Perückenräuber räumen den Banktresor aus

Von: Heiner Hautermans
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Bankräuber haben am Mittwoch 16 Bankangestellte bedroht und sind dann mit ihrer Beute geflohen. Nach Polizeiangaben waren die dunkel gekleideten Räuber vor der offiziellen Öffnung in die Bank eingedrungen. Foto: Ralf Roeger
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Die Tatortaufnahme in der Pax-Bank zog sich über Stunden hin. Durch die intensive Suche erhofft sich die Polizei weitere Hinweise auf die Täter. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Wer mit einer so großen Gruppe aufläuft, der macht das nicht zum ersten Mal. Das war eine geplante und gut ausbaldowerte Tat“, gestand Polizeisprecher Werner Schneider am Mittwoch auf dem Bürgersteig des Löhergrabens sechs Bankräubern eine gewisse Professionalität zu, die einige Stunden zuvor die Pax-Bank in seinem Rücken nach allen Regeln der Kunst ausgeräumt hatten.

Wahrscheinlich hatten sie einer Putzfrau aufgelauert, die üblicherweise um 7 Uhr morgens vom Hermann-Heusch-Platz mit einem Zugangschip die Räume aufschließt, und dann die nach und nach eintreffenden 16 Angestellten mit Schusswaffen bedroht und teilweise gefesselt. Anschließend sammelten sie Geld „in nicht unbeträchtlicher Höhe“ ein und entkamen zu Fuß in Richtung Bendelstraße. Schneider: „Es hat sich schon gelohnt.“

Nach Informationen der „Nachrichten“ handelt es sich um einen sechsstelligen Betrag. Schneider: „Die Frage ist, ob die Scheine verwertbar sind, ob sie etwa Sicherheitspacks einhielten.“ Am Montag letzter Woche hatten fünf Unbekannte einen Blitzeinbruch auf die Postfiliale am Pontdriesch verübt und gewaltsam den Geldautomaten herausgerissen. Dabei war eine Farbpatrone ausgelöst worden, das gesamte Geld wurde so unbrauchbar. Die Täter sind noch nicht gefasst.

Speziell war am Mittwoch das Outfit der Bande. Das Sextett war schwarz gekleidet, trug Perücken und Sonnenbrillen. Schneider: „Aufgrund der auffälligen Kleidung erwarten wird, dass die Bevölkerung Hinweise geben kann.“ Möglicherweise sind die Bankräuber nämlich zwei Straßen weiter in einen Wagen gestiegen. Unter den Tätern habe sich, weil deutlich kleiner, wohl auch eine Frau befunden.

Wegen der Kostümierung drängen sich Parallelen zu einen Banküberfall vor gut einem Jahr quasi um die Ecke auf. In der Jakob-straße/Ecke Stromgasse war am 8. Juli 2013 eine Filiale der Aachener Bank auf ganz ähnliche Weise ausgenommen worden. Nach 8 Uhr waren damals drei ebenfalls mit Perücken und Schlapphüten ausstaffierte, dunkel gekleidete und bewaffnete Bankräuber kurz nach der Öffnung eingedrungen und hatten drei Angestellte bedroht.

Täterwissen

Mit der Beute in fünfstelliger Höhe konnten sie in unbekannte Richtung flüchten. Auch damals war eine etwas kleinere Frau beteiligt. Ebenso im Juli 2012, als drei Männer und eine Frau ein Geldinstitut an der Sandkaulstraße heimsuchten, auch sie trugen Perücken, Hüte und dunkle Brillen. In beiden Fällen wird die Frau, die das Kommando geführt haben soll, als 1,65 bis 1,70 Meter groß beschrieben. Das Quartett zückte ebenfalls Schusswaffen und sperrte die Angestellten in einen Raum. Schneider: „Ob ein Zusammenhang besteht, wird noch überprüft.“

Die Örtlichkeiten dürften vor der jetzigen Tat ausgespäht worden sein, deshalb bittet die Polizei auch Passanten und Anwohner, die in den letzten Tagen Auffälligkeiten bemerkt haben, sich zu melden (0241/9577-31301 oder 9577-34210 außerhalb der Bürozeiten). Bei der intensiven Befragungen der 16 Angestellten hoffen die Kripoleute ebenfalls auf weitere Erkenntnisse, ebenso wie aus der Auswertung der Überwachungskameras.

Außerdem wurde ein Spürhund eingesetzt, da ein Kleidungsstück der Räuber sichergestellt wurde. Der Vierbeiner wurde eigens aus Selm herbeigeschafft. Die Angestellten blieben unverletzt, wurden aber vorsichtshalber von einem Notfallseelsorger betreut. Schneider: „Die Fahndung läuft auf Hochtouren, auch im benachbarten Ausland.“

Da keine größeren Aufbruchspuren gefunden wurden, liegt der Verdacht nahe, dass die Täter die Putzfrau abgepasst haben. Schneider: „Wie die sich Zugang verschafft haben, das wird noch überprüft.“ Einzelheiten will die Polizei mit dem Hinweis auf „Täterwissen“, das bei der Überführung der Räuber vonnöten ist, nicht herausrücken. Die Ermittlungen sollten nicht gefährdet werden.

Sehr erleichtert

In der Bendelstraße, nur 100 Meter Luftlinie entfernt, steht am Mittwoch gegen 11 Uhr eine Frau im Hausflur und ist sehr erleichtert: „Ich putze donnerstags in der Pax-Bank. Wenn ich morgen dort gewesen wäre, hätte es mich erwischt, und ich hätte vielleicht einen Schlag auf den Kopf bekommen.“

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