Paul II. feiert gemeinsam mit 55.000 Jecken

Von: Lee Beck
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Für ihn war der Kinderkostümzug ein Höhepunkt nach Maß. Märchenprinz Paul II. vergnügte sich bei frühlingshaftem Wetter auf seiner Tour durch die Stadt. Fotos: Heike Lachmann Foto: Heike Lachmann
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Auch auf der Theaterstraße sammelten sich die großen und kleinen Jecken, um den Kinderkostümzug zu bewundern und zu feiern.
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Zum Anfassen, Kuscheln und Liebhaben kamen „Barki“ und „Karl der Kleine“ und begeisterten die Nachwuchs-Karnevalisten.

Aachen. Wenn man in unzählige lachende und geschminkte Kindergesichter schaut, die mit der Sonne in der Kaiserstadt um die Wette strahlen, dann ist das herzerwärmend. Dann weiß man, der Aachener Kinderkarneval ist mehr als nur das goldene Herzstück des Fastelovvends und der Kinderkostümzug mehr als nur ein Karnevalszug.

Um kurz vor elf Uhr sind nur vereinzelt kleine und große Jecke auf den abgesperrten Straßen zu sehen. Noch herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Eine Viertelstunde später ändert sich die Situation schlagartig – von allen Seiten und aus allen Ecken strömen 55.000 kostümierte Narren an den Straßenrand. Kinderstimmen rufen immer wieder „Alaaf! Alaaf!“ und erwarten sehnsüchtig das Eintreffen der ersten Wagen. Manche tanzen auf der Straßen, singen, springen oder wirbeln aufgeregt mit den Tüten, in denen später die Kamelle gesammelt werden.

Auch Oberbürgermeister Marcel Philipp läuft schnellen Schrittes durch die Massen, um sich ein erstes Bild von der Stimmung zumachen. Und die bleibt nach Auskunft der Polizei bis zum Schluss fröhlich-friedlich.

Doch über eine Stunde mussten der achtjährige Julian und sein vierjähriger Bruder Eric in der Komp­hausbadstraße auf die Ankunft des Zuges warten. Die beiden haben sich als gelbe und blaue Minions aus dem Film „Ich – einfach unverbesserlich“ verkleidet und blicken mit großen Augen in Richtung Peterstraße. Die Kindernerven sind wegen der Verspätung etwas strapaziert. „Ein bisschen kann ich aber noch warten“, sagt Julian, der sich besonders auf die Süßigkeiten freut.

Auch die Moderatoren Rudi Moos und Georg Dünnwald wundern sich mehrmals vergeblich: „Ja, wo bleiben denn die Kinder?“ Um die Zeit zu vertreiben stimmte der Sänger Rudi Moos ein paar seiner Öcher Lieder an.

Dann endlich biegt der erste Wagen um die Ecke, die kleinen Racker können nun nicht mehr still stehen und reißen ihre Tüten auf. Sekunden später regnet es Klümpchen und tafelweise Schokolade. An vierter Stelle des Zuges wirbt die Viktor Frankl Schule unter der Leitung von Beate Jahn für Inklusion mit dem „Burtscheider Allerlei – Alles in einem Topf“.

Ein Hund bellt am Straßenrand im Takt. Karnevalsprinz Bernd I. beobachtet vor der Rotunde mit seinem Hofstaat den jecken Nachwuchs. „Ich habe heute eine passive Rolle und freue mich, wie Paul im Kinderkarneval seinen Tag genießt, er hat er wirklich verdient“, sagt der Prinz. „Es ist wichtig, dass der Karneval auch einen starken Nachwuchs hat“, fügt er hinzu, während er die Augen nicht vom bunten Treiben auf der Straße nehmen kann.

AAK Motto geht auf

Das Motto des Festausschusses Aachener Karneval „Janz Oche es atwier op Jangk met Karl än Maatwiiv Hank en Hank!“ ist gänzlich aufgegangen: Kleine und große Kaiser in den unterschiedlichsten Interpretationen setzten dem Zugbild wortwörtlich die Krone auf.

Das Kaiser-Karls-Gymnasium mit „Karlchen goes future“ zeigte, wie Karl der Große in der Zukunft mit glänzendem metallic-Umhang, Kronen-Sonnenbrillen und Ufos am Körper aussehen könnte. Die Domsingschule zog Kaiser Karls Kräutergarten durch die Straßen und setzte mit „Kaiser-Karls-Pflänzchen – Wir brauchen Zuversicht und Pflege, dann steht der Zukunft nichts im Wege“ den Garten in Szene.

Die Rhönradgruppe des Allgemeinen Turnvereins Aachens 1870 rollte mit Rhönrad-Artistik auf höchsten Niveau unter dem Motto „Öcher Gaukler sönd vür all, jrösse schönn deä Kejser Karl“ durch die Straßen. „Da sieht man ja Kaiser Karl bis zum Horizont“ rief Rudi Moos beim Anblick einer ellenlangen Kaiser-Gruppe mit mehr als 80 Kindern und 50 Erwachsenen durch die Komphausbadstraße. Die Städtische Gemeinschaftsgrundschule und die offene Ganztagsschule Laurensberg feierten auch mit Kaiser Karl den Kinderkarneval.

Landtagsabgeordnete Daniela Jansen lief bei bei der Fußgruppe „Arbeiterwohlfahrt-Sterneküche“ mit den Kindertagesstätten mit. „Es ist aufregend, das ist das erste Mal, dass wir hier mitgehen“, sagt sie. „Aber es ist wirklich eine tolle Stimmung. Aber es könnte fast noch ein bisschen bunter sein. Die Kinder sind alle toll verkleidet, aber viele Eltern leider nicht.“ Unter dem Motto „Wir sind fit, gesund und froh“ präsentierte sich die Gruppe in Gemüse- und Obstkostümen. Der kleinen Meret, die als Weintraube verkleidet ist, gefällt der Kinderzug dieses Jahr auch besonders gut.

Nadine Löcker aus Aachen ist mit ihren vier Kindern zum Zug gekommen. „Es ist heute wirklich grandios“, schwärmt sie. „Vor allem die Süßigkeiten sind nicht nur Bonbons, sondern es werden sogar ganze Tafeln Schokolade geworfen. Die Kinder finden das einfach klassse!“

Und ganz zum Schluss grüßte Märchenprinz Paul II. von seinem Thronwagen mit funkelnden Augen sein Narrenvolk. In der ganzen Aufregung hatte er seine Prinzenfedern abgelegt und sicher verstaut. Immer wieder lacht er den ihm zujubelnden Kindern am Straßenrand zu und lässt dann die Süßigkeiten auf sie regnen. Noch lange nach dem letzten Wagen hallt lautes Kinderlachen durch die Kaiserstadt.

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