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Ostviertel: Im Sommer findet ganz viel Leben auf der Straße statt

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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Judith Schumacher, Peter Klein, Christian Beckers und Karl-Heinz Kraut (v. l.) vor dem Treff der Lebenshilfe im Panneschopp. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Polizeipräsident Klaus Oelze spricht von einem Problemviertel mit überdurchschnittlicher Kriminalitätsrate, die „Lebenshilfe“ von einem besonders bunten Bereich, in dem sich ihre Schützlinge auch besonders wohlfühlen. Auf den ersten Blick ein Widerspruch, auf den zweiten aber erklärbar.

Judith Schumacher: „Mir ist als Sozialpädagogin völlig bewusst, dass es hier im Viertel diverse Problemlagen gibt, was auch nicht vergessen werden darf und bestimmt sorgfältig bearbeitet werden muss.“ Gerade deshalb müsse man darüber sprechen, was „dieses Viertel attraktiv als Lebens- und Arbeitsraum macht“. Judith Schumacher (37) leitet bei der Lebenshilfe Aachen den „Wohnverbund Panneschopp“, sozusagen im Herzen des Ostviertels.

Mit ihren Mitarbeitern unterstützt sie insgesamt 35 erwachsene Menschen mit (vorwiegend geistiger) Behinderung. Diese leben in dem kleinen stationären Haus (13 Plätze) in der Lützowstraße 9, sowie darüber hinaus im ganzen Viertel verteilt in verschiedenen WGs beziehungsweise als Paar oder auch alleine in einer Wohnung. Außerdem gibt es einen kleinen Stadtteiltreff in der Leipziger Straße 1a, wo verschiedene Kurse und Aktionen für Menschen mit und ohne Behinderung angeboten werden. Schumacher: „Ich arbeite seit elf Jahren sehr gerne hier und habe mich vom ersten Tag in diesem Viertel wohlgefühlt. In Bezug auf unsere Klienten kann ich sagen, dass hier die berühmte und gern zitierte Inklusion schon wesentlich länger tatsächlich einfach stattfindet, und zwar bevor das Wort von irgendwem überhaupt in den Mund genommen wurde.“

Die Schützlinge bewegen sich größtenteils eigenständig, alle lebensnotwendigen Geschäfte sind fußläufig erreichbar. Es gibt gute Kontakte und viel Austausch mit der Nachbarschaft. Gruppenleiter Christian Beckers: „Unsere Bewohner fühlen sich hier wohl. Besonders im Sommer findet ganz viel Leben auf der Straße statt. Die Lage hier ist optimal.“ Dann wird auch der Kennedypark gerne zur Freizeitgestaltung genutzt, egal ob für Fußball, Spaziergang oder Picknick. „Das funktioniert auch mit Jugendlichen überraschend gut, die spontan mitspielen. Direkt vor Ort zu sein bewirkt, dass direkte Ängste abgebaut werden.“

Beim Multikultifest im Park ist die „Lebenshilfe“ mit einem Stand präsent und einige Schützlinge und Betreuer singen regelmäßig im Stadtteilchor Aachen Ost/Rothe Erde. Beckers: „Ich weiß gar nicht, aus wie vielen Nationen dort Menschen mitsingen. Es macht nichts aus, wenn jemand den Ton nicht trifft.“

Auch der Kennedygrill ist natürlich ein gern besuchter Ort für Geburtstagsfeiern. Karl-Heinz Kraut hat dort letzten Oktober seinen 60. Geburtstag gefeiert: „Wir haben Döner gegessen.“ Der Alemannia-Fan besucht auch hin und wieder mit einem Betreuer ein Heimspiel auf dem Tivoli.

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