Politik gibt Alemannia eine letzte Chance

Von: Gerald Eimer
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Alemannia Aachen - 1. FC Kaiserslautern
Die Stimmung bei Alemannia Aachen könnte besser sein: Torwart Thorsten Stuckmann drückt nach Spielende sein Handtuch ins Gesicht. Foto: dpa

Aachen. Während die Fraktionen in der heutigen Ratssitzung die Weichen für eine mögliche Rettung der schwer angeschlagenen Alemannia stellen wollen, scheinen die ersten Alemannia-Anhänger bereits alle Hoffnungen aufgegeben zu haben: Im „Schnäppchenmarkt” der „Nachrichten” wurden am Mittwoch bereits die Alemannia-Anleihen zum halben Preis angeboten.

Ungewisser denn je erscheint es einigen, dass sie die für den Stadionbau eingesetzte Anleihe - im Gesamtwert von immerhin rund 4,2 Millionen Euro - jemals zurückerhalten werden.

Diese Ungewissheit teilen sie mit den Ratspolitikern, die aller Voraussicht nach heute dennoch mehrheitlich für eine städtische Bürgschaft in einer Gesamthöhe von 5,5 Millionen Euro die Hand heben werden - vorausgesetzt der Wirtschaftsprüfer kann letzte Fragen zur Liquiditätsfähigkeit der Alemannia positiv beantworten.

Wie schwer sich die Politiker aller Fraktionen mit der Hilfe für den Proficlub tun, zeigte sich erneut in den Fraktionssitzungen am Montag. Vor allem CDU und Grüne kamen nach stundenlangen Beratungen erst kurz vor Mitternacht zu einem gemeinsamen Ergebnis. Ihre erste Belastungsprobe hat die noch junge schwarz-grüne Koalition damit bestanden: Gemeinsam werden beide Fraktionen der Alemannia eine voraussichtlich letzte Chance zur Sanierung der Finanzen einräumen. Für CDU-Fraktionschef Harald Baal ist es ein gutes Zeichen, dass die Koalition in der Lage ist, „bei einer schwierigen Entscheidung eine einvernehmliche Lösung auf den Weg zu bringen”. Zustimmung stellen aber auch SPD, Linke und mindestens drei der sechs FDP-Vertreter in Aussicht.

Im Mittelpunkt aller Beratungen standen zwei Fragen: Wie groß sind die Chancen, die Alemannia noch zu retten? Und: Wieviel Vertrauen kann man in die handelnden Personen des Proficlubs noch setzen?

Vor allem Letzteres hat offenbar in den letzten Wochen und Monaten arg gelitten. Immer wieder habe es im Zusammenhang mit dem Stadionbau Aussagen gegeben, die sich anschließend als haltlos erwiesen hätten, kritisieren sowohl CDU als auch Grüne. So hat auch Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer noch vor einer Woche im „Nachrichten”-Interview behauptet, es drohe „definitiv” keine Insolvenz. Inzwischen ist klar: Die Wahrheit ist eine andere.

Ganz offen sprachen am Mittwoch die Grünen die unterschiedlichen Positionen in den eigenen Reihen an. Zu den Gegnern der Bürgschaft gehört unter anderem Finanzpolitiker Hermann-Josef Pilgram. Aus seiner Sicht, ist Alemannia weiterhin dabei, „in voller Fahrt gegen die Wand zu fahren”. Er sehe niemanden, der auf die Bremse tritt oder das Steuer rumreißt. „Letztlich wird die Stadt nur verlieren”, ist er überzeugt. Gleichwohl wird er sich heute der Mehrheitsmeinung seiner Fraktion fügen.

Mit der Zusage für eine Bürgschaft sind, wie berichtet, strenge Auflagen und Erwartungen verbunden. Dazu gehören auch neue Strukturen, ein strengeres Controlling und mehr Transparenz bei der Alemannia. Personelle Verflechtungen mit der Stadt sollen aufgelöst werden.

Die Verantwortung für eine mögliche wirtschaftliche Gesundung liege ausschließlich bei der Alemannia, nicht bei der Stadt, betont Grünen-Fraktionssprecher Michael Rau. Trotz mehrfacher Aufforderung, habe der Verein bislang kein solides Konzept vorgelegt. „Man fragt sich: Ist das Taktik oder Unvermögen.”

Lage bleibt ernst

Umgehend müsse der Verein nun die Stadionfinanzierung auf andere Beine stellen. Um die jährlichen Belastungen deutlich zu reduzieren, müssten mit den Kreditgebern niedrigere Zinssätze und längere Laufzeiten ausgehandelt werden.

Dass die Lage weiterhin ernst ist und kein Grund besteht, irgendetwas schön zu reden, lassen auch Oberbürgermeister Marcel Philipp und Kämmerin Annekathrin Grehling in ihrer Beschlussvorlage zur heutigen Sitzung durchblicken. Nicht zuletzt ist der Erfolg des Sanierungskonzepts vom sportlichen Erfolg der Alemannia abhängig. Eine Torgarantie im Fußball aber gibt es nicht.
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