Aachen - Per Tastendruck sagen, was man will

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Per Tastendruck sagen, was man will

Von: Nina Krüsmann
Letzte Aktualisierung:
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Yannick Knauf kommuniziert mit seiner Betreuerin Heike Geuernich über den „Talker“ und steigert damit seine Lebensqualität. Foto: Krüsmann

Aachen. Die Apfel-Taste steht für alles, was mit dem Themenfeld „Essen“ zu tun hat. Das Herz symbolisiert das Wortfeld Beziehungen, Freundschaft und Liebe. Es ist eines der leisen Themen der Inklusion, die derzeit viel diskutiert wird.

Im Louise-von-Marillac-Haus des Vinzenzheims leben junge Erwachsene, die aufgrund ihrer Behinderung kein eigenes Sprachvermögen erworben haben. Mittels eines sogenannten Talkers können Menschen wie Yannik Knauf kommunizieren. Der Einsatz des Talkers, der ungefähr den Wert eines Kleinwagens hat, setzt eine intensive Beschäftigung mit der jeweiligen Person voraus. Das Potenzial ist nach einer Einübungsphase enorm. „Die Lebensqualität von Bewohnern wie Yannik steigert sich enorm“, weiß Betreuerin Heike Geuernich.

Vergleichen lässt sich das Erlernen der Talker-Kommunikation am ehesten mit einer Fremdsprache. „Das ist anfangs wie Vokabellernen. Durch die neu gewonnene Kommunikation kommt es weniger zu Frust und Aggressionspotenzial. Es hilft, wenn man sich mitteilen kann, seine Bedürfnisse kommunizieren kann“, verdeutlicht die Betreuerin. Erste Erfolge stellten sich beim 24-jährigen Yannik schnell ein. Er kann nicht schreiben und lesen, hat sich die Symbole aber schnell eingeprägt.

Yannik ist ein Adoptivkind. „Er hat nach einem Hirnschaden in der Schwangerschaft geistige und sprachliche Behinderungen. Er verfügt aber über einen großen passiven Wortschatz“, erklärt Betreuerin Geuernich. Yannik liebe Besuche auf der Kirmes und im Freizeitpark, begeistere sich für Eisenbahnen und Hansi Hinterseer. Mit einfachen Ein-Wort-Sätzen erzählt er das mit seinem Talker, den er beinahe immer bei sich trägt.

Mit der Logopädin übt er regelmäßig, lernt immer dazu. Es sind alltägliche Situationen wie das Frühstück oder die Freizeitgestaltung, in denen der Talker eine Erleichterung darstellt: Yannik kann einfach per Tastendruck sagen, was er essen, trinken oder unternehmen möchte. Geuernich versteht auch so vieles, kennt über die Jahre Yanniks Gebärden und Laute: „Wir haben viel weniger Probleme mit selbst- und fremd–aggressivem Verhalten bei den Bewohnern, die eine elektronische Kommunikationshilfe nutzen.“

Für Yannik war der Talker nichts Neues, als er 2007 ins Vinzenzheim zog. Seine Adoptiveltern hatten ihm bereits beigebracht, mittels des Gerätes zu kommunizieren. „Er hat von klein auf gelernt, dass er Kommunikation mitgestalten kann, und setzt dies auch gezielt in seinem Alltag ein“, freut sich Geuernich. So berichtet die Stimme in Yanniks Talker, dass er mit seinem Vater in der Aachener Innenstadt unterwegs war, und welche Pläne er für den nächsten Urlaub in Holland hat.

Erfolgreiche Arbeit

Der Einsatz von unterstützter Kommunikation ist ein wichtiger Baustein für die erfolgreiche Arbeit mit Menschen ohne Sprachvermögen. Yannik hat einige Tasten mit seinen persönlichen Vorlieben hinterlegt. Zum Geburtstag will er einen Käsekuchen haben, teilt er mit. In der Werkstatt erledigt er kleine Botengänge, schreddert Papier. Man habe auch gemeinsam gekocht, meint er – es gab Salat und Pudding, wie er per Symbol erklärt. Und per Druck auf die Apfel-Taste verleiht der Talker Yannik eine Stimme, die ihn an ganz normalen Gesprächen teilhaben lässt.

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