Pfarrkirche St. Paul künftig ohne Dach?

Von: Anke Hinrichs
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Professor Ulrich Hahn und Pfarrer Toni Jansen haben sich Gedanken über die künftige Nutzung der ehemaligen Pfarrkirche St. Paul gemacht. Die Ergebnisse präsentieren Hahns Studenten am kommenden Freitag während der „Nacht der offenen Kirchen” an Ort und Stelle. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Diskotheken oder Hotellobbys in ehemaligen Kircheninnenräumen? So ein Schicksal soll der einstigen Pfarrkirche St. Paul erspart bleiben, „aber man muss sich Gedanken machen, wie mit solch einem sakralen Platz umgegangen wird”, sagt Ulrich Hahn, Professor für Architektur und Städtebau an der Fachhochschule (FH) Aachen.

Ein anderer denkt genauso, Toni Jansen, ehemaliger Pfarrer in St. Peter und Vater des Sozialwerks Aachener Christen. Gemeinsam haben sie an einer Idee gefeilt, haben „Sandkastenspiele mit konkreten Dimensionen” gespielt, wie Hahn die Überlegungen nennt.

Mit seinen Studenten der Architektur und Städteplanung geschah das in Form von Plänen und Entwürfen, Toni Jansen konstruierte den Fall St. Paul gemeinsam mit den drei Hilfswerken in Aachen, Misereor, Missio und dem Kindermissionswerk via Visionen und Fantasien.

„Visionen und Fantasien” ist zugleich der Titel unter dem die nun fertiggestellten 42 unterschiedlichen Modelle der Studenten firmieren, die diese im Rahmen ihrer Bachelor-Abschlussarbeiten erdachten und zusammenbauten. Zu sehen sind sie am Freitag in St. Paul, in der „Nacht der offenen Kirchen”, vorgestellt von den Studierenden jeweils um 20 und um 22.30 Uhr.

Eigene Ideen verwirklicht

Hahn schwärmt von dem Enthusiasmus der jungen Leute: „Wenn die ihre Arbeiten zeigen, merkt man, dass sie ganz durchdrungen von ihrer Idee sind.” Kein Modell gleiche dem anderen, Hahn sagt, dass jeder Studierende seine ganz eigenen Ideen verwirklichen und frei habe arbeiten können.

Dabei bestand die Möglichkeit, sich anhand der drei Studienschwerpunkte auf den Städtebau, die Baukonstruktion oder den Entwurf festzulegen, so dass die Studierenden in ihren Ausarbeitungen auch da Schwerpunkte setzen konnten.

Ein paar inhaltliche Vorgaben gab es dann aber doch für die geschlossene Pfarrkirche, die sich weiterhin im Besitz der Gemeinde befindet: „St. Paul liegt als ehemalige Predigerkirche am Jakobsweg, und sie ist immer noch die spirituelle Heimat der dort lebenden Menschen. Alles was in die Kirche hineinkommt, soll ein Fortschreiben von dem sein, was da 500 Jahre lang gelaufen ist”, so Hahn. Also keine Diskotheken und keine Hotellobbys, das war klar.

Für die Studierenden bestand die Aufgabe vielmehr darin, diesen Platz als einen Ort der Begegnung zu gestalten, aber auch den drei Hilfswerken und einem kleinen Museum Raum für ihre Ausstellungen zu lassen. Leben soll dadurch wieder in das Viertel rund um St. Paul kommen, „die Kirche ist nur wenige Meter vom Stadtzentrum entfernt, aber das Viertel ist tot”, findet Hahn.

Das könnte sich ändern, würden die Modelle Wirklichkeit werden: Eine nach oben offene Kirche trägt zum Beispiel der Tatsache Rechnung, dass die durch den Zweiten Weltkrieg notdürftige Dachkonstruktion eben nur aus der Not heraus entstanden und nicht für die Ewigkeit gedacht ist.

Hier wird der Kircheninnenraum zum Außenraum, Bäume wachsen dort, ruhige Wandelgänge sind zu erahnen, nur der Chor bleibt als überdachter Raum bestehen, bietet Raum zum Gebet. Ein anderer Entwurf bebaut den Innenraum, setzt Glaskästen hinein, lässt aber das Dach der Kirche wie es ist.

All das seien freilich nur Entwürfe und könnten Denkanstöße liefern für ein mögliches Bauvorhaben. „Wir wollen ein Signal an die Öffentlichkeit senden, an Sponsoren, Mäzene, Institutionen, die darin einen Sinn sehen”, hofft Jansen, dem auch ein Signal an die beiden Kirchen wichtig ist, denn: „Wir brauchen einen Dialog der Religionen mehr denn je und der könnte dort stattfinden.”
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