Piraten kapern auf Anhieb den Aachener Stadtrat

Von: Wolfgang Schumacher
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Thomas Gerger (2.v.r.) feierte in der Aula der RWTH den Einzug der Piraten in den Stadtrat. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Crew ging Sonntagnacht beschwingt von Bord. Aus dem Stand gelang es der Piratenpartei in Aachen, ein Ratsmandat zu kapern. Fast hätte es sogar zu zwei Ratssitzen gereicht. „Wir hatten zwei Mandate angepeilt. Doch wir sind ja nur in acht Bezirken angetreten”, erklärte der neu gewählte Stadtrat Thomas Gerger (22) am Tag danach.

Mit etwa 1700 Stimmen haben die Piraten beinahe die Zahlen der Europawahl erreicht, bei der man in der gesamten Stadt kandidierte. Selbstbewusst merkt Gerger an, dass sie in den meisten ihrer Wahlbezirke auf dem vierten Platz gelandet seien. Die jungen Leute aus der Internet-Ecke wollen beispielsweise kostenloses WLAN (drahtlose Internetverbindung) in der ganzen Stadt möglich machen, das ist eines der praktischen Ziele der rund 50 Aktiven in ihren orangenen Piratenhemden.

Doch die allgemeinpolitische Perspektive zielt auf ein ernsthafteres Anliegen. „Wir wollen mehr Transparenz in politischen Entscheidungen erreichen”, meint Gerger. Dazu soll eine erfolgversprechende „Korruptionsbekämpfung” kommen, wo immer man Korruption finde. „Das wollen wir mehr in die Öffentlichkeit bringen”, verspricht der 22-jährige Student an der RWTH. Die durchweg jungen „Piraten” seien aber altersmäßig nicht festgelegt, ältere Menschen sind in den Piraten-Crews durchaus willkommen.

Einiges davon könnte sicherlich auch der einzige FWG-Vertreter (Freie Wählergemeinschaft) im neuen Rat, Hans-Dieter Schaffrath, unterschreiben. Zu seinem Ergebnis meinte Schaffrath: „Ich mache keinen Hehl daraus, wir sind enttäuscht, weil wir keine zwei Sitze durchgebracht haben.” Selbst der eine Sitz war knapp für die FWG, die sich zuletzt um Bürgerthemen wie etwa den Abriss des Sandhäuschens gekümmert hatte. Jetzt krempeln sie aber wieder die Ärmel hoch und gehen insbesondere Bürgerthemen an.

Für Schaffrath bleibt die Antoniusstraße, die als Bordellmeile zusammenschrumpfen soll, ein generelles Thema: „Sie muss ganz weg”, erklärte er. Und das Planungsgebiet Büchel wird ein Zentralthema werden für die FWG. Politisch sieht Schaffrath eine schwarz-rote Koalition auf die Bürger zukommen. „Was gar nicht mal so schlecht sein muss”, meint der selbstständige Kaufmann.

Ein weiterer „Kleiner” im Konzert der Parteien ist die UWG mit Ratsmitglied Horst Schnitzler. Der Mediengestalter hätte für seine Gruppierung ebenso gerne zwei Ratssitze erreicht, der eine Sitz bei rund 1500 Stimmen hat der UWG allerdings nicht die Laune verdorben: „Wir haben im Garten angestoßen”, meinte Schnitzler zum Verlauf der Wahlnacht. Man werde konsequent auf der bisherigen Linie weiterarbeiten, auch die UWG fordert mehr Transparenz bei politischen Entscheidungen.

Mit den großen Parteien im Rat habe man politisch „keine Berührungsängste”, meinte er selbstbewusst, ließ aber durchblicken, dass die UWG in der politischen Farbenlehre eher zu Rot-Grün neige, er könne sich „durchaus eine Ampel vorstellen”. Die Existenz der neuen „Piraten” im Rat begrüßte Schnitzler, man habe durchaus Überschneidungen und freue sich auf eine Zusammenarbeit.
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