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„Oranje boven“: Am Tivoli waren sie besser

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Generationen und Nationen übergreifender Fußballspaß am Tivoli: Die Familie schaute sich gemeinsam Mathhäus gegen Koeman und Co. an, das Spiel von 74 war für die „Altvordeneren“ unvergessen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Na ja, ein Jahrhundertspiel war das Treffen des Oranje-Altstar-Teams und der deutschen Spieler um Matthäus und Co. am Tivoli dann doch nicht. Aber: Die alte Leidenschaft und Rivalität glimmte zwischen den Fußballern auch am Sonntag wie eine schlecht ausgedrückte Zigarette.

Der Funken sprang über auf die Ränge der rund 20.000 Fans, die entsetzt aufstöhnten, als das letzte Tor von Oliver Neuville zum 4:4 nicht gegeben wurde.

Aber Schluss mit Nachtreten: Der späte Sonntagnachmittag war ein schönes Familienfest, an dem Jung wie Alt zwei abwechslungsreiche Halbzeiten der Altprofis von Basler, über Koeman bis Wosz auf dem ach so schönen Tivoli-Rasen sahen. Vor dem Anpfiff flanierte zum Beispiel eine Vierergruppe mit Fähnchen und Deutschlandbemalung in der Sonne auf dem Vorplatz. Bei näherem Hingucken war das die erwachsenen Kinder mit den rüstigen Eltern.

Jahrhundertspiel? Das war zweifellos bei der WM 1974, als die Deutschen Kicker die Niederländer durch ein Tor von Bomber Müller 2:1 schlugen. „Da war ich gerade Zwölf“, erinnerte sich lachend die Mutter, der Vater nickt heftig und sinniert: „Ja, die WM in Deutschland. Und wir haben die Holländer 2:1 geschlagen, waren Weltmeister. Was will man mehr?“Nichts, könnte man vorbehaltlos einstimmen, nur ein aktueller Sieg über die Nachbarn würde auch heute weiterhelfen. Das sollte aber nicht sein.

Doch 39 Jahre später ist man im Öcher Grenzgebiet sicherlich ein Stückchen weiter. Da posierte für den „Nachrichten“-Fotografen ein junges Pärchen. Er kam aus dem nicht fernen Geleen und hatte einen knatsch-orangenen Hut auf.

Spaß in der Sonne

Sie, die Freundin, kam aus Linnich, hatte ihre Wangen schwarz-rot-gold mit Fingerfarben verziert und trug eine ebenso in deutschen Nationalfarben gestylte Winke-Hand mit sich: „Wir sind hier zusammen hin, um Spaß zu haben“, meinten sie munter und spazierten in die Abendsonne.

Am Stand mit den Fanschals und den Trikots der deutschen Nationalspieler aller Altersklassen wehten auch richtig große Fahnen. Zwischen die deutschen Banner hatte der Verkäufer aus gutem Grund auch ein niederländisches Hoheitszeichen gesteckt. „Das ist aber eine schöne Mutti“, stellte begeistert ein Zehnjähriges fest, der sich von der rot-weiß-blauen Fahne angesprochen fühlte. „Welche meinst du denn“, fragt Mutti arglos, der Kleine zeigt drauf. „Aber junge, die ist von den Holländern“, zog sie den Spross naserümpfend fort.

Also geht es doch weiter, mit dem den Kabbeleien unter Nachbarn. 1974 – das war ein Datum, das sich wie das Spiel von Bern im Jahr 1954 in die Seele eingebrannt hat. So erinnerte sich Friedhelm Radermacher, bekannt als Penn-Soldat, an die Zeit: „Ich war erst Zehn. Aber meine Oma hatte in Schmithof eine Kneipe. Da haben wir das Spiel alle gesehen, das war riesig“, lachte er und wollte am Tivoli wahrscheinlich wieder Ähnliches erleben.

Damals,1974, gab es auch richtig Ärger im Grenzgebiet. So hatten die zahlreichen Studenten, die in der Nachbargemeinde Vaals wohnten, nach der Niederlage der Mannschaft um Johan Cruyff umgehend deutlich mehr Ärger mit den kommunalen wie den Grenzbehörden. So konnte man damals bis zum Spiel unbesorgt den in Deutschland zugelassenen Wagen, es war zumeist ein R4 oder 2CV, auch mit einem deutschen Führerschein zur Vaalser Studentenbude kutschieren. Nur einen Tag nach dem Jahrhundertspiel von 74 kam die Verfügung der sauern Niederländer: Ab sofort hatte man einen niederländischen „Lappen“ nachzuweisen. Wer noch keinen hatte, musste ihn beantragen, sonst ...

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