Park-and-Ride fristet ein Schattendasein

Von: Werner Czempas
Letzte Aktualisierung:
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Die Park-und-Ride-Plätze fristen in Aachen ein Dasein wie einst im Märchen das Aschenbrödel. Foto: imago

Aachen. Die Park-und-Ride-Plätze fristen in Aachen ein Dasein wie einst im Märchen das Aschenbrödel. Weshalb die Verwaltung vorschlägt, das veraltete P+R-System zu modernisieren. Doch die Bezirksvertretung Aachen-Mitte tat sich überraschend schwer damit.

In der Stadt gibt es vier P+R-Plätze: Parkplatz Westfriedhof an der Vaalser Straße, Parkplatz Waldfriedhof an der Monschauer Straße, Parkplatz auf der ehemaligen Fahrbahn des Berliner Rings an der Jülicher Straße und den Bendplatz, der aber wegen vieler Veranstaltungen selten genutzt werden kann.

Das Problem: Die in den 90er Jahren in Aachen angelegte P+R-Strategie hat „leider nicht zu den gewünschten Verkehrsverlagerungseffekten auf den ÖPNV geführt”, so die Verwaltung.

Nach einem Gutachten des Büros Walter Braun in Aachen ist das kein Wunder. Bei Befragungen an den Einfallstraßen Monschauer, Eupener, Lütticher, Vaalser und Krefelder Straße sowie am Blücherplatz stellte Braun ein „beachtliches Informationsdefizit” über die vier Plätze fest, von wo es Verkehrsentlastend per Bus weitergehen soll in die Innenstadt.

Braun stellte für Aachen „ein erhebliches Potenzial und Interesse für P+R” fest. Das sei zu mobilisieren. Gestaltung und Ausstattung der P+R-Plätze spiegelten Wert und Ansehen wider. Zur Grundausstattung sollten ein überdachter Fahrgastunterstand, Fahrkartenautomaten, Info-Tafeln zum Bus- und P+R-System (Plätze, Tarife, Linien, Bedienungszeiten) und ausreichende Beleuchtung gehören. Eine Gestaltung „ohne dunkle Ecken” erhöhe das Sicherheitsempfinden. Videoüberwachung und Notrufeinrichtungen, verbunden mit der Leitstelle der Apag, könnten weitere Beiträge zu einem besseren Image sein.

Vier Standorte

Für ein neues P+R-Konzept als „Einstiegskonzept” schlägt das Gutachten vier Standorte vor: 1. Zentrale Bedeutung habe der Standort Krefelder Straße/Tivoli, der den Verkehr von den Autobahnen A4 und A44 und aus den Niederlanden aufnehmen solle; 2. Der Standort an der Monschauer Straße (Parkplatz Waldfriedhof, bei Erfolg langfristig neuer großer Parkplatz an der Autobahnabfahrt Lichtenbusch) nehme die Verkehre aus der Eifel und von der Autobahn aus Richtung Belgien auf; 3. Standort Lütticher Straße (Parkplatz an der Auffahrt „Mulleklenkes”, langfristig ein neuer Parkplatz gegenüber Preuswald) für den Verkehr aus dem Nahbereich Belgien; 4. Standort Vaalser Straße/Westfriedhof für den Nahbereich Dreiländereck.

„Für ein erfolgreiches P+R sind erhebliche Anstrengungen erforderlich. Mit P+R wird aber auch eine attraktive Alternative, die Innenstadt zu erreichen, geschaffen, die wieder neue Möglichkeiten für die Innenstadt eröffnet”, wirbt das Gutachten. „Ein wesentlicher Punkt ist die Information und das Marketing. P+R muss als Marke eine ständige Präsenz im Stadtbild erhalten. Busfahren muss wegkommen von seinem negativen Image.”

Das würde teuer: 355.000 Euro, plus 50.000 Euro fürs Marketing. Zu beachten: 85 Prozent werden gefördert, so dass für die Stadt bei den vier Plätzen ein Eigenanteil von 55.000 Euro und fürs Marketing von 2500 Euro bliebe, macht insgesamt 57.500 Euro.

Die Verwaltung legte der Bezirksvertretung Mitte ein abgespecktes Papier mit einem Eigenanteil von 36.000 Euro vor, zusätzlich 2500 Euro für die Werbung. Obwohl das überschaubar scheint für ein Projekt, das Braun im mehr als 50 Seiten starken Gutachten mit zahlreichen erfolgreichen in- und ausländischen Beispielen untermauerte, reagierten die Bezirksvertreter auffallend zugeknöpft. CDU, Grüne und SPD argumentierten unisono, die Stadt solle zunächst nur einen P+R-Platz testen.

Am 7. Juli im Ausschuss

Ob das Zögern allein auf finanziellen Ängsten beruht, ging aus den schwarz-grün-roten Worten nicht eindeutig hervor. Allein Joachim Moselage (FDP) sprach Klartext: „Offensichtlich wird P+R von der Bevölkerung nicht angenommen. Das ist herausgeworfenes Geld.” Lasse Klopstein (Die Linke) hielt dagegen. Dass P+R in Aachen wenig bekannt sei, wundere mangels Werbung nicht. Klopstein: „Die Frage ist, wieweit es Sinn macht, nur einen P+R-Platz zu bewerben. Sinnvoller ist es, mit den vier vorgeschlagenen Plätzen zu starten.”

Die Mehrheit entschied, mit nur einem Platz zu starten. Den soll die Verwaltung herausfinden. Abstimmung: CDU, SPD und Grüne dafür, Klopstein enthielt sich, Moselage und FDP-Kollege Wilhelm Helg grundsätzlich dagegen. Donnerstag, 7. Juli, debattiert der Mobilitätsausschuss übers P+R-Konzept.
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