Politische Botschaften in musikalischer Verpackung

Von: Werner Breuer
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Auf Abba-Art: Frank Hansen und die Liberalen fordern mehr Geld für den Haushalt.

Aachen. Ob es wohl wirklich so zugegangen ist bei der Geburt der großen Aachener Koalition? Marianne und Michael – nach Ansicht von Oberbürgermeister Marcel Philipp seit 120 Jahren bekannt in der Welt des Schlagers – stellten die Partnersuche bei der närrischen Ratssitzung anschaulich dar.

Da umgarnte der Michael Servos, Fraktionschef der SPD, in der Krachledernen die Marianne Krott, Fraktionsgeschäftsführerin der CDU, im feschen Dirndl zu berühmten bis berüchtigten Musiktiteln.

Als schließlich der Bund geschlossen wurde, erklang Westernhagens „Die Verträge sind gemacht“ aus den Lautsprechern, der nachfolgende Alltag wird mit „Das bisschen Haushalt“ musikalisch untermalt. Wenn sie dann mühsam rechnet, während er mit Geld um sich wirft, deckt sich das mit mancherorts gängigen Vorstellungen von Kommunalpolitik.

Die nahm sich am Mittwoch wieder einmal selbst auf die Schippe, und manche Ratsvertreter offenbarten dabei Talente, die in branchentypischen Haushaltsreden sonst nicht zu bewundern sind. So brillierte etwa die Linke als „Marx Brothers an Sisters“ und brachte ihre Sorge um bezahlbaren Wohnraum in Aachen so griffig rüber, wie es Ratsanträge kaum sein können.

Frei nach Jürgen Drews sangen sie: „Ein Bett in Kohlscheid, das ist grad noch frei.“ Auch die FDP setzte auf die musikalische Vermittlung von politischen Botschaften. „Gib mir, gib mir, gib mir mehr Geld für den Haushalt“, sangen die Liberalen aus voller Kehle, dass der Kämmerin das Herz im Leibe hüpfte. Auch die nächste Zeile dürfte Annekathrin Grehling gefallen haben: „Euren teuren Träumen sagt ihr nun mal adé.“

Zum gesamtstädtischen Rundumschlag holten „de Orginale van et LuFo“ aus. Die SPD hatte Patrick Deloie als Supermarket Lady, Boris Linden als Ballerina-Clown und Tom Merkens als Kunstexperten, der den Wert der beiden für einen Verkauf an die Spielbank taxieren sollte, auf die Bühne entsandt.

Dort sinnierten sie unter anderem über den Sinn von Kommunalwahlen, wenn doch danach immer die gleichen Gesichter im Rat zu sehen sind, und erklärten das mit der Wahlmüdigkeit der Aachener. „Man muss die Öcher aber auch nicht für jeden Strunx wecken.“

„Nachrichten“ auf dem Korn

Auch die „Aachener Nachrichten“ bekamen zum 70. Geburtstag einen mit. Die Genossen machten eine Gemeinsamkeit der Zeitung mit dem Alten Testament aus: „Der Schorsch Dünnwald hat schon für beide geschrieben.“

Besagter Karnevalsreporter betrachtete das Treiben im Rathaus mit Wohlgefallen. Schließlich handelte es sich ja nicht bloß um eine mit alkoholischen Getränken aufgelockerte Ratssitzung, sondern um eine karnevalistische Veranstaltung mit traditionellen Zutaten.

Die Oecher Penn marschierte ein, die Kenger vajjen Beverau sangen bei, Gruppen wie de Spetzbouve sorgten für den vorhabenbezogenen musikalischen Rahmen, Prinz Axel II. samt Hofstaat gab sich die Ehre – und OB Philipp moderierte das Ganze souverän wie ein geborener Elferratspräsident.

Nicht zuletzt ehrte er Marion Hein für 3x11 Teilnahmen an solchen närrischen Ratssitzungen. „Das ist Durchhaltevermögen“, lobte der OB. Immerhin stand sie diesmal nicht so im Gedränge wie in den vorangegangen 32 Jahren im Ratssaal, weil das Geschehen in den Krönungssaal verlegt worden war.

„Endlich mal Platz hier“, befand Philipp. Die rund 250 Besucher hatten soviel davon, dass es für raumgreifende Walzereinlagen gereicht hätte. Aber sowas passt nicht zum Karneval.

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