Aachen - Orkan zerzaust Aachen, schulfrei am Inda

Orkan zerzaust Aachen, schulfrei am Inda

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
sturm
Auch die Backenzahnkirche in Aachen wurde durch einen umgeknickten Baum beschädigt. Foto: Roeger

Aachen. War „Xynthia” schlimmer als damals „Kyrill”? Jürgen Laufer von der Wetterwarte auf dem Wingertsberg sieht den Orkan, der am Sonntag über die Stadt hinweggefegt ist, durchaus in einer Reihe mit dem berüchtigten Vorgänger, der vor drei Jahren auch die Aachener Region arg zerzauste.

„Die Windgeschwindigkeiten waren jetzt stärker als damals”, sagt der Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes. Immerhin 33,7 Meter pro Sekunde hat Laufer auf seinem Hügel im Stadtpark gemessen. Mit wuchtigen 121 Kilometern pro Stunde ­ Windstärke 12 ­ tobte das Sturmtief Xynthia durch die Region.

Die Auswirkungen waren dementsprechend: Drei Verletzte wurden bis zum Abend gezählt. Ein Mensch war von einem herabfallenden Schild am Kopf getroffen worden, seine Verletzungen mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Zudem wurden zwei Personen durch umherfliegende Glassplitter leicht verletzt, als in ihrer Nähe ein Fenster auf die Straße krachte. Bei zwei witterungsbedingten Verkehrsunfällen bleib es nach Angaben der Polizei bei Blechschäden.

Ansonsten richtete der Orkan reichlich Verwüstungen an. Nicht nur in Laufers Nachbarschaft auf dem Wingertsberg krachten Bäume zu Boden. Auf dem Meisenweg in Forst traf ein umstürzender Baum einen Kleinbus und beschädigte ihn schwer. Einen heftigen Treffer bekam auch das Kirchendach von St. Hubertus an der Händelstraße ab. Der sogenannte Backenzahn in Hanbruch wurde von einem umgestürzten Baum erwischt.

Generell sorgte viel Holz auf den Straßen für zahlreiche Behinderungen. So musste etwa der Iternberg in Kornelimünster wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden. Die Aseag musste deshalb mit ihrer Linie 35 einen Umweg über Venwegen machen. Auch auf der Hörn wurde auf diese Weise der Buslinie 33 der übliche Weg verlegt. In Kornelimünster beschert Xynthia überdies den Schülern des Inda-Gymnasiums am Montag einen unterrichtsfreien Tag. Der Sturm hatte nämlich eine der drei Plexiglaskuppeln vom Dach der neuen Aula gerissen und auf dem Schulhof zerschellen lassen.

Aus Sorge, weitere Schäden könnten Personen gefährden, entschied die Schulleitung, am Montag den Unterricht ausfallen zu lassen. Zunächst soll nun überprüft werden, was sonst noch Schülern oder Lehrern auf den Kopf fallen könnte. Sicherheitshalber schloss auch die Euregio-Wirtschaftsschau ihre Pforten, und ein Flohmarkt an der Breslauer Straße wurde ebenfalls geräumt, nachdem Feuerwehr und Polizei dort Gefahrenstellen ausgemacht hatten.

Ähnlich wie der Aula des Inda-Gymnasiums erging es einer Lagerhalle einer Spedition. Hier fegte der Sturm Lichtkuppeln hinweg, der Regen bedrohte die darunter lagernden hochwertigen elektronischen Geräte. Die Halle wurde deshalb geräumt. Auch andere Dächer wurden vom Orkan arg gezaust.

So demolierte Xynthia etwa das Dach einer Tankstelle am Hohenzollernplatz oder deckte eine Garage in der Eilendorfer Josefstraße ab. An vielen Stellen der Stadt flogen Dachziegel auf die Straße, zudem riss der Sturm Schilder, Reklamewände und Baustellenabsperrungen um.

Die Aachener Feuerwehr war mit allem im Einsatz, was Räder hatte. Noch vor dem Höhepunkt des Orkans ­ Wetterdienst-Mitarbeiter Laufer registrierte die stärksten Böen gegen 14.30 Uhr ­ hatte die Berufsfeuerwehr sämtliche Kollegen der freiwilligen Löschzüge alarmiert, weil anders das Einsatzaufkommen nicht mehr zu bewältigen war. Bis zum Abend mussten die 80 Wehrleute der Berufsfeuerwehr und 229 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr über 200 mal Hand anlegen. Daneben waren 32 Helfer des Technischen Hilfswerks im Einsatz und natürlich hatte auch die Aachener Polizei allerhand zu tun.

Beschäftigt waren die Einsatzkräfte nicht nur in der Stadt, sondern etwa auch auf der Autobahn 4, die zwischen dem Aachener Kreuz und der niederländischen Grenze wegen einer umgefegten Baustellenabsperrungen gesperrt war. Blockiert war überdies die Bahnstrecke zwischen Aachen und Mönchengladbach, weil Bäume auf den Gleisen lagen.

Der Zugverkehr in ganz Nordrhein-Westfalen wurde wegen des Sturms zeitweise sogar eingestellt „So heftig habe ich das noch nicht erlebt”, sagt Jürgen Laufer von der Wetterwarte. Er erinnert sich zwar an stärkere Orkanböen mit 150 Stundenkilometern im Jahr 1990. Diesmal jedoch habe der Wind zwischendurch immer noch im Mittel mit Windstärke 8 ­ also über 60 Kilometer pro Stunde ­ geblasen. Und das über 50 Minuten lang. „Das gibt es sonst nur an der Küste oder in den Bergen”, sagt Jürgen Laufer.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert