Pflegekräfte prangern Krankenkassen an

Von: Gerald Eimer
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Endstation Markt: Mit gut 90 Fahrzeugen steuerten protestierende Pflegekräfte aus der ganzen Region am Mittwoch das Aachener Zentrum an, um sich für eine bessere Vergütung in der ambulanten Pflege stark zu machen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Immer weniger Zeit für die Patienten, immer engere Tourenplanung, immer größerer Arbeitsdruck – dies seien die Folgen einer deutlichen Unterfinanzierung der Pflegedienste. Der Kampagnge „Hilfe! Mehr Zeit für die Pflege“ haben sich auch die Wohlfahrtsverbände und Pflegekräfte aus der Region angeschlossen.

Mit einem Autokorso quer durch die Stadt sollte am Mittwoch der Forderung Nachdruck verliehen werden, die Vergütungssätze im Pflegebereich um mindestens 13 Prozent anzuheben.

Mit rund 90 Fahrzeugen steuerten die meist weiblichen Protestler den Markt an, um unweit der AOK-Geschäftsstelle den Druck auf die Krankenkassen als Verhandlungspartner zu erhöhen. Symbolisch sollte der AOK-Regionaldirektion ein sogenanntes Zeitschwein überreicht werden – was freilich nicht zustande kam und von den Pflegekräften mit Buhrufen quittiert wurde. Sie schwenkten Protestplakate mit Aufschriften wie „Mehr Zeit für Menschlichkeit in der ambulanten Pflege“ und „Akkordpflege – Nein Danke.“

„Ende der Fahnenstange“

Marion Timm, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Aachener Wohlfahrtsverbände, machte derweil gemeinsam mit ihren Kollegen deutlich, dass für die Pflegedienste aus ihrer Sicht „das Ende der Fahnenstange“ erreicht sei. Alleine im Personalbereich seien in den zurückliegenden zehn Jahren die Kosten um gut 20 Prozent gestiegen, hinzu kommen steigende Sachausgaben, darunter auch für Benzin. Die Krankenkassen haben im gleichen Zeitraum ihre Vergütungen jedoch nur um sieben Prozent angehoben.

Die Kassen geben damit den Patienten nicht zurück, was sie eingezahlt haben, kritisiert Caritas-Geschäftsführer Bernhard Verholen. Die Folge könne nun nur noch eine Leistungsverknappung sein. Eine weitere Reduzierung der Kosten im Pflegebereich – wie von den Kassen gefordert – hält er ohne Einschnitte genauso wenig für machbar, wie seine Kollegen vom Roten Kreuz, der Arbeiterwohlfahrt, der Diakonie oder des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Viel zu lange habe man über Jahre hinweg den Kostendruck „nach innen verarbeitet“. Nun aber wolle man nicht länger stillhalten und sich von den Krankenkassen „permanent vertrösten und abspeisen“ lassen.

Es gehe nicht um „Gewinnmaximierung“, betont DRK-Geschäftsführer Peter Timmermanns. „Die Dienste müssen sich tragen.“ Die „Blockadehaltung“ der Krankenkassen, mit denen man sich seit 2012 auch im Rechtsstreit befindet, gehe zu Lasten der Patienten und der Mitarbeiter, die einen „Knochenjob“ hätten.

Auch die Politiker sollen nun „auf allen Ebenen“ in die Pflicht genommen werden. Schließlich laute deren Forderung „ambulant vor stationär“. Wer diesen Anspruch habe, müsse jedoch auch für die nötige Ausstattung sorgen. Und nicht zuletzt gehe es auch um eine Aufwertung des Pflegeberufs. Schon jetzt seien Fachkräfte kaum noch zu finden, in den nächsten fünf Jahren werde sich die Situation weiter verschärfen. „Aber wie sollen wir junge Menschen bei diesen Rahmenbedingungen zu einer Pflege-Ausbildung motivieren“, fragt Timmermanns.

Der gestrige Protest in Aachen ist Teil einer landesweiten Kampagne, die noch bis Sonntag fortgesetzt werden soll. Natürlich werden die Pflegekräfte schnell wieder an die Betten ihrer Patienten zurückkehren, versichern alle Beteiligten. Und doch werde man aufgrund der Proteste „mit einem anderen Hintergrund“ in der Verhandlungen mit den Krankenkassen gehen. „Wir lassen uns das so nicht mehr gefallen“, erklärten sie, bevor sie in ihren Fahrzeugen den Markt wieder verließen.

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