straße wollen weg vom Ballermann-Image. Deshalb haben sich kürzlich gute zwei Dutzend der etwa 50 Gastronomen zusammengesetzt und einen dreiköpfigen Sprecherrat gewählt. Der soll nun die Gastwirte in allen Belangen gegenüber Behörden vertreten.

„Wir werden natürlich am Runden Tisch Pontstraße weiter teilnehmen”, sagt Dirk Deutz. Deutz ist Aachener Chef der Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband). Er hat die Pontstraßen-Wirte ermuntert, sich gegen das schlechte Image der Straße zur Wehr zu setzen.

An Wochenenden, so schätzen die Wirte, sind es zwischen 5000 und 10.000 Menschen, die die Pontstraße beleben. Und dabei seien einige, die keine gute Kinderstube nachweisen können, behaupten die Wirte. Diese „Gäste” schreien, werfen mit Glasflaschen, sind aggressiv, auch gegen Personen.

„Wir Wirte haben die Nase voll, wir wollen nicht immer den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen”, sagt Kai Keßler (Ocean-Sowiso), der gemeinsam mit Dennis Polychroniou (Café Madrid und Tangente) und Norbert Schiewald (Kaktus) den Sprecherrat bildet. Mit Ordnungsamtsleiter Detlev Fröhlke haben sich die Wirte schon zweimal unterhalten. „Herr Fröhlke versteht das Anliegen der Wirte”, sagt Deutz.

Verändertes Trinkverhalten

Um das Ansehen der oberen Pontstraße wiederherzustellen, fordert Kai Keßler eine erhöhte Präsenz der Ordnungskräfte. „Denn es ist schon etwas anderes, wenn ich einem Krakeeler sage, dass er endlich Ruhe geben soll, oder aber ob dies ein Uniformierter übernimmt.”

Die verstärkte Anwesenheit von Polizei und Kräften des Ordnungsamts habe schon für etwas mehr Ruhe gesorgt, „aber längst noch nicht genug”. Dabei hätten die Wirte keinen Einfluss darauf, was draußen vor der Tür passiert, meint Dennis Polychroniou. Deutz, Keßler, Polychroniou und Rainer Spenke, Geschäftsführer der Dehoga Nordrhein in Neuss, glauben, dass das veränderte Trinkverhalten der Jugendlichen zum zweifelhaften Ruf geführt hat. „Die wollen in der Straße Party haben. Dafür gehen sie in den Supermarkt, kaufen sich für 5,99 Euro eine Flasche Wodka, die dann sofort geleert wird.”

Die Folge sei aggressives Verhalten und Herumschreien. Keßlers Forderung dazu: „Der Verkauf scharfer Schnäpse sollte im Supermarkt und in Kiosken ab einen frühen Abendzeitpunkt verboten werden.” Es gehe doch nicht an, dass der Supermarkt bis 24 Uhr geöffnet habe und auch Whiskey und Wodka oder ähnliches verkaufen dürfe. Dadurch habe sich die Lage in der Pontstraße eher verschärft.

Auch den drei Kollegen, die nach wie vor „Cocktails to go” zu einem geringen Preis verkaufen, lesen die Sprecher die Leviten. „Die sollten zumindest an der Preisschraube nach oben drehen. Damit die jungen Leute sich nicht mehr zu Discounterpreisen besaufen können”, fordern Polychroniou und Keßler.

Diese Kollegen aber wollten sich einer Diskussion nicht stellen, bedauern die Wirte-Sprecher. Polychroniou gibt zu bedenken: „Wir haben einfach keine Lust, uns den Ruf unserer Pontstraße kaputt machen zu lassen. Wir sind rechtschaffene Unternehmer.”

Klare Regeln

Keßler: „Wir halten uns an die Regeln, die gemeinsam zwischen dem Runden Tisch, der Polizei und dem Ordnungsamt ausgearbeitet worden sind.” Dazu gehöre, dass während der Woche die Außengastronomie ab 24 Uhr geschlossen wird, an Wochenenden ist um 1 Uhr nachts Feierabend. Aber bereits ab 22 Uhr müssen sich die Gäste, die die warme Abendluft bei einem Bierchen genießen wollen, ruhiger verhalten, und die Unterhaltungsmusik muss leiser gedreht werden. Ab Mitternacht gilt zudem, die Türen der Gaststätten geschlossen zu halten.

Alles dies sei schriftlich fixiert und jedem Wirt zugeschickt worden. Jetzt könne sich keiner dahinter verschanzen, nichts gewusst zu haben, betonen die Sprecher. Die Wirte werden sich auch weiterhin Gedanken machen, wie sie die Pontstraße für krakeelende „Partygäste” so unattraktiv wie möglich gestalten.

Ihr Anliegen ist klar: Ihre Gäste sollen sich wohlfühlen, und auch mit den Anwohnern wollen sie ein gutes Verhältnis haben.
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