„Orte der Macht“: Projektoren machen aus Holzkiste Karlsschrein

Von: Werner Breuer
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„Sprechende Fresken“: Details der Bilder im Krönungssaal werden durch eine besondere Ausleuchtung hervorgehoben und mit an die Wand projizierten Texten erklärt. Foto: Andreas Herrmann
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Auf der Baustelle: Kurator Frank Pohle, Olaf Müller vom Kulturbetrieb, Media-Experte Axel Wirths und Ausstellungsplaner Ulrich Hermanns (v.l.).

Aachen. Mit klaren Worten beschreibt Professor Frank Pohle das Offensichtliche: „Wir sind noch nicht fertig“, sagt der Kurator der Ausstellung „Orte der Macht“ im Krönungssaal des Rathauses. Um ihn herum hantieren Schreiner mit Akkuschraubern, Media-Techniker bearbeiten ihre Laptops und richten Beamer aus.

Am 19. Juni soll die Schau feierlich eröffnet werden, und Pohle blickt gelassen auf das gute Dutzend Spezialisten bei der Arbeit. „Das klappt.“

Dabei geht es nicht nur darum, Vitrinen und Podeste für Ausstellungsstücke zu basteln und sie ins rechte Licht zu rücken. „Das ist eine kulturhistorische Ausstellung“, erklärt der Kurator, „wir erzählen eine Geschichte.“

Die beginnt mit dem, was man eigentlich eher am Ende erwarten könnte: Wer den Krönungssaal betritt, erblickt zunächst den Karlsschrein – zumindest glaubt man das. Aber es ist bekanntlich nicht alles Gold, was glänzt. Tatsächlich steht dort ein Holzmodell, das von vier Projektoren erst zum Karlsschrein gemacht wird. „Das Gold zu simulieren ist extrem schwierig“, weiß Media-Experte Axel Wirths. Die 3D-Animation macht es sogar möglich, den Schrein scheinbar zu öffnen.

Moderner Technik zu verdanken sind auch die „sprechenden Rethel-Fresken“, wie Olaf Müller sie nennt. Der Leiter des städtischen Kulturbetriebs verweist auf den „Grundsatzbeschluss“, den Krönungssaal in das Ausstellungsprojekt „Macht, Kunst, Schätze“ einzubeziehen. Und das nicht nur als überdachten Raum in zentraler Lage, sondern ganz gezielt mit seinen Gegebenheiten.

Dazu gehören natürlich die großen Fresken, die Besucher sonst nur als Ganzes wahrnehmen. Jetzt aber wird die „Geschichte jedes Bildes erzählt“, wie Ausstellungsplaner Dr. Ulrich Hermanns erklärt. Einzelheiten werden durch besondere Ausleuchtung hervorgehoben, dazu werden erklärende Texte an die Wand projiziert.

Aber es ist nicht alles Projektion. Auch leibhaftige Exponate werden die Besucher im Krönungssaal bestaunen können. In jenem Teil der Schau, der sich dem reisenden Karl widmet, wird gar ein Pferd zu sehen sein. „Das ist schon da“, sagt Kurator Pohle und zeigt auf eine große Holzkiste. Die meisten Exponate werden allerdings erst in der kommenden Woche angeliefert. So herrscht derzeit noch gähnenden Leere in einer Vitrine, die künftig Waffen aus der Karolingerzeit beherbergen soll.

Einen Schwerpunkt bilden die Pfalzbauten Karls. Für Kurator Pohle geht es dabei um die Frage, wie der Kaiser versuchte, durch die Bauten seine Macht zu repräsentieren. „Die hat er auch schon so gebaut, als er noch nicht Kaiser war“, sagt Pohle. Nach Karls Krönung sei das dann einfach so weitergegangen, „da ist kein Bruch erkennbar“.

Eine kleine Pfalz haben sie auch in den Krönungssaal gebaut. Hier steht das höfische Leben bei Kaisers in Aachen im Mittelpunkt. Und hier sind auch wieder Projektoren im Einsatz, die die Besucher mit einer 360-Grad-Animation rundum ins Bild setzen. Das Gezeigte beruhe auf dem neuesten Stand der Forschung, betont Axel Wirths.

Dafür sorgte nicht zuletzt ein wissenschaftlicher Beirat, dem der Sachverstand von Historikern und Politologen und anderen Fachleuten vertreten war. Dort sei auch die Frage diskutiert worden, ob Karls Tod das Ende der Ausstellung markieren soll, erzählt Olaf Müller. Man entschied sich dagegen. „Wir wagen den Sprung in die Gegenwart“, sagt Müller. So werden zum Schluss die Besucher auf moderne Macht-Orte wie das Weiße Haus in Washington hingewiesen – und um ihre Einschätzung gebeten. „Das ist interaktiv“, erklärt Olaf Müller. Zu den Bildern können die Besucher ihre Kommentare schreiben.

Die Kosten für all das sind mit rund 2,5 Millionen Euro kalkuliert. Und den Zeitplan hält Ausstellungsplaner Hermanns für eine „sportliche Herausforderung“. Schließlich konnten die Fachleute nicht einfach früh genug anfangen. Vor gut einer Woche wurde der Krönungssaal noch für die Verleihung des Karlspreises gebraucht, in knapp zwei Wochen soll die Ausstellung eröffnet werden. „Wir werden früh genug fertig“, verspricht Hermanns.

Darauf verlassen sich viele: Laut Irit Tirtey vom städtischen Kulturbetrieb haben sich schon mehr als 2700 Gruppen zu Führungen angemeldet.

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