Aachen - Pontstraße: Horrorkatalog von der Stadt

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Pontstraße: Horrorkatalog von der Stadt

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Aachen. Einen kleinen Horrorkatalog hat die Verwaltung den Politikern aufgeschrieben. Es geht um die Situation in der Feiermeile Pontstraße, durchaus ein Dauerbrenner, aber diesmal liest sich die Beschreibung der dortigen Zustände wie ein Bericht über bestimmte Örtlichkeiten zu Zeiten spätrömischer Dekadenz, um den amtierenden Außenminister zu bemühen.

Entsprechend verstört werden sich die Mitglieder des Hauptausschusses in ihrer Sitzung am 7. Juli über die Akte beugen - und nach Abhilfe Ausschau halten. Da sah es bis vor kurzem noch ziemlich düster aus.

Das lag auch daran, dass die für Sicherheit und Ordnung zuständigen Zweige der Verwaltung eine Zeitlang an akutem Personalmangel litten. Von insgesamt 15 Außendienststellen waren im vergangenen Jahr weniger als zehn besetzt, und davon gehörten zwei zum Innendienst.

Blieben „zur Bewältigung aller ordnungsbehördlichen Aufgaben auf der Straße”, so heißt es in der Vorlage für die Kommunalpolitiker, „in der Regel acht Mitarbeiter für einen Dienst von zwei Schichten an sieben Tagen in der Woche” - ganz offensichtlich zu wenig, um das Treiben in der Pontstraße in den Griff zu bekommen (eine Aufstockung des Personals ist mittlerweile beschlossen).

„Mengenmäßig potenziert”

Der Knatsch zwischen Bewohnern und Benutzern der Pontstraße und ihrer direkten Umgebung ist nicht neu - aber so übel wie im vergangenen Jahr war es angeblich noch nie in Sachen Krach und Krawall.

Laut Stadt Aachen haben sich die schlimmen Dinge gegenüber den Vorjahren „mengenmäßig potenziert”, und dann folgt eine Liste der unangenehmsten Begleiterscheinungen des ununterbrochenen Partymachens:

„Starke Lärmbelästigungen durch zum Teil erheblich alkoholisierte Personen bis 3 und 5 Uhr morgens; Herabsetzen der Hemmschwelle zur Gewaltbereitschaft; wildes Urinieren und Erbrechen auf dem Kirchengrundstück und in private Hauseingänge (nicht selten öffnete gerade ein Bewohner die Haustüre, weil er das Haus verlassen wollte); Hinterlassen bzw. rücksichtsloses Entsorgen von Speiseresten, Verpackungsabfällen, Flaschen, zersplittertem Glas; öffentlich unerwünschte sexuelle Handlungen auf dem Parkplatz in der Nähe des ehemaligen Bunkers, in den Grünanlagen des Ponttors oder am Veltmanplatz.”

Warum sich die Lage „deutlich verschlechtert” habe, macht die Stadt nicht nur an personellen Kalamitäten fest. So wird darauf hingewiesen, dass die Polizei den städtischen Ordnungskräften mittlerweile den Vortritt lasse und nur noch „im Straftatbereich” tätig werde; dass nach Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten an den Kiosken fast rund um die Uhr Alkohol verkauft werde; dass einzelne Gastronomen dazu übergegangen seien, gegen geringes Entgelt sogenannte „Cocktails to go” anzubieten; dass es Gruppen gebe, die gezielt ins Pontviertel einfallen, um dort das berühmte Tier rauszulassen.

„Einer weiteren negativen Entwicklung muss Einhalt geboten werden”, heißt es bei der Stadt. Aber was tun, damit das Pontviertel nicht „kippt”, wie die Fachleute befürchten? Denn hemdsärmeliges Durchgreifen, etwa per „Alkoholmitführverbot”, ist schon aus juristischen Gründen schwierig, und es gibt noch ein Spezialproblem: Die Stadt Aachen hat bei allem Ärger „ein elementares Interesse” daran, die Gegend um die Pontstraße als attraktives Restaurant- und Ausgehviertel zu sichern.

Und bekannt ist natürlich auch, dass es sich beim Pontstraßengetümmel keineswegs um ein spezielles Aachener Phänomen handelt. Verglichen mit anderen Städten in Land und Bund, so die Erkenntnis der Verwaltung, halte sich Aachen im „Durchschnittsbereich” auf. Freilich: „Das tröstet die unmittelbar benachbarte Bevölkerung natürlich nicht, und es wird anerkannt, dass die negativen Auswirkungen belastend und für die Menschen im Pontviertel kaum noch hinnehmbar sind.”
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