Aachen - Opulenter Sprachstrom im Theater K

Opulenter Sprachstrom im Theater K

Von: Grit Schorn
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„Tango, Tod und Teufel“: Annette Schmidt (rechts), Johanna Schmidt (links) an der Violine und Lydia Hilgers (nicht im Bild) am Klavier verbinden zusammen mit der Video-Produktion von Peter Schneider die Erzählung „Das nackte Mädchen auf der Straße“ und Gedichte von Luis Cernula zu einem opulentem Sprachstrom. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Ebenso wild wie melancholisch und verträumt kommt dieser Abend im Theater K daher. „Tango, Tod und Teufel“ heißt die Koproduktion von Duo Tarantelle und Theater K. Auf der kleinen Foyerbühne tummeln sich nicht nur drei Personen, sondern auch ein Piano und etwas Mobiliar.

Ganz am Rand beweist die virtuose Johanna Schmidt, dass sie eine wahre Teufelsgeigerin ist und auch an der Bratsche voll und ganz überzeugen kann. Lydia Hilgers am temperamentvollen Klavier komplettiert das beliebte Duo Tarantelle, auf dessen Initiative „Tango, Tod und Teufel“ zurückgeht. Und Annette Schmidt ist ganz die elegante, weltläufige Dame.

Die vielen Besucher im Theater K kommen kaum aus dem Staunen heraus. Die Erzählung „Das nackte Mädchen auf der Straße“ von Autor Fritz Rudolf Fries, 1935 in Bilbao geboren, und Gedichte von Luis Cernula vereinigen sich zu einem opulenten Sprachstrom, von Annette Schmidt hinreißend vorgetragen. Die kongeniale Video-Produktion von Peter Schneider lassen die bunten Farben einer Großstadt leuchten. Wo plötzlich ein Fremder auf eine junge Frau aufmerksam wird. Sie ist völlig nackt, doch niemandem außer dem Flaneur scheint dies aufzufallen. Die Geschichte einer Verführung nimmt ihren Lauf.

Die enge Bühne, ganz in Rottöne getaucht, lässt die Verstrickung der beiden spürbar werden. Während die elegante Dame ihr Rotweinglas kreisen lässt, erzählt sie von Albrecht, der die nackte Frau mit sich nimmt, ihr Schuhe kauft und Kleidung. Fast symbolistisch mutet die Wortkunst von Fries und Cernuda an, das Publikum wird in das irrational-traumhafte Erleben hineingesogen. Melancholisch, wild und brutal ebenso wie lyrisch-sanft ist die Tango-Musik von Piazolla, Chatchaturian oder Schdedrin, von Johanna Schmidt und Lydia Hilgers nicht als „Begleitung“ gespielt, sondern als unverzichtbarer Bestandteil in die Sprache verwoben. Wenn in der Handlung manches auch unklar bleibt – insbesondere die Szenen im Hotel – bleibt der unbezähmbare Tango-Rhythmus noch lange im Ohr.

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