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„Ornithologische Sensation”: Kirche ist Kinderstube für Wanderfalken

Von: Georg Dünnwald
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Noch üben drei kleine Wanderf
Noch üben drei kleine Wanderfalken die Jagd auf Tauben und andere Vögel. Das Elternpaar hatte den vom Naturschutzbund Deutschland angebotenen Nistkasten angenommen. Nach 32 Bruttagen schlüpften drei Nachkömmlinge. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Menschen schauen auf dem Jakobsplatz in Aachens Westen angestrengt in den Himmel. Sie sind begeistert von dem, was sich am Turm von St. Jakob tut. Und Dieter Toussaint, Bewohner des Quartiers, kommentiert trocken: „Jetzt haben wir viel weniger Tauben hier.” Denn auf dem Kirchturm von St. Jakob nisten Wanderfalken.

„Das ist eine ornithologische Sensation”, frohlockt Herbert Fleu vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Denn es ist endlich gelungen, auch in Aachen Wanderfalken eine Heimat zu bieten.

Auf dem Turm der Jakobskirche haben sich die Greifvögel häuslich niedergelassen und drei Junge groß gezogen. „Das ist das erste Mal seit Menschengedenken, dass in Aachen Wanderfalken nisten”, erzählt Fleu. Nach 32-tägiger Brutzeit schlüpften Ende Juni die drei jungen Vögel, die vier bis fünf Wochen im Nest bleiben, um danach unter Aufsicht ihrer Eltern andere Vögel zu jagen.

„Ein Falke schlägt ausschließlich in der Luft zu, er hat die Kraft, eine Taube oder eine Drossel zu schlagen”, sagt Fleu. Keineswegs sollte man die am Turm lebenden Vögel mit Turmfalken verwechseln, „die sind nur halb so groß”.

Im Lehrbuch steht aber doch, dass Wanderfalken in Felshöhlen nisten. „Ja”, bestätigt der Naturschützer, „aber Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre waren Wanderfalken fast ausgestorben. Insektenvertilgungsmittel, die von der Beute der Greifvögel mit dem Futter zu sich genommen wurden, bewirkten, dass die Eierschalen der Falken so dünn wurden, dass sie kaum mehr Nachwuchs hatten, Jäger und Taubenzüchter jagten die stolzen Vögel.

Außerdem wurden die Nester häufig ausgeräubert, weil arabische Ölscheichs seinerzeit zwischen 70.000 und 80.000 D-Mark aus Prestigegründen für ein Tier auf den Tisch legten.” Nur noch drei Paare seien damals bundesweit registriert worden.

Züchtung von Wanderfalken

„Also wurde mit der Züchtung von Wanderfalken begonnen, gleichzeitig wurden sie daran gewöhnt, an hohen Gebäuden wie Kirchtürmen und alten Industrieanlagen zu nisten”, sagt Fleu, „es wurde aber auch höchste Zeit.” Nun scheint der Bestand in Deutschland halbwegs gesichert zu sein.

Im Februar vor zwei Jahren seien die ersten Wanderfalken in Aachen beobachtet worden. „Die kreisten über dem Dom und über St. Jakob.” Helmut Maintz baute mit seiner Dombaumannschaft einen Nistkasten, der erwies sich aber als zu klein.

Der Nabu stellte einen zweiten Kasten „mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Andreas Mauritz” (Fleu) auf dem Jakobsturm auf. „Den hatten Mitarbeiter der Unteren Landschaftsbehörde nach unseren Angaben gezimmert”, erläutert Fleu: „Die Züchtung von Wanderfalken war übrigens sehr erfolgreich. Zurzeit können wir alleine in Nordrhein-Westfalen 170 Paare beobachten.”
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