OT Talstraße: An der Wohnlichkeit wird noch gearbeitet

Von: Martina Feldhaus
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Auch der Billardtisch steht im Container: Die jungen Leute der Offenen Tür Talstraße treffen sich in den nächsten zweieinhalb Jahren im Provisorium. Foto: Ralf Roeger

Aachen. So ganz kann sich Patricia Roeer noch nicht an die neue Umgebung gewöhnen. „Die alten Räume fand ich besser“, sagt sie. „Die hatten Bedeutung.“ Die 16-Jährige spricht von der ehemaligen Unterkunft der Offenen Tür Talstraße.

Bis vor einem Monat nutzte die OT – wie seit vielen Jahren – rund 1200 Quadratmeter im alten Eisenbahndepot im Aachener Norden. Das Gebäude aber war, freundlich formuliert, ziemlich in die Jahre gekommen. Dunkel und heruntergekommen, das trifft es wohl eher.

Froh über das neue Zuhause

Deshalb ist Angelika Diehl, Leiterin der OT, jetzt auch überaus froh über das neue Zuhause der Einrichtung. Seit Mitte Oktober die Bauarbeiten zum neuen Stadtteil- und Kulturzentrum begonnen haben (siehe Box), kommen rund 50 bis 60 Kinder und Jugendlichen täglich in zwei große Container – das OT-Provisorium für die nächsten zweieinhalb Jahre. Die Stadt hat es errichtet, damit die Jugendarbeit im Viertel nahtlos und möglichst ohne Einschränkungen weitergehen kann.

600 Quadratmeter auf zwei Etagen stehen jetzt für Freizeitangebote wie Fußball, Tanzen, Kochen und Basteln sowie Hausaufgabenhilfe und Projekte zur Verfügung. Die Fläche ist also um die Hälfte geschrumpft. „Trotzdem ist das eine hundertprozentige Verbesserung“, findet Diehl. Na klar, der Kult-Faktor mit Graffiti und reichlich altem Kram sei beim Umzug verloren gegangen. Das versteht die Leiterin schon. Und auch, dass es nicht ganz leicht ist, sich in sterilen Containerräumen mit viel Weiß und wenig Charme wohlzufühlen.

Doch an der Wohnlichkeit arbeiten seit dem Einzug alle kräftig mit. Bilder und Fotos wurden aufgehängt, und die Jugendlichen haben in Zusammenarbeit mit den Betreuern die alte Theke – „da war nur noch das Metallgerüst intakt“ – wieder aufgebaut. Die steht jetzt im „neuen“ Jugendcafé, das sich gleich beim Eintreten in die OT auftut. Außerdem dabei: ein Billardtisch, ein Kicker, eine Tischtennisplatte und eine gemütliche Sitzecke aus Sofas.

„Manche trauern den alten Räumen natürlich etwas hinterher“, sagt Diehl. „Das ist auch verständlich, weil sie oft schon seit der Kindheit dorthin gegangenen sind, und teilweise sogar ihre Eltern schon kamen. Viele fragen mittlerweile aber auch: Können wir nicht für immer hier im Container bleiben?“ In jedem Fall, so die Leiterin, wüssten es alle zu schätzen, dass die Stadt in diese Übergangslösung ganz nah dran an der alten Heimat investiert hat. „Die Jugendlichen fühlen sich dadurch wertgeschätzt.“

Trotz des kleineren Raumangebots konnte das Freizeitangebot der Offenen Tür komplett erhalten werden. Das zeigt sich beim Gang durch die beiden Stockwerke der miteinander verbundenen Container. Im Erdgeschoss wurde die vorhandene Küche wieder eingerichtet, ein separater Büroraum liegt gleich ums Eck. Und oben – wo alles noch ein wenig sortiert und verschönert werden muss – reihen sich Räume für Instrumente, Werkstatt, Lager, Fitnessgeräte und Hip-Hop aneinander.

Angelika Diehl geht davon aus, dass durch den Umzug in die zwar provisorischen, aber doch viel helleren und einladenderen Räume noch mehr Kinder und Jugendliche den Weg in die OT finden. „Viele haben sich früher vielleicht auch nicht getraut, weil der dunkle Flur zu uns und das Gebäude überhaupt sie abgeschreckt haben. Jetzt kommt man her und ist sofort mittendrin im Geschehen. Das wird für mehr Miteinander sorgen“, ist sie überzeugt.

Ein zweiter Neuanfang

Und sie hofft, dass sich dieses Mit­einander in zweieinhalb Jahren auch auf das sanierte Eisenbahndepot überträgt. Denn dann geht es zurück ins alte Gebäude, in das neue Stadtteilzentrum. „Ein richtiges Zurück ist das aber nicht“, sagt Patricia Roeer. Vielmehr wird es wohl ein zweiter Neuanfang sein.

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