Parcours: Gemeinsam alle Hindernisse überwinden

Von: Lukas Weinberger
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Sieht spektakulär aus, ist es auch: Statt den normalen Weg um die Mauer herum zu nehmen, überwindet Parcours-Läufer Maurizio Leson sie auf seine eigene Weise. Foto: Lukas Weinberger
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Zwei junge Männer, eine Leidenschaft: Eduard Wins (l.) und Maurizio Leson betreiben seit mehreren Jahren Parcours. Foto: Lukas Weinberger

Aachen. Eduard Wins und Maurizio Leson gehen ihren eigenen Weg. Eigentlich immer. Eigentlich überall. Und das ist ausnahmsweise nicht im übertragenen Sinn gemeint – sondern wörtlich. Einfach ist dieser Weg beileibe nicht, im Gegenteil: Die jungen Männer betreiben Parcours – den Sport, bei dem es über Mauern, Geländer und Zäune geht.

Parcours, vor einigen Jahren als Szenesportart nach Deutschland herüber geschwappt, hat in den meisten Städten längst viele Anhänger gefunden – auch in Aachen und Umgebung. Eine Vielzahl von Sportlern treibt sich regelmäßig an sogenannten Spots herum – wie beispielsweise vor dem Aachener Hauptbahnhof oder dem Alsdorfer Annapark. Ziel beim Parcours ist es, nur mit den Fähigkeiten des eigenen Körpers von A nach B zu kommen. Straßen, Türen, Treppen? So etwas brauchen Parcours-Läufer nicht.

Sie überwinden ihre Hindernisse viel lieber spektakulär: Mauern überspringen, Wände hinaufklettern, auf Geländern oder Bänken balancieren. Saltos, Schrauben und weiteres artistisches Pipapo inbegriffen. Und Eduard Wins kann seinen Sport sogar auf eine ganz einfache Formel bringen: „Effizient, schön und sicher ans Ziel kommen – das ist Parcours.“ Alles, nur nicht langweilig.

Angefangen haben die beiden Aachener schon vor langer Zeit. Maurizio Leson startete vor viereinhalb Jahren mit Parcours, hat dafür die Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Eduard Wins ist sogar so etwas wie ein Parcours-Läufer der ersten Stunde in Aachen. „Ich habe mit einem Freund ein paar Videos im Internet gesehen“, sagt er. „Und dann wollten wir‘s ausprobieren.“ Ein bisschen springen, ein bisschen runterhüpfen. Nicht mehr, nicht weniger sei das gewesen. „Standardkram für 13-Jährige eben“, sagt der Student heute.

Heute – seither sind über sieben Jahre vergangen, Eduard Wins ist mittlerweile 21 Jahre alt. Dem Parcours ist er treu geblieben, nur seine Einstellung zum Sport hat sich mit den Jahren grundlegend geändert. „Parcours ist mehr als einfaches Ankommen“, sagt er. In der Anfangszeit habe er davon keinerlei Vorstellung gehabt, „jetzt habe ich ein Bewusstsein entwickelt“ – vor allem für den eigenen Körper. Und Parcours ist ein Ventil wie jede andere Sportart. „Es macht den Kopf frei“, sagt der 20-jährige Maurizio Leson.

Der Bewegungsdrang der Aachener ist groß. Riesig groß. Wie oft sie ihren Sport betreiben? „Jeden Tag.“ Beide sagen das mit dem größten Selbstverständnis. Und wissen dabei, dass ihre Leidenschaft für andere nicht unbedingt immer nachvollziehbar ist. „Gerade wenn wir in Gruppen unterwegs sind, gibt‘s ab und an Probleme“, sagt Wins und lacht. Während ihre Freunde stets der Straße folgen, spähen Wins und Leson so manches Mal nach einer unbequemen Alternativroute. Und dann geht‘s schon mal turnend zum nächsten Ziel – ob Uni oder Supermarkt. „Ich habe einfach nie den Spaß daran verloren, wie ein kleiner Junge auf Bäume zu klettern“, sagt Wins.

Und doch schwingt immer eine zentrale Frage mit – die nach der Sicherheit. Auf Internetplattformen sind Videos mit halsbrecherischen Stunts von Parcours-Läufern zu finden – teils mit schwerwiegenden Folgen. An solch waghalsige Aktionen verschwenden die Aachener nicht einen Gedanken. Standard seien die auch bei weitem nicht. „Ich bin immer vorsichtig“, sagt Eduard Wins. „Und wenn Angst im Spiel ist, dann lasse ich manche Sachen eben sein.“ Von Maurizio Leson erntet er zustimmendes Nicken.

Viele Trainingsstunden

Parcours sei ein Sport, an den man sich herantastet, bei dem man mehr und mehr ausprobiert, sagt Leson. Das Landen und Abfangen werde dabei gleich am Anfang einstudiert. Die Höhen sind erst niedrig – Bordsteine zum Beispiel. Oder kleine Mäuerchen.

Erst allmählich wagen sich Parcours-Läufer auch an höhere Hürden. „Vieles ist eine Sache des Training,“ sagt Leson. Und der Erfahrung. „Ich merke zum Beispiel schon beim Absprung, ob das, was ich vorhabe, funktionieren wird“, sagt Wins. Wenn nicht, bricht er den Versuch frühzeitig ab. Mit der Zeit entwickele man zudem ein Gefühl für Oberflächen. „Gerade wenn es warm wird, verändern sich die äußeren Begebenheiten extrem.“ Wirklich verletzt hätten sich beide beim Parcours noch nie. Klar, da sind ein paar kleine Beulen am Schienbein. „Aber das gehört eben dazu.“ Kein Grund, vom eingeschlagenen Weg abzurücken.

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