Peter Barner: Lehrer, Mensch und guter Freund
Peter Barner war ein solcher Mahner, Anreger, Impulsgeber, Gesprächspartner, Freund. Dieses „war” symbolisiert in drei Buchstaben das zutiefst Traurige; denn dieser wunderbare Pädagoge ist tot. Im Alter von 80 Jahren starb der eigentlich noch so junge Mensch während einer Reise in Rom. Mit seiner Frau Hildegard, der unter dem Namen „Adele” schreibenden Aachener Dichterin, und seinem Bruder und seiner Schwägerin hatte er fröhliche Tage in der italienischen Hauptstadt verbracht, als er sich plötzlich aus dem irdischen Leben verabschiedete.
Konziliant, aber bestimmt
Mit Peter Barner habe ich viele Gespräche geführt. Er war ein Wissender und ein um Wissen Bemühter. Freundlich, aber entschieden. Konziliant, aber bestimmt. Zuhörend, aber zielorientiert. Und: aktiv, nichts hinauszögernd und ganz ohne Ausreden, die einem Hauch von Bequemlichkeit den Teppich, unter den man so Vieles kehren kann, ausgerollt hätten. Der Mann setzte Ideen um, suchte dabei und dafür Verbündete, und er suchte auch Bestätigung oder Kritik, indem er seine Gedanken formulierte, für die er Resonanz einforderte. Welch ein Quell an Initiative, wohl auch für „seine” Lehrerinnen und Lehrer ein Glücksfall an Motivation, ein Mutmacher auch gegen die Skepsis mancher Verwaltung, deren Teil er, der Städtische Schulamtsdirektor, rein formell ja auch war. Er, der Gegenentwurf zu jeder Form von Kleinkariertheit.
Einführung der Reformpädagogik
20 Jahre gestaltete er diesen Beruf in Aachen. Eine Fülle von Projekten verwirklichte er, und das Spektrum reicht von der Integration behinderter und ausländischer Kinder über die Aktion „Aachen - wir lernen unsere Stadt kennen” und die Einführung der Reformpädagogik bis zum Öcher Platt, das er im Unterricht salonfähig machte - als „Nordlicht”, ausgerechnet. Die Kinder lagen ihm am Herzen, die Pädagogen, auch die Stadt Aachen, nicht zuletzt die Zusammenarbeit in der Euregio und mit nordfranzösischen Kollegen.
Erreicht hat er viel. Manchen Ärger und manchen Hemmschuh inklusive. Er schaute guten Mutes zurück und sagte in einem Interview mit uns einmal: „Wenn man am Ziel angelangt ist, sieht man nicht mehr die Täler, sondern nur noch die Gipfel.”
Geboren wurde Peter Barner am 8. Januar 1932 in Danzig, seine Familie flüchtete nach Norddeutschland. Er studierte Mathematik, Religion und Musik, unterrichtete als Lehrer in Stade und kam 1962 nach Jülich, 1977 wurde er Stadtschulrat in Aachen - und Aachener. Sein Verhältnis zur Stadt nannte er eine „innige Beziehung”.
Seine Heiterkeit war ansteckend, seine Nachdenklichkeit anregend. Seine Meinungen basierten auf Relevanz, seine individuellen und originellen Wortschöpfungen verrieten seine überbordende Freude an Kreativität, Humor und Witz. Er war ein Meister gern gehörter Einwürfe, Einfälle und Einsichten. Gespräche mit ihm waren kein oberflächlicher Plausch. Man war nie unbeteiligt, er ließ einen nicht los. In Zeiten, in denen zu viele vor den nackten Zahlen kapitulieren, ergriff er Initiative. Sein Ideen-Budget wirkte manchmal sogar überzogen, aber nie übertrieben. Und stets lächelte er. Mit aller gebotenen und vornehmen Zurückhaltung?
Manches Mal dachte ich an ein Zitat von Marc Aurel: „Jung ist, wer noch staunen und sich begeistern kann. Ihr werdet jung bleiben, solange ihr aufnahmebereit bleibt: empfänglich fürs Schöne, Gute und Große, empfänglich für die Botschaften der Natur, der Mitmenschen, des Unfasslichen.” Das passt sehr gut auf und zu Peter Barner, dem großen Menschenfreund. Adieu!
Eine Eucharistiefeier im Gedenken an ihn findet am Freitag, 3. August, 10 Uhr, im Aachener Dom statt.








