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Polizei hatte keine Erkenntnisse über den Todesschützen

Von: Heiner Hautermans
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Aachen. Am Freitag vergangener Woche geschah Grausiges in einer Villa nahe des Hangeweihers: Ein 64-Jähriger erschoss erst seine 21 Jahre jüngere Ehefrau, gut eine Stunde später sich selbst. Die Haushälterin hatte zuvor das gemeinsame zweijährige Kind des Paares aus dem Haus retten können und die Polizei verständigt.

Am Samstagmorgen findet nun in der Annakirche die Trauerfeier für die getötete Unternehmerin statt. Der Mann verfügte nach Auskunft der Aachener Polizei über mehrere Waffen, mit einem Jagdgewehr hat er die schreckliche Tat verübt.

Im Freundes- und Verwandtenkreis wird seitdem eine Frage diskutiert: Weshalb durfte der 64-Jährige, der wegen schwerer Depressionen in Behandlung war, über die Waffen verfügen? Hätten die Behörden ihm die Schießgeräte nicht wegnehmen können und müssen? Immerhin werden Waffenbesitzer von Amts wegen alle drei Jahre hin auf ihre Zuverlässigkeit überprüft. „Herr von L. war in seiner Eigenschaft als Jäger und Waffenbesitzer bei der Polizei registriert”, sagt Polizeisprecher Paul Kemen.

Die letzte Überprüfung des Jägers erfolgte 2009 in Neuss. Dann habe es ein Missgeschick gegeben: Die Neusser Ordnungshüter meldeten den 2009 erfolgten Umzug nicht an ihre Aachener Kollegen, die sonst 2012 eine Überprüfung vorgenommen hätten. Diese Standardabfrage hätte aber nach Kemens Ansicht nicht dazu geführt, dass ihm die Waffen abgenommen worden wären: „Gegen den Mann lag nichts vor. Es gab keine Hinweise, dass er ungeeignet zum Führen und Benutzen von Waffen ist.” Abgefragt werde bei der Überprüfung etwa, ob er bei Straftaten aufgefallen sei oder Fehler bei der Handhabung der Waffen begangen habe, derartige Erkenntnisse hätten aber nicht vorgelegen.

Nur bei ansteckenden Krankheiten und Bestimmungen nach dem Seuchengesetz gebe es eine gesetzlich vorgeschriebene Informationspflicht von Institutionen gegenüber der Polizei: „Auch solche Hinweise lagen und liegen der Aachener Polizei nicht vor.” Ausnahmefälle würden gemacht, wenn besorgte Angehörige Mitteilungen machten, dass jemand zum Führen von Waffen ungeeignet sei: Kemen: „Dann gehen wir diesen kurzfristig nach.” Diese Hinweise könnten auch anonym erfolgen.
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