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Personalmangel lässt Bürger und Beschäftigte leiden

Von: Gerald Eimer
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So entspannt geht es derzeit nur noch kurz vor Schalterschluss zu: Im Bürgerservice fehlt das Personal, weshalb die Anlaufstelle am Katschhof vorerst ganz geschlossen bleibt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Mehr Bürger als Service – auf diesen kurzen Nenner lässt sich das gegenwärtige Dilemma des Bürgerservice‘ der Stadtverwaltung bringen. Weil die Personaldecke im Bürgeramt denkbar dünn ist, kann in diesen Tagen der Kundenansturm kaum bewältigt werden.

Die Folge: Die ausgedünnte Belegschaft kriegt immer öfter den geballten Zorn der Wartenden ab. Inzwischen ist der personelle Notstand im Bürgerservice auch ein Fall für den Oberbürgermeister geworden.

Vorerst hat Marcel Raschke, Leiter des Bürgeramts, die Notbremse gezogen und die Servicestelle am Katschhof bis einschließlich nächste Woche Freitag ganz dicht gemacht und alle zur Verfügung stehenden Kräfte zum Bürgerservice am Bahnhofplatz beordert. Von insgesamt knapp 30 Beschäftigten stehen ihm gegenwärtig gerade mal zehn zur Verfügung. Die Personaldecke sei ohnehin dünn, sagt er, doch jetzt habe auch noch eine Krankheitswelle zugeschlagen. Hinzu komme, dass der Andrang derzeit groß ist, weil einerseits die Urlaubszeit beginnt und viele Leute neue Ausweise benötigen und sich andererseits zum Semesterbeginn viele Studenten anmelden müssen.

Besuche besser verschieben

„Wer nicht unter Zeitdruck etwas regeln muss, sollte einen Besuch möglichst verschieben“, rät Raschke. Andernfalls müssten lange Wartezeiten in Kauf genommen werden. Empfehlenswert sei es auch, Terminabsprachen zu treffen oder das Online-Angebot unter www.aachen.de zu nutzen. Dort werden auch aktuelle Wartezeiten angezeigt. Raschke bedauert, dass sein Fachbereich derzeit nicht die Erwartungshaltungen der Bürger erfüllen kann. „Fakt ist, dass wir neue Leute brauchen.“ Die Stellen seien auch ausgeschrieben, sagt er, „aber so schnell wird es wohl nicht besser werden“.

Diese Aussicht lässt insbesondere auch Personalratsvorsitzende Karola Hoch schäumen, die sich in den letzten Tagen die Situation vor Ort angeschaut hat: Fix und fertig seien die Kollegen des Bürgerservice gewesen, die schwer gestresst und mit hochroten Köpfen bis zum Anschlag geackert hätten. Dennoch seien die Schlangen am Bürgerservice kaum kürzer geworden. Wartezeiten bis zu drei Stunden hätten einige in Kauf nehmen müssen. „Die Leute standen draußen auf der Straße und saßen auf den Heizungen“, sagt sie, „das hat mit Service nichts mehr zu tun, das ist auch keine gute Atmosphäre für den Bürger.“ Vielfach richte sich die Wut auch gegen die Beschäftigten. „Das ist nicht mehr zu verantworten“, meint Hoch, die zwischenzeitlich auch den Oberbürgermeister eingeschaltet hat.

Der habe den Ernst der Lage nunmehr erkannt und reagiert. Teils beantworte er sogar persönlich die Beschwerdebriefe der Bürger. Doch spätestens nach Ostern müsse man sich zusammensetzen und gemeinsam überlegen, wie die Situation im Bürgerservice verbessert werden kann, fordert Hoch.

Denn offensichtlich gibt es grundlegende Versäumnisse und Probleme. Darauf deutet etwa die starke Personalfluktuation im Bürgerservice hin. Der hohe Krankenstand kann ebenfalls als Beleg für hohe Belastungen gesehen werden. So sollen mehrere Mitarbeiter auch Überlastungsanzeigen geschrieben haben. Nicht zuletzt kann der Personalnotstand im Bürgerservice auch als Folge des Spardrucks und der damit verbundenen Wiederbesetzungssperre im öffentlichen Dienst gesehen werden.

Einst seien Stellen im Bürgerservice hoch attraktiv gewesen, so Hoch, doch derzeit kriege man keine Leute mehr. „Wir wissen noch nicht, warum das so ist“, sagt sie, „aber wir müssen überlegen, wie es wieder besser wird.“ Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht, denn benötigt wird qualifiziertes Personal, das breitangelegtes Verwaltungswissen hat.

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