Aachen - Polizeieinsatz an Trierer Straße: Gaffer filmen mit Handys

Polizeieinsatz an Trierer Straße: Gaffer filmen mit Handys

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
´Smartphone Colourbox
Das Fotografieren oder Filmen kann für Schaulustige rechtliche Konsequenzen haben. Symbolfoto: Colourbox

Aachen. Ein junger Mann steht am späten Mittwochabend auf der Straße. Ihm gegenüber befinden sich zwei Polizeibeamte, die ihn dazu auffordern, das Messer wegzulegen, das er bei sich trägt. Aus Sicherheitsgründen werden Teile der Trierer Straße kurzzeitig gesperrt. Ein Warnschuss fällt.

Der Mann verletzt sich mit dem Messer selbst, wird überwältigt und in ein Krankenhaus gebracht. All das wird von mehreren Menschen, die zufällig vor Ort sind, gefilmt. Aus Wohnhäusern, von der gegenüberliegenden Straßenseite aus.

Bereits während des laufenden Polizeieinsatzes erscheinen im Internet, vor allem bei Facebook, diese Videos und Bilder von der Trierer Straße. Es wird wild darüber spekuliert, ob ein Mord passiert ist oder eventuell die nahe liegende Tankstelle überfallen wurde. Nichts davon trifft zu: Wie die Aachener Staatsanwaltschaft am Donnerstagmittag erklärt, hatte der Mann „suizidale Absichten“ und war keine Gefahr für andere Menschen. Mittlerweile befindet sich der Mann in einer psychiatrischen Klinik in Behandlung.

Trend nimmt immer mehr zu

„In den letzten Jahren ist festzustellen, dass der Trend, alles und jeden in Gefahren- und Notsituationen mit dem Smartphone zu fotografieren und zu filmen, immer mehr zunimmt“, sagt Petra Wienen von der Polizei-Pressestelle im Gespräch mit den „Nachrichten“. Gleiches gelte auch für die Belästigung von Einsatzkräften bei ihrer Arbeit: Verkehrsunfallaufnahmen, Personalienfeststellungen und ähnliche Einsätze. „All dies zieht dann oft weitere Einsätze, teils mit erheblichem Personalaufwand, nach sich“, sagt Wienen.

Einen Grund für diese Entwicklung sieht die Polizeisprecherin in einer Verrohung der Gesellschaft. Es werde nicht geholfen, sondern zuerst die Sensationslust befriedigt. „Das Sich-Anderen-Mitteilen steht dann über allem.“

Rechtliche Konsequenzen

Zwar ist das Fotografieren und Filmen in der Öffentlichkeit nicht verboten. Trotzdem kann das Draufhalten für Schaulustige rechtliche Konsequenzen haben. So steht es unter Strafe, eine hilfsbedürftige Person zur Schau zu stellen. „Zudem dürfen Aufnahmen von Personen nicht ohne deren Einverständnis veröffentlicht, also Dritten zugänglich gemacht werden“, sagt Wienen.

Jost Schützeberg von der Staatsanwaltschaft ergänzt: „Die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensraums durch Bildaufnahme ist strafbar.“ Eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren können die Folge sein.

Auch wenn das Phänomen immer weiter um sich greift: Die Polizei versucht, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren. „Im Rahmen der polizeilichen Präventionsarbeit werden Bürger, vor allem aber Verkehrsteilnehmer und junge Menschen an die Problematik herangeführt“, sagt Petra Wienen. „Das eigene Verhalten soll überdacht und für die Zukunft geändert werden.“ Im Vordergrund solle das Helfen stehen und nicht das Gaffen.

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