Aachen - Politessen: Freundlichkeit ist keine Ausnahme

Politessen: Freundlichkeit ist keine Ausnahme

Von: Holger Richter
Letzte Aktualisierung:
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Brigitte Drießen (links) und Sabine Schwarz teilen sich auf Patrouille auf verschiedene Straßenseiten auf. Hier haben sie ausnahmsweise mal gemeinsam eine Parksünder ins Visier genommen. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Hallo, grüß Dich! Alles klar?” „Alles klar”, bestätigt Brigitte Drießen und erwidert freundlich nickend den Gruß der Passantin, die ihr und ihrer Kollegin Sabine Schwarz auf der Gottfriedstraße entgegen kommt.

Die dunkelblauen Uniformen der beiden Damen zeigen deutlich, die zwei Politessen sind im Dienst, und trotzdem gehören Szenen wie diese nicht zu den Ausnahmen.

„Man kennt sich, man begrüßt sich”, erzählt Brigitte Drießen aus dem Arbeitsalltag der beiden „Überwachungskräfte für den ruhenden Verkehr”, wie die Politessen offiziell heißen. Diesen Arbeitsalltag verbringt die 44-Jährige nämlich erstens in einem festen Team, zu dem neben Sabine Schwarz noch zwei weitere Politessen gehören, und zweitens in festen Gebieten. „Wir sind immer hier im Suermondtviertel und im Gerichtsviertel unterwegs”, sagt sie, und da lernten sich Bewohner und Politessen eben kennen.

„Am meisten mögen uns die Hunde”, erzählt Brigitte Drießen, zumindest die drei der Spaziergängerin, „die hier um die Ecke wohnt”. Auch eine ältere Dame im Viertel, die auf einen Rollator angewiesen ist, „freut sich immer, wenn wir kommen”, fügt Sabine Schwarz hinzu, „und wenn wir warten, dann kommen wir halt ins Gespräch.”

Denn Warten gehört zu ihrer Arbeit zwingend dazu. „Wenn wir ein Auto kontrolliert haben, dessen Parkschein abgelaufen ist, müssen wir warten”, erklärt Sabine Schwarz. Erst nach rund zehn Minuten dürfe eine Verwarnung ausgestellt werden.

Vom Armaturenbrett gerutscht

Die gibt es übrigens in zweierlei Arten: „Schriftlich und mündlich”, sagt die 49-Jährige. Letztere gibt es natürlich nur dann, „wenn wir den Autofahrer am Auto antreffen.”

So wie die Dame, die soeben zu ihrem Wagen auf dem Parkplatz an der Gottfriedstraße zurückkehrt. Sabine Schwarz hatte das betreffende Auto bereits in ihrem kleinen, schwarzen Computer notiert, weil sie keinen Parkschein am Fahrzeug gefunden hatte. Doch der war einfach vom Armaturenbrett heruntergerutscht, wie sich bei einem kurzen Gespräch zwischen den beiden Frauen schnell herausstellt.

Die meisten reagierten tatsächlich freundlich, wenn sie von ihnen angesprochen würden, erzählt Brigitte Drießen. Aber natürlich haben beide auch schon andere Erfahrungen gemacht. „Beschimpfungen, teilweise sogar ziemlich wüste, gehören auch dazu”, sagt Sabine Schwarz. „Damit muss man umgehen können.”

Vor sechs Jahren hat sie sich um den Job beim Ordnungsamt Aachen, das seit exakt 40 Jahren Politessen beschäftigt, beworben. „Und da habe ich schon gewusst, was auf mich zukommt.” Zwei Seminare hätten ihr zusätzlich dabei geholfen, sich auf ihren Job vorzubereiten. „Am wichtigsten aber ist, dass man mit Menschen umgehen kann und in sich ruht”, beschreibt sie das besondere Anforderungsprofil an eine Politesse.

Warum dieses Profil bislang fast ausschließlich von Frauen erfüllt wird, wissen die beiden auch nicht. „Vielleicht, weil der Job früher als Hausfrauenjob galt”, vermutet Brigitte Drießen.

Dabei sind ihre Aufgaben vielfältig. Sie überwachen das Park- und Halteverbot, kontrollieren die TÜV-Plaketten, erteilen eine Rote Karte, wenn sie Umweltverschmutzungen wie weggeworfene Zigarettenkippen oder nicht entfernte Hundehaufen entdecken „und wir helfen in fast allen Lebenslagen, etwa wenn sich mal einer nicht auskennt”, fügt Sabine Schwarz an.

Eine Aufgabe könnte künftig sogar noch dazu kommen, nämlich dann, wenn in Aachen tatsächlich Umweltschutzzonen eingeführt werden. „In Köln werden die Zonen auch von den Politessen zumindest im ruhenden Verkehr kontrolliert”, bestätigt der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Elmar Rosen entsprechende Überlegungen.

Eine der Hauptaufgaben aber ist und bleibt das Warten. Und was ist, wenn´s regnet? „Dann warten wir im Regen”, bestätigt Brigitte Drießen lachend.

3,5 Millionen Euro im Jahr für die Stadt

Mit acht Politessen hat die Stadt Aachen am 2. November 1969 den Überwachungsdienst des ruhenden Verkehrs vor 40 Jahren begonnen.

Heute teilen sich 99 Teilzeitkräfte insgesamt 45 Vollzeitstellen. Die meisten davon sind Frauen. Männliche Politessen, die offiziell „Überwachungskräfte für den ruhenden Verkehr” heißen, gibt es ganze zwölf.

Sie patroullieren im kompletten Stadtgebiet. Zu ihren Aufgaben gehören die Kontrolle des Park- und Halteverbotes mit allen Teilaspekten wie etwa Bewohnerparken, Behindertenparkplätze, Feuerwehrzufahren, Parken in zweiter Reihe oder auch das Freihalten der „Fünf-Meter-Zone” bei Einmündungen. Außerdem kontrollieren sie die TÜV- und Abgasuntersuchungen an den parkenden Autos.


Im Laufe eines Jahres schreiben sie 280.000 Verwarnungen aus. An Verwarn- und Bußgeldern kommen so rund 3,5 Millionen Euro im Jahr zusammen.

Anlässlich des Jahrestages „40 Jahre Politessen in Aachen” lädt die Stadt heute um 13 Uhr zu einer Feierstunde in den Lenné-Pavillon, Monheimsallee 48, ein. Auch einige Politessen der „ersten Stunde” werden anwesend sein.

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