Aachen - Polizei rät: „Bloß nicht den Helden spielen“

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Polizei rät: „Bloß nicht den Helden spielen“

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
Raubüberfall
Die sieben Raubüberfälle vom Wochenende schrauben die aktuelle Serie auf 47 Taten in 37 Tagen. Foto: Colourbox/Royalty Free

Aachen. Es ist zwölf Uhr mittags an einem sonnigen Samstag im Oktober. Der alte Mann steht auf dem Aachener Westfriedhof. Eigentlich nicht die Zeit und nicht der Ort für einen Raubüberfall. Doch als der 84-Jährige sich über das Grab seiner Familie beugt, wird er von hinten attackiert.

Ein Unbekannter zieht ihm die Geldbörse aus der Gesäßtasche. Als der alte Mann dies zu verhindert versucht, wird er zu Boden gestoßen. Der Täter nimmt das Bargeld aus der Geldbörse, wirft sie weg und flieht.

„Das ist ein besonders schäbiger Fall, der einen betroffen macht“, kommentiert Polizeisprecherin Iris Wüster den Übergriff auf den 84-Jährigen am vergangenen Wochenende. Und doch ist es nur einer von sieben teils brutalen Raubüberfällen, die die aktuelle Straßenraubserie weiterschreiben. Seit dem letzten Augustwochenende sind 47 Menschen überfallen worden. 47 Opfer in 37 Tagen. Und nicht nur das: Viele wurden auch noch geschlagen, getreten, mit Knüppeln verprügelt, mit Messern bedroht. Ein Opfer erlitt eine Schnittwunde im Gesicht.

Auch wenn der Fall des 84-Jährigen für die Polizei nicht in das typische Serienmuster passt – das Opfer war nicht betrunken und nicht nachts in dunklen Innenstadtecken unterwegs –, so dürfte er viele Aachener weiter beunruhigen. Denn wenn man nicht einmal tagsüber gefahrlos ein Grab auf dem Westfriedhof besuchen kann, wie soll man sich dann überhaupt noch schützen?

Dass mittlerweile in Aachen mehr Pfefferspray als sonst verkauft wird, sieht die Polizei jedenfalls nicht als Lösungsweg. Im Gegenteil. Abgesehen davon, dass Pfefferspray nur gegen Tiere eingesetzt werden dürfe, sei ein solcher Trend zur Selbstbewaffnung fatal, meint die Polizeisprecherin und rät: „Man sollte nichts tun, was die Gewaltspirale weiterdreht, sondern alles an Wertsachen herausgeben und bloß nicht den Helden spielen.“ Allerdings kamen einige Opfer am Wochenende gar nicht dazu, diesen Rat zu befolgen. Sie wurden sofort zusammengeschlagen und danach beraubt. Zwei von ihnen landeten im Krankenhaus.

Diese Gewalt ist es, die vielen Bürgern Angst und der Polizei Probleme macht. Davor verblasst auch die Tatsache, dass es bislang laut Polizei weniger Straßenraubfälle als im Vorjahr gibt – trotz der 47 Taten in 37 Tagen. Bis Ende August waren es 137 im Vergleich zu 184 im gleichen Zeitraum des Jahres 2013. Auch jetzt liege man noch unter dem Vorjahr, sagt Wüster, aber sie weiß auch, „dass solche Zahlen den Opfern nicht helfen“.

Das könnten vor allem Festnahmen, von denen die Polizei bisher acht verzeichnet, wobei die Tatverdächtigen eventuell für mehrere Taten in Frage kommen. Dass es nicht mehr sind, liege auch an ungenügenden Täterbeschreibungen der Opfer, die meist von hinten überfallen würden und mitunter stark alkoholisiert seien. Und oft werde die Polizei auch viel zu spät informiert, manchmal sogar erst am nächsten Tag. Das sei auch am Wochenende, an dem man erneut einen „massiven Sondereinsatz“ gefahren habe, so gewesen, sagt Wüster und appelliert an Opfer wie Zeugen, sich sofort zu melden: „Am Wochenende wären wir überall sehr schnell gewesen.“ Zeugen werden aber auch jetzt noch gesucht – sie können sich unter 0241/9577-31401 melden.

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