Picknick mit „geretteten“ Lebensmitteln

Von: Corinna-Jasmin Kopsch
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Elf Millionen Tonnen für die Tonne: Das Wegwerfen von genießbaren Nahrungsmitteln gehöre verboten, meinen Vertreter des Bündnisses, und nicht das Containern. Foto: Corinna-Jasmin Kopsch

Aachen. Demnächst müssen sich zwei Aachener wegen schweren Diebstahls vor Gericht verantworten. Grund dafür ist das sogenannte Containern. Die beiden haben von einem Supermarkt weggeworfene Lebensmittel aus dem Müll genommen, um sie noch zu verwerten.

Einige Menschen machen dies regelmäßig, entweder um Geld zu sparen oder aus der Überzeugung heraus, dass zu viele Lebensmittel weggeworfen werden, die noch genießbar sind. Zwei Personen wurden dabei erwischt, und, da dies verboten ist, angeklagt. Infolgedessen wurde das Aachener Bündnis „Containern ist kein Verbrechen!“ gegründet, das am Samstag am Elisenbrunnen eine Kundgebung veranstaltete.

Drei Forderungen hat das Bündnis: die sofortige Einstellung des Verfahrens, eine generelle Entkriminalisierung des Containerns und das Verbot, genießbare Lebensmittel in Landwirtschaft, Handel und Industrie zu vernichten. Am Elisenbrunnen wurde über das Thema informiert, Unterschriften für die Petition wurden gesammelt. In kurzer Zeit sind im Internet bereits über 93.000 Unterschriften zusammengekommen.

Auf Plakaten wurde über das Containern und das Bündnis informiert, bei einem Picknick konnten „gerettete“ Lebensmittel verspeist werden, und jeder durfte Obst, Gemüse, Joghurt und weitere Nahrungsmittel, die beim Containern gesammelt worden waren, mitnehmen. „Das Essen wird von ganz unterschiedlichen Leuten mitgenommen“, berichtete Christian Walter, Mitbegründer des Bündnisses und Mitorganisator der Kundgebung. Bedürftige, die sich über eine kostenlose Mahlzeit freuen, Studenten, die auf diese Weise ein wenig Geld sparen, und Interessierte, die sich gerade zum ersten Mal über das Thema Containern informieren.

Walter selbst containert seit neun Jahren und wurde bislang drei Mal dabei erwischt. Zu einer Anzeige sei es glücklicherweise noch nicht gekommen – im Fall der beiden Aachener war dies allerdings anders. Das Bündnis will nun erreichen, dass die Klage fallengelassen wird. Wichtig sei es auch, darauf hinzuweisen, wie viele Lebensmittel weggeworfen würden, die noch genießbar seien. „Es gibt 30 bis 50 Prozent Überproduktion. In Deutschland werden im Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – nicht nur von Supermärkten, sondern auch von Restaurants und privaten Haushalten“, so Walter.

Kritik an Überproduktion

Es solle erreicht werden, dass nur so viel Nahrung produziert wird, wie auch verspeist wird. Dies würde vielseitigen positiven Nutzen mit sich bringen: es sei ökologisch sinnvoller, eingespartes Geld könne gespendet werden, Arbeitskraft werde eingespart, die dann beispielsweise bei der Produktion von Bio-Produkten eingesetzt werden könne.

Die Besucher zeigten reges Interesse. Negative Stimmen waren nicht zu hören, viele stimmten den Argumenten des Bündnisses zu. Die Frage nach der Hygiene der aus dem Müll geholten Lebensmittel stellte sich einigen jedoch. Doch da müsse man sich keine Sorgen machen, beruhigt Walter: „Das Waschen von Obst und Gemüse dauert in der Regel länger als das Containern selbst.“

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