„Perplex“ im Theater K: Schrecken von Sein und Schein

Von: Grit Schorn
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Ungebetene Gäste: Anush Manukian, Martin Päthel, Anton Schieffer und Annette Schmidt (v.r.) in „Perplex“. Foto: Gerd Plitzner

Aachen. Es ist ein metaphysisches Gestrüpp, das das „heimatlose“ Theater K da im Space des Aachener Ludwig Forums auslegt – mit Witz, Charme und Übermut. Marius von Mayenburgs verrückt-vertracktes Stück „Perplex“, 2011 in der Berliner Schaubühne uraufgeführt, zeigt zwei Paare, die in ein Wechselspiel mit Identitäten stürzen, die in andere Welten führen.

Die vier Schauspieler tragen ihre eigenen Vornamen, was den Unterhaltungswert durchaus steigert.

Schon der Anfang offenbart die Schrecken von Schein und Sein. Wem gehört denn nun die Wohnung, die von gleich zwei Paaren für sich beansprucht wird? Anush (Manukian) und Anton (Schieffer) werden einfach hinauskomplettiert, als Annette (Schmidt) und Martin (Päthel) auftauchen und ganz lässig ihren Anspruch erheben – auf diese heruntergekommene Wohnung mit der erschlafften Pflanze, den uringelben und verdächtig braunen Farbtönen und dem Metall-Geweih.

Das folgende Wechselspiel-Karussell dreht sich um Metaphysik, Philosophie und das „Geflacker unserer Synapsen“; tolldreist verdreht kommen die beiden Paare daher, um ständig neue Identitäten anzunehmen und fremde Gefühlswelten auszuloten. Platons Höhlengleichnis konkurriert mit Becketts totem Gott, Sex mit einem Elch oder gar einem Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Und wenn Anton zum SS-Mann oder zum quäkenden Kind wird, gibt es beim Publikum Heiterkeitsausbrüche. Die selbstironische Inszenierung von Thomas Sauerteig, der vor Jahren bereits im Theater K mit „Bandscheibenvorfall“ begeisterte, kommt glänzend an, ebenso wie der überraschende „Bühnenabbau“, der von den Akteuren selbst übernommen wird. So können Philosophie und Metaphysik richtig Spaß machen. Und Päthels „Duschen-Philosoph“ ist eh unvergesslich.

Rauschender Beifall für ein Vergnügen besonderer Art und das tolle Mimen-Quartett.

Weitere Vorstellungen im Space an der Jülicher Straße: 11., 12., 23., 24. und 31. Oktober, außerdem im November und Dezember. Tickets: 0241/151155

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