Aachen - Polizei nimmt nachts junge Leute ins Visier

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Polizei nimmt nachts junge Leute ins Visier

Von: Heiner Hautermans
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Präsentierten die Bilanz 2013: Polizeipräsident Klaus Oelze (l.) und der neue Leiter der Kriminaldirektion, Ulrich Flocken. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Würde der neue Kripochef Ulrich Flocken, der am Montag seinen Einstand bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2013 gab, wählen können, wo er seinen Altersruhesitz nimmt, dann wäre der Fall unter Verbrechensgesichtspunkten klar: in der Eifel, wo vergleichsweise die wenigsten Straftaten verübt werden, nur ein Viertel der Stadt-Aachener – „so sicher wie in Abrahams Schoß“.

Der Kriminaldirektor kommt aus Mönchengladbach und steht an der Spitze von 450 Kripobeamten in der Polizeibehörde in der Soers. Er präsentierte mit Polizeipräsident Klaus Oelze die Zahlen für das letzte Jahr, hinter denen sich natürlich Menschen und Schicksale verbergen, aus denen die Ordnungshüter aber auch Schwerpunkte für ihre zukünftige Arbeit ableiten.

Dabei konnten die beiden Spitzenleute für die Stadt Aachen eine durchaus erfreuliche Tendenz vorlegen, weil die Gesamtkriminalität um immerhin 5,2 Prozent oder 1692 Taten zurückgegangen ist. Wie immer steckt aber der Teufel im Detail, sehen die Zahlen in den verschiedenen Feldern höchst unterschiedlich aus. Besonders traurig ist nicht erst seit letztem Jahr die Entwicklung im Bereich Wohnungseinbrüche, die um immerhin 29 Prozent angestiegen sind. Und: Von der 1242 Aufbrüchen wurden gerade mal 11,67 Prozent aufgeklärt.

Die Grenzlage macht Aachen da sicher zu schaffen, reisende Täter, die wie Heuschrecken über ganze Landstriche herfallen und schnell wieder verschwinden und auch immer professioneller werden. Sie stammen beispielsweise aus Südosteuropa, Residenten kundschaften vor Ort lohnende Objekte aus und beschaffen die Logistik wie Wohnungen oder Autos, sogenannte Soldaten reisen für die Brüche eigens an und tauchen schnell wieder ab. Mit einer speziellen Flex-Kommission und verstärkten Präsenz sowie Großkontrollen will man der Entwicklung entgegenwirken. In Kellern werden vor allem Werkzeug, Nahrungs- und Genussmittel sowie Fahrräder gestohlen.

Von allen 30 724 Straftaten in der Stadt wird ebenfalls nicht einmal die Hälfte aufgeklärt (47,4 Prozent). Erfreulich allerdings, dass die Zahl der jungen Leute unter den ermittelten Tatverdächtigen zurückgeht, in 2013 waren 23,7 Prozent der Täter bis 21 Jahre alt. Ein typisches Jugenddelikt ist etwa der Straßenraub, das verharmlosend genannte „Abziehen“ der oft ebenfalls jugendlichen Opfer, inklusive des Abnehmens von Smartphones oder Portemonnaies. Strafrechtlich handele es sich nämlich um einen Raub, besonders häufig verübt auf den nächtlichen Straßen in Aachen. Oelze: „Das ist richtig heftig.“ Hier gibt es Überlegungen in der Polizeispitze, nachts auf Gruppen von Jugendlichen zuzugehen und ihnen klarzumachen, dass man sie im Auge hat. Zwei Drittel dieser Delikte werden von Tätern bis zu 21 Jahren verübt. Die Polizei rät jungen Leuten, ihr teures Handy möglichst wenig zur Schau zu stellen.

Weniger Gewalt

Nicht auszurotten ist auch der Diebstahl von Zwei- und Vierrädern auf Aachens Straßen, bei letzteren besonders beliebt sind 3er BMW, VW Golf, VW Touran und Multivan. Immer wieder ärgerlich sind auch die Sachbeschädigungen von Kraftfahrzeugen, mitunter werden in ganzen Straßenzügen Antennen oder Spiegel abgetreten oder der Lack zerkratzt. Ebenso unangenehm: Sachbeschädigungen etwa von Bushaltestellen, Parkbänken oder Blumenkübel, aber auch Graffiti-Schmierereien, auch wenn die Zahlen in diesem Bereich insgesamt rückläufig sind.

Positiv vermerken die Spitzenbeamten, dass die Gewaltkriminalität im fünften Jahr hintereinander rückläufig ist, zwei Drittel der 438 Taten in Aachen wurden aufgeklärt, auch die Zahl der darin verwickelten jungen Menschen ist rückläufig. Aufgeklärt wurden alle vollendeten oder versuchten Fälle von Mord und Totschlag in Aachen. Als dunklen Punkt sehen die Fahnder allerdings die Tatsache an, dass die Raubdelikte, besonders auf der Straße, enorm zugelegt haben, nur knapp die Hälfte davon wird aufgeklärt. Trotz sinkender Aufklärungsquote konnten die Fahnder mehr Tatverdächtige ermitteln (187). Fast alle von ihnen sind zuvor bereits einschlägig in Erscheinung getreten. Der Anteil von Ausländern in diesem Bereich beläuft sich auf 32 Prozent, meist südosteuropäischer oder afrikanischer Herkunft.

Kontinuierlich rückläufig sind die Zahlen auf dem Sektor der schweren und gefährlichen Körperverletzung. Hier ist tröstlich, dass mehr als 80 Prozent der Straftaten aufgeklärt werden. Ähnlich hoch liegt die Quote bei Sexualdelikten wie Vergewaltigungen und dem sexuellen Missbrauch von Kindern. Während die Zahl der Vergewaltigungen zurückgegangen ist, steigt sie beim sexuellen Missbrauch von Kindern an. In mehr als der Hälfte sind Täter und Opfer miteinander bekannt oder verwandt. Die Zahl exhibitionistischer Handlungen hat stark zugenommen, 13 Fälle der Verbreitung von Kinderpornografie wurden im Bereich der Kreispolizeibehörde registriert, 41 Mal der Besitz von Kinderpornografie festgestellt. Die Fälle von Tankbetrug stiegen im vierten Jahr in Folge auf jetzt 1253 Fälle in Stadt und Region.

Seit Jahren anwachsend sind auch die Betrugsfälle im Internet, etwa dadurch, dass bestellte Ware nicht bezahlt oder geliefert wird, immerhin fast 1100 Fälle im Gesamtbereich. Allerdings werden immerhin 70 Prozent dieser Gaunereien aufgeklärt. Ein Lichtblick ist für die Behörde die Entwicklung bei der Rauschgiftkriminalität. Die Zahl der Delikte ist um stolze 37,5 Prozent von mehr als 3000 auf jetzt 1895 gesunken. Zudem ist die Aufklärungsquote hier mit fast 95 Prozent sehr hoch.

Zumindest halbvoll

Zusammenfassend sieht der Polizeipräsident das Glas als „zumindest halbvoll, wenn nicht noch ein bisschen mehr“ an.

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