Aachen - Politik kritisiert Alemannias Angriffe

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Politik kritisiert Alemannias Angriffe

Von: Gerald Eimer und Achim Kaiser
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Aachen. Schwer überrascht äußerten sich am Montag Aachens Politiker über die Attacken aus dem Alemannia-Lager gegen die Stadt. Wenig Verständnis zeigten sie insbesondere für die Art und Weise, in der die Kritik vorgetragen wurde.

Aber auch inhaltlich gibt es parteiübergreifend erhebliche Vorbehalte gegen die Alemannia-Idee, das neue Stadion an die Stadt zu verkaufen.

Warum die Spitzen des Vereins dieses Gedankenspiel über die Presse ins Gespräch bringen, obwohl ihnen die Telefonnummern aller Fraktionen bekannt sein dürften, ist nicht nur dem bekennenden Alemannia-Fan und FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg ein Rätsel. Auch SPD-Kollegin Angelika Weinkauf sagt: „Warum geht die Alemannia nicht auf die Politik zu? Wir sind die, die entscheiden müssen.” Zumal der SPD-Fraktionschef Heiner Höfken auch noch im Verwaltungsrat der Alemannia sitzt: „Das war ungeschickt.” Grünen-Fraktionssprecher Michael Rau findet den Stil „völlig daneben”.

Um den Fall „nicht weiter eskalieren zu lassen”, will er sich vorerst jedoch nicht näher zum Alemannia-Vorstoß äußern. „Wir haben unseren eigenen Haushalt noch nicht unter Dach und Fach”, verweist er auf die ebenfalls angespannte Kassenlage der Stadt. Ein Stadionankauf erscheint da eher unwahrscheinlich.

Deutlicher äußert sich Wilhelm Helg. Aus der drohenden Haushaltskonsolidierung liest er ab, dass die Stadt dem Zweitligisten kaum größere finanzielle Spielräume verschaffen kann. Eine Übernahme des Stadions stehe nicht zur Disposition, sagt Helg. „Dazu sind wir finanziell nicht in der Lage, und das würde auch die Aufsichtsbehörde in Köln nicht genehmigen.” Ähnlich sieht das auch CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Baal: „Selbst wenn die Stadt wollte, bekäme sie die Mittel nicht zusammen.”

Unabhängig davon, dass es „immer schlecht ist, sich öffentlich auseinanderzusetzen”, sieht Ball die Alemannia „auf einem seriösen Pfad”. Dass Alemannias Sportetat kurzfristig etwa um eine Million Euro auf insgesamt acht Millionen aufgestockt werden könnte, hält der CDU-Mann für nicht machbar: „Die Alemannia muss sich weiter im Rahmen des Sanierungskonzeptes bewegen, dann kann man in einem Jahr mal weiter sehen.”

Restrisiko bleibt

Demgegenüber sorgt sich Sozialdemokrat Höfken mehr um die sportliche Wettbewerbsfähigkeit im bezahlten Fußball: „Die Stadt muss doch als Bürgschaftsgeber ein Interesse daran haben, dass der Laden am Tivoli läuft.” Egal, wie sie sich verhalte, das Restrisiko bleibe immer bei ihr: „Am Ende darf aber nicht ein Drittligist mit einem Riesenstadion stehen. Und so hält Höfken es für sinnvoll, dass sich Stadt, Politik und Alemannia schnellstmöglich an einen Tisch setzen. Ob es um den Stadionverkauf oder eine Etaterhöhung geht: „Alemannia soll mal vernünftige Vorschläge machen, dann reden wir darüber und machen uns Gedanken”, sagt Höfken.

Unabhängig vom als „ungeschickt” bis „arrogant” eingestuften Auftritt der Alemannia-Oberen scheint jedoch allen Politikern bewusst zu sein, dass der Verein die durch den Stadionbau verursachten Lasten auf Dauer kaum tragen kann. Insbesondere müsse die sechsprozentige Zinsbelastung gesenkt und die Laufzeit für die Tilgung gestreckt werden. Rund sechs Millionen Euro muss die Alemannia jährlich für Stadion und Parkhaus aufbringen. Eine Absenkung auf zweieinhalb Millionen sei erstrebenswert, Verhandlungen mit den Gläubigern seien daher unvermeidbar.
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