Pilotprojekt „El-Pri” bereitet auf die erste Klasse vor

Von: Margot Gasper
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Malen, schneiden, kleben: Erzieherin Judith Schewe und die Vorschulkinder aus der Kita Königsberger Straße arbeiten in der Grundschule Driescher Hof. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Eigentlich kommen Marvin, Zoe, Karolina und Tugay ja erst im Sommer in die Schule. Aber schon jetzt gehen sie und 19 andere Kinder aus der städtischen Kita Königsberger Straße zweimal die Woche in die Schule.

Die 23 Kinder sind Pioniere. Sie nehmen teil an „El-Pri”, einem Kooperationsprojekt der Kita Königsberger Straße und der Gemeinschaftsgrundschule Driescher Hof. Die Initiative ist neu und bisher auch einmalig in Aachen, sagen Schulleiter Andreas Biener und Kita-Leiter Volker Haupt.

Grundschule und Kindertagesstätte wollen den Übergang von Kindergarten zu Grundschule, vom Elementarbereich zum Primarbereich, verbessern. „Das Besondere an unserem Projekt ist die Verzahnung”, erläutert Biener. „hier wird die Trennung von Kita und Grundschule aufgehoben.”

Für die Kinder sieht das so aus: Zweimal in der Woche verbringen sie einen Vormittag in der Grundschule. Dort arbeiten Erzieherin Judith Schewe und Ingrid Barth, die Sozialpädagogin der Schule, gemeinsam mit den Kindern an Fähigkeiten, die im ersten Schuljahr wichtig werden: Sprachvermögen, Hörverstehen, motorische Fertigkeiten, Ausdauer ...

Das alles läuft spielerisch ab, ganz nebenbei eignen sich die Kinder an, was sie ab August brauchen. Die 23 Vorschulkinder lernen auch schon, wie das System Schule funktioniert: wie der Alltag in der Klasse abläuft; dass man einander im Gesprächskreis zuhört; was in der Pause auf dem Schulhof abgeht. Netter Nebeneffekt: Wenn es im Sommer ernst wird mit der Schule, dann sind die 23 „El-Pri”-Kinder schon alte Hasen und können den anderen Erstklässlern helfen, sich zurechtzufinden. Einmal in der Woche ist Ingrid Barth zudem in der Kita und arbeitet dort mit den Vorschulkindern.

Im Dezember ist das Projekt angelaufen. Der Kontakt zwischen Kollegium und dem Personal in der Kita ist seitdem sehr viel intensiver geworden. Volker Haupt formuliert das so: „Die Erzieherinnen wissen, wohin sie die Kinder führen müssen. Und die Lehrerinnen wissen, wo sie die Kinder abholen müssen.”

Eltern sind mit im Boot

„El-Pri” kümmert sich um die Fähigkeiten, die in den Bildungsvereinbarungen des Landes NRW festgeschrieben sind. „Wir tun gemeinsam das, was die Kindertagesstätte zu leisten hat”, betont Volker Haupt. „Nur können wir es sehr viel intensiver tun.” Und die Erfolge, das sagen alle Beteiligten, seien schon jetzt deutlich spürbar.

Elternarbeit ist ein wichtiges Standbein von „El-Pri”. Väter und Mütter sollen Ängste und Vorbehalte abbauen können, bevor ihre Kleinen ins erste Schuljahr starten. Und sie sollen sehen, wie moderner Unterricht in der Grundschule heutzutage funktioniert. Die Eltern, freut sich Andreas Biener, waren schon bei den ersten Gesprächen Feuer und Flamme für das Projekt. Wie sehr sie dahinter stehen, merkt Sozialpädagogin Ingrid Barth mittlerweile daran, wie gerne gerade die Mütter in der „El-Pri”-Gruppe hospitieren.

Der städtische Fachbereich Kinder, Jugend und Schule unterstützt das Projekt, und Schulrätin Ulla Roder hat sogar an der Konzeption mitgearbeitet. Zusätzliche Ressourcen gibt´s allerdings nicht. „Das Personal müssen wir selbst freischlagen”, sagt Andreas Biener.

In diesem Jahr sind nur die Kinder in der „El-Pri”-Gruppe, die im Sommer auch an die Gleiwitzer Straße wechseln. Ab dem nächsten Schuljahr sollen alle Vorschulkinder aus der Königsberger Straße teilnehmen können, auch wenn sie danach eine andere Grundschule besuchen.

Stippvisite ins erste Schuljahr

In Zukunft soll die „El-Pri”-Gruppe auch stärker mit dem Schulleben verzahnt werden. Ganz fixe Vorschulkinder können dann vielleicht schon an Unterrichtseinheiten des ersten Schuljahrs teilnehmen. Und Erstklässler, bei denen es hier und da noch hakt, können zusätzliche Förderung bei „El-Pri” bekommen.

Eigentlich wünscht sich das Kollegium der GGS Driescher Hof ja schon lange eine „Starterklasse”, eine Klasse, die Kinder im Jahr vor der regulären Einschulung systematisch auf die Schule vorbereitet werden. „Mit El-Pri” sind wir einen guten Schritt weitergekommen”, bilanziert der Schulleiter.

Marvin, Zoe, Karolina und Tugay haben jetzt sogar schon Hausaufgaben aufbekommen. Darauf waren sie mächtig stolz. Und sie können es kaum erwarten, im Sommer jeden Tag in die Schule zu gehen.
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