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Pipeline-Pläne: Stadt befürchtet gravierende Eingriffe in die Natur

Von: Achim Kaiser
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Aachen. Mit Vehemenz kritisiert die Stadt die geplante Erdgas-Trassenführung der „Open Grid Europe“ (OGE), ehemals „E.ON Ruhrgas“, und lehnt sie unmissverständlich ab. Die Verwaltung befürchtet „gravierende Eingriffe in Natur und Landschaft, in Teilen auch in die baulichen Entwicklungschancen der Stadt Aachen“, heißt es in einer ausführlichen Stellungnahme, die in diversen Bezirksvertretungen sowie am 16. Juni im Planungsausschuss beraten wird: um 17 Uhr im Sitzungssaal 170, Verwaltungsgebäude Marschiertor, Lagerhausstraße.

Bei dem Projekt des Branchenriesen OGE geht es um die neue 215 Kilometer lange „Zeelink“-Pipeline, die vom belgischen Lichtenbusch über den Niederrhein bis hin nach Westfalen gebaut werden soll. Kostenpunkt: 600 Millionen Euro.

Versorgungssicherheit

Sinn und Zweck der Investition, die sogenannte „Versorgungssicherheit“, stellt die Stadt nicht in Frage, aber die beiden Verlaufsvarianten der „Korridore“ durch städtisches Gebiet lehnt sie bedingungslos ab.

Ein Vorzugskorridor soll vom Autobahnkreuz Aachen zunächst Richtung Süden, vorbei an Eilendorf laufen, würde aber zwischen Freund und Krauthausen das Naturschutzgebiet Indetal durchkreuzen, bevor er nordwestlich von Oberforstbach auf den Übergabepunkt im belgischen Teil von Lichtenbusch stoßen würde

Die Alternativvariante soll Richtung Westen verlaufen, nördlich an Haaren vorbei, dann östlich von Vetschau gen Süden zwischen Kronenberg und Vaalserquartier sowie Preuswald und Ronheide bis hin nach Lichtenbusch.

Nach Ansicht der Stadt ist es nicht nachvollziehbar, „warum der bereits vor einigen Jahren in einem ähnlichen Verfahren von der Stadt Aachen vorgeschlagene Alternativkorridor entlang der Autobahn A 44 zwischen Brand und Forst nicht berücksichtigt wird“, heißt es in der Stellungnahme. Damals, im Jahr 2008, wurde die Mitteleuropäische Transversale (MET) von RWE geplant, aber nie realisiert.

In dem jetzt von OGE geplanten Vorzugskorridor sind neben dem Indetal auch das geplante Naturschutzgebiet Rollefbachtal mit zwei Bächen betroffen, die Wasserschutzgebiete Reichswald (Verlautenheide) und Eicher Stollen sowie am Rande auch das nach EU-Recht geschützte Gebiet Brander Wald mit Bedeutung für den landesweiten Biotopverbund.

Denkmäler betroffen

Darüber hinaus werden durch den Korridor in Oberforstbach sowie bei Deltourserb und an der Eilendorfer Straße geplante Wohnbau- und Gewerbeflächen überlagert. Diverse denkmalgeschützte Bauten wären durch die Trasse der Gasleitung gefährdet, insbesondere Hofgüter mit den dazugehörigen Anlagen, eine römische Villa bei Haaren und ein Abschnitt des Westwalls bei Gut England.

Der Alternativkorridor tangiert in Haaren das wichtige Naherholungsgebiet und Ökologieprojekt Haarberg, außerdem sind künftige, im Flächennutzungsplan vorgesehene Wohnbauflächen teilweise betroffen. Dazu zählt insbesondere die Richtericher Dell, Aachens größte Wohnbaureservefläche, aber auch Flächen am „Bahnbogen“ in Brand, Flächen im Bereich Steppenberg, Vaalserquartier und Kullen sowie in Vetschau an der Karl-Friedrich-Straße.

In diesem Korridor wären auch zahlreiche Denkmäler betroffen, beispielsweise der flächig geschützte Bereich am Grenzübergang Köpfchen mit dem nahe gelegenen Gut Grenzhof, der Abschnitt der Höckerlinie des Westwalls und im Vaalserquartier das Gut Wegscheid und vor allem Gut Paffenbroich.

Überhaupt wären auf einer Länge von 25 Kilometern „nicht hinnehmbare Verluste städtischer Waldfläche, verbunden mit umfangreicher und dauerhafter Beseitigung von Baumbestand“ zu beklagen, falls sich der Variantenkorridor im anschließenden Planfeststellungsverfahren durchsetzen würde.

So fordert die Stadt die Bezirksregierung Köln auf, intensiv darauf hinzuwirken, dass die Trassenführung der damaligen Mitteleuropäischen Transversale auch für Zeelink genutzt werden kann. Da der Stadt ein Großteil der Flächen selbst gehört, kann sie selbstbewusst auftreten. Weil OGE den Pipelinebau im Jahr 2021 abschließen will, würde ein mögliches Enteignungsverfahren den Zeitrahmen sprengen und den Gasriesen in arge Bedrängnis bringen.

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