Polizei: Platzverweis fürs Ordnungsamt

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Das unglückseligen Aneinanderrasseln von Polizei und Ordnungsamt am Drogenbrennpunkt Kaiserplatz während einer Razzia im April 2008 wurde am Donnerstag weiter vor Gericht verhandelt.

Der damalige Polizeieinsatzleiter Harry Vollmer fasste schlicht zusammen: „Das alles war so nicht erforderlich.”

Doch unmissverständlich machte er klar, dass die Polizei letztlich Eingriffshoheit zur Gefahrenabwehr habe, wenn sich eine Lage zuspitze. Das tat sie damals am Kaiserplatz vor allem wegen der städtischen Kräfte, wie Zeugen berichteten.

Die Angeklagten hätten damals, so der inzwischen pensionierte 1. Hauptkommissar, die Identität der Person bei den Polizeikollegen erfragen können: „Das hätte auf Zuruf geklappt.”

Und wäre auch tieferer Sinn der vereinbarten „Ordnungspartnerschaft”. Doch die Beschuldigten zerrten eine Drogenabhängige an den Haaren und schleuderten sie laut Anklage mit Gewalt vor eine Scheibe des dortigen Cafés, so stark, dass das Glas sich bog.

Später rissen sie die Frau an den Haaren zurück auf den Kaiserplatz. Wieder flüchtete sie zur Polizei.

Begründung der Angeklagten: Sie seien von der Süchtigen beleidigt worden und wollten deren Personalien feststellen.

Im Prozess gegen drei Beamte des Aachener Ordnungsamtes am zweiten Verhandlungstag vor Richterin Anne-Kristin Kneis gab es keine Schützenhilfe für die Ordnungshüter.

Die Angeklagten W. (40) und J. (44) gerieten nach detaillierten Schilderungen weiterer Polizeizeugen wegen ihres nach Aussagen der Polizisten unangemessenen und ramboartigen Vorgehens noch mehr ins Rampenlicht.

Polizeizeugen bescheinigten ihnen am Donnerstag erneut unangemessenes Verhalten, als sie die drogenabhängige Frau während der „bis dahin absolut ruhigen” Razzia traktierten.

Ein Polizeibeamter sprach sogar spontan einen Platzverweis gegen den uneinsichtigen Kollegen vom Ordnungsamt aus.

Mehrere Fälle von gefährlicher Körperverletzung im Amt sind jetzt seit dem 22. Oktober angeklagt, ein jüngerer und inzwischen ehemaliger Mitarbeiter des Ordnungsamtes spielt bei einem weiteren mutmaßlich gewalttätigen Auftritt der „schwarzen Sheriffs” im Mai 2008 am Fischmarkt nur eine Nebenrolle.

Vor den Augen nachmittäglicher Gastronomiebesucher hatte Ordnungskraft J. seinen großen Auftritt gegenüber einem Straßenmusikanten, einem Akkordeonspieler, bei dem der Hang zur „aggressiven Bettelei” aktenkundig war.

J. habe ihn laut Augenzeugen so hart vor das Blech des städtischen Wagens gedonnert, dass die Bürger, darunter ein Anwalt, kurzerhand Anzeige erstatteten.

Um den „Akkordeonspieler” aufzufinden, ließ Oberstaatsanwalt Alexander Geimer einschlägige Unterkünfte in Aachen nach ihm durchsuchen und machte schließlich eine neue Adresse des Musikers in Großbritannien ausfindig. Jetzt soll Interpol klären, ob man seiner habhaft werden kann.

Auch die Drogenabhängige, die den Behördenzwist heraufbeschwor, sollte am Donnerstag als Zeugin aussagen, sie erschien aber nicht. Polizeibeamte fanden sie vernehmungsunfähig vor.

Jetzt soll sie beim nächsten Termin unter ärztlicher Aufsicht vorgeführt werden. Das wird am 23. November ab 8.30 Uhr sein.
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