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Politik verlangt Mindeststandards im Rotlichtviertel

Von: Gerald Eimer
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Prostituierte Bordell
Eine Prostituierte wartet in einem Bordell auf Kunden. Foto: dpa

Aachen. Im Beisein mehrerer Bordellbesitzer haben sich Aachens Politiker am Mittwoch im Hauptausschuss fraktionsübergreifend für ein Maßnahmepaket ausgesprochen, mit dem die Arbeitsbedingungen der Prostituierten in der Antoniusstraße verbessert werden sollen.

Bis zum Mai soll die Verwaltung ein konkretes Konzept vorlegen, mit dem bestimmte hygienische, räumliche und arbeitsrechtliche Mindeststandards für die im Rotlichtmilieu arbeitenden Frauen gesichert werden sollen. Auch sollen Bordellbetriebe künftig konzessioniert werden. Eigentümer sollen bestimmte Mindestanforderungen an den Zustand der Häuser erfüllen.

Für Empörung unter den Bordellbetreibern sorgten dann jedoch die Ausführungen über Zwangsprostitution und Menschenhandel. „Die Toleranzschwelle ist mehr als überschritten“, erklärte Maria Drews (CDU), was Auslöser für erregte Zwischenrufe von der Zuhörerseite war: „Wir lassen uns so nicht beschimpfen. Wir sind keine Kriminellen.“ Kurzzeitig schien die Sitzung im Rathaus aus den Fugen zu geraten. Ordnungskräfte bezogen vorsichtshalber Stellung. Vorsitzende Hilde Scheidt (Grüne) drohte mit Hausverweis, konnte dann aber doch die Gemüter beruhigen. Man könne die Zustände in der Antoniusstraße nicht bagatellisieren, es gebe schwarze Schafe im Milieu, vor denen die Frauen geschützt werden müssten, erklärte Scheidt. Bislang habe es kaum Gesprächsbereitschaft seitens der Bordellbetreiber gegeben, kritisierte die grüne Sozialpolitikerin Lisa Lassay. Doch auch dies wiesen die Angesprochenen zurück. „Sie können jederzeit kommen, alle Türen stehen offen“, boten sie an. Man habe nichts zu verbergen, Menschenhandel und Zwangsprostitution gebe es in ihren Häusern nicht.

So haben sie vor allem das Gefühl, dass ihnen mit Mitteln des Ordnungs- und Planungsrechts die Grundlagen entzogen werden sollen. „Die wollen die Grundstücke haben“, vermutet ein Betreiber. Nicht zuletzt durch die geplante Verkürzung des Rotlichtbezirks würden mehrere Häuser schließen müssen.

Derweil betonten Ellen Begolli (Linke) und Norbert Plum (SPD), dass man nun dringend ins Gespräch kommen müsse, um die Situation der Prostituierten zu verbessern. Damit verbunden sei auch die klare Ansage, die Bordellmeile in der Innenstadt halten zu wollen – dies insbesondere, um das älteste Gewerbe der Welt nicht weiter in die Illegalität abzudrängen und etwa in die Anonymität der Wohnungsprostitution mit noch weniger Kontrolle zu treiben.

Der einhellig verabschiedete Beschluss sieht auch vor, Beratungsangebote für Prostituierte weiter zu finanzieren. Aktuell beraten Mitarbeiterinnen von Solwodi (Solidarity with women in distress“ – Solidarität mit Frauen in Not) vor Ort die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution und bieten Ausstiegshilfen an.

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