Personaldezernent im Kreuzfeuer der Kritik

Von: Gerald Eimer
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Gut 300 Mitarbeiter des Stadtbetriebs zogen am Mittwoch spontan in die Innenstadt, um gegen den Personaldezernenten Lothar Barth zu protestieren. Zugleich solidarisierten sie sich mit Peter Maier, der in ihren Augen der ideale Chef des operativen Teils wäre, der aber in einem Bewerbungsverfahren unterlag. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Nie zuvor sah sich ein Dezernent einem derart massiven Protest städtischer Mitarbeiter ausgesetzt wie Lothar Barth. Der Personaldezernent, zuständig auch für den Aachener Stadtbetrieb und seit gerade mal einem Jahr im Amt, war am Mittwoch Zielscheibe einer völlig überraschenden Protestaktion der Stadtbetriebs-Belegschaft. Das Besetzungsverfahren um den Chefposten des Stadtbetriebs hat bei den Mitarbeitern augenscheinlich das Fass zum Überlaufen gebracht.

Mit Müll-, Reinigungs- und Räumfahrzeugen besetzten gut und gerne 300 Mitarbeiter am Nachmittag Markt und Katschhof, um lauthals gegen Barth und die Grünen zu wettern, denen sie Komplizenschaft nachsagen. „Der Bart(h) muss ab“ und „Bündnis 90/Die Grünen: Die nächste Wahl kommt bestimmt“, hieß es auf Plakaten. Der nach Angaben von Verdi und Komba „spontane“ Protest sollte insbesondere auch als Solidaritätskundgebung für Peter Maier, langjähriger stellvertretender Betriebsleiter und seit kurzem kommissarischer Leiter des operativen Teils im Stadtbetrieb, verstanden werden.

Denn während mit Thomas Thalau seit Mittwoch immerhin der kaufmännische Nachfolger für den ausgeschiedenen Leiter Franz Narloch feststeht, ist die Suche nach einem operativen Leiter in einem Auswahlverfahren erfolglos geblieben. Drei Kandidaten – unter ihnen Peter Maier – hätten die erforderlichen Standards nicht erfüllt.

Für die Beschäftigten muss die Mitteilung wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Man habe Maier bewusst Steine in den Weg gelegt und sei sogar ins Persönliche abgedriftet, sagen sie und machen dafür insbesondere Barth und die Grünen verantwortlich. Sie planten eine grundlegende Umstrukturierung des Stadtbetriebs. Aus Sicht der Beschäftigten sei hingegen Maier der beste Mann, um den Stadtbetrieb „nach vorne zu bringen“.

Begleitet von einem Pfeifkonzert und Rufen wie „Barth muss weg“, betonte der Dezernent seinerseits, dass die Entscheidung gegen Maier das Ergebnis eines „transparenten und fairen Verfahrens“ war, wie es seit vielen Jahren in der Stadtverwaltung üblich sei. „Da ist nichts gedreht worden.“ Jetzt müsse die Politik entscheiden, wie es bei der Chefsuche weitergehe.

Oberbürgermeister Marcel Phi­lipp, der Maier kurzfristig zum kommissarischen Leiter ernannt hat, gelang es schließlich, die Wogen zu glätten. In einer von Applaus begleiteten Erklärung versprach er, „vernünftig und auf Augenhöhe“ die Situation im Stadtbetrieb zu besprechen. Der Forderung nach einer Absetzung von Barth wollte er freilich nicht entsprechen: „Aufgrund der heutigen Situation wird es sicher keine Veränderungen geben.“ Dass sich die Dezernatsverteilung „irgendwann“ ändert, sei hingegen „nicht auszuschließen“.

Unterdessen machen Verdi-Vertreter weiter Druck: „Wer in so kurzer Zeit so viele Menschen gegen sich aufbringt, ist als Personaldezernent untragbar“, meint Gewerkschaftssekretär Mathias Dopatka. Und Stephan Hoch, Sprecher der Vertrauensleute, legt nach: „Beteiligungsrechte interessieren diesen Mann einen Dreck.“ Aus Sicht von Verdi gefährde Barth mit seinem Vorgehen inzwischen sogar den inneren Betriebsfrieden.

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